Henggart

Schräge Vögel, Schlamm und ein erzwungener Kuss

Claudia Jucker und Michael Frauenfelder aus Henggart sind mit einem Oldtimer ein halbes Jahr lang durch Afrika gereist. Dabei lernten sie Zöllner, Polizisten und sich selber kennen.

Claudia Jucker und Michael Frauenfelder in ihrem alten Toyota. Bei vielen geniesst das Gefährt Kultstatus: «Wir wurden immer wieder fotografiert».

Claudia Jucker und Michael Frauenfelder in ihrem alten Toyota. Bei vielen geniesst das Gefährt Kultstatus: «Wir wurden immer wieder fotografiert». Bild: pd

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Nach abgeschlossener Berufsausbildung leisten sich heutzutage viele eine Auszeit. Australien, Asien oder Südamerika heissen die Reiseziele meist. Claudia Jucker und Michael Frauenfelder aus Henggart haben sich für Afrika entschieden.

Die 21-jährige Kauffrau und der 27-jährige Landmaschinenmechaniker kauften sich im Internet für 5000 Franken einen alten Toyota und fuhren damit von Namibia aus los. Ein halbes Jahr lang durchquerten sie unter anderem Südafrika, Mozambique, Malawi, Tansania, Botswana und Sambia.

Seit kurzem sind sie zurück in Henggart. Er schneidet auf dem väterlichen Hof Spargeln und repariert Maschinen. Sie beginnt im Mai wieder mit ihrer Arbeit im Sekretariat des Winterthurer Stadtrats. Mit noch leicht sonnengebräunten Gesichtern, berichten sie von ihren Erlebnissen.

Panne im Paradies

Der über 30 Jahre alte Toyota Landcruiser entpuppte sich während der Reise nicht nur als praktisches Heim mit Kochnische und Bett, sondern auch als Türöffner. Bei vielen geniesst das Gefährt offenbar Kultstatus. «Wir wurden immer wieder fotografiert», sagt Frauenfelder. An einem Polizeistützpunkt in Sambia trafen sie zum Beispiel einen lachenden Polizisten an. Statt mit kritischen Fragen begrüsste er sie mit einem «High Five», um dann interessiert das Fahrzeug zu besichtigen.

Weniger Glück hatten die beiden in einem Nationalpark in Sambia. Bei einem Wendemanöver blieben sie für mehrere Stunden im Schlamm stecken. Michael Frauenfelder versuchte mithilfe eines Wagenhebers Äste und Bretter unter die Räder zu bringen. Claudia Jucker hielt auf dem Dach nach wilden Tieren Ausschau. Keine unnütze Aufgabe: Der Park gilt als Paradies für Leoparden.

Heiratsantrag und Elefanten

Eigenartiges trug sich in einem Zollamt an der Grenze von Sambia zu Malawi zu. Der Zöllner beschrieb den beiden Ankömmlingen Malawi als Herz Afrikas und betonte, dass verliebte Paare hier besonders willkommen seien. Erst als sich die beiden schliesslich vor seinen Augen küssten, lachte der Mann und stellte ein Visum aus.

Gewöhnungsbedürftig war für Michael Frauenfelder auch, dass es unter Männern üblich war, Händchen zu halten. Selbst Polizisten, die ihm nur kurz etwas erklären wollten, nahmen in an die Hand. Überrascht hat ihn, dass sich zwar manch einer kaum vorstellen kann, dass es in der Schweiz keine wildlebenden Elefanten gibt, dafür aber über Schoggi, Sackmesser oder Xherdan Shaqiri Bescheid wusste.

Die zahlreichen Begegnungen haben die Reisenden aus Henggart zusammengeschweisst. In den letzten Wochen fasste sich Michael Frauenfelder ein Herz. Die Sonne ging gerade unter. Elefanten tranken in Sichtweite an einem Wasserloch. Und er fragte seine Reisebegleiterin, ob sie seine Frau werden wolle. In einem Jahr wollen sie nun wieder nach Afrika: Diesmal für die Flitterwochen. Der alte Toyota steht immer noch bereit. Sie haben ihn in einer Lagerhalle in Afrika deponiert. (Landbote)

Erstellt: 21.04.2015, 12:29 Uhr

Die 21-jährige Claudia Jucker und der 27-jährige Michael Frauenfelder aus Henggart. Während ihrer Reise haben sie auch einen Reiseblog geschrieben. (Bild: Donato Caspari)

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