Strafvollzug

Wieder frei zu sein ist nicht einfach

Wer aus dem Strafvollzug entlassen wird, muss sich eine neue Existenz aufbauen und das alte Leben hinter sich lassen.

Einfach nur raus: Derart simpel ist es für Gefängnisinsassen oft nicht.

Einfach nur raus: Derart simpel ist es für Gefängnisinsassen oft nicht. Bild: Urs Jaudas

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«Die Gesundheit hat mir gesagt, dass ich aufhören muss», sagte der ehemals suchtkranke frühere Gefängnisinsasse «Herr Straub» im Gespräch mit Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP). Die Unterhaltung zwischen der obersten Verantwortlichen des Strafvollzugs im Kanton Zürich und dem früheren Insassen fand im Rahmen des Mediengesprächs der Direktion der Justiz und des Innern am Dienstagabend in Winterthur statt. Fehr informierte darüber, dass das für Justizvollzug in Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung umbenannt wird (siehe Kasten).

Im Mittelpunkt des Anlasses stand jedoch «Herr Straub», der in Wirklichkeit anders heisst, aber bereitwillig Auskunft gab, wie er nach jahrzehntelanger Suchtkrankheit und damit zusammenhängender Kriminalität den Weg zurück in ein «delikt- und konsumfreies Leben» fand. Er sei Politoxikoman gewesen. «Ich habe alles konsumiert, was man überhaupt konsumieren kann», sagte er. Und zwar jahrzehntelang. Hätte er damit nicht aufgehört, wäre er heute nicht mehr hier, ist er überzeugt. Ein Dealer sei er gewesen. Mehrfach wurde er verhaftet, sass im Gefängnis und in Therapieeinrichtungen. 42 Monate stationäre Therapie lautete das letzte Urteil.

Die Spirale von Sucht und Kriminalität zu durchbrechen war nicht einfach für ihn. Neben dem Willen, endlich etwas zu ändern, war es auch das Umfeld, welches ihm dabei geholfen hat. «Man muss sich die Leute halt aussuchen.» In der Therapieeinrichtung habe sehr rasch Kontakt zu einem Mitinsassen geknüpft, der auf einem guten Weg gewesen sei, und beispielsweise bereits extern gearbeitet habe.

Diese Möglichkeit habe er später auch erhalten. «In der Velowerkstatt der Stiftung Wisli in Bülach. Das war ein gutes Umfeld für mich». Der Konsum von Alkohol und Drogen sei dort strikt verboten.

Die Wohnungssuche war äusserst schwierig

Mittlerweile auf Bewährung wieder in Freiheit geht es für ihn ebenfalls darum, sein Umfeld neu zu gestalten. «Die alten Kollegen habe ich gelöscht. Aus dem Kopf und aus dem Handy». Zu gross sei die Gefahr, mit ihnen wieder in alte Gewohnheiten abzurutschen. Aussagen, die so ähnlich häufig vor Gericht zu hören sind. Nach Verbüssen der Strafe reicht ein Lippenbekenntnis nicht mehr, sonst drohen Rückfälle.

Illegale Drogen und Alkohol sind für «Herr Straub» jetzt tabu. «Es geht mir so viel besser. Eigentlich habe ich ein schönes Leben.» Er habe auch neue Kontakte geknüpft. «Es sind zwar nur drei, vier Leute. Aber das reicht mir. Sie stehen zu mir.»

Eine der grössten Schwierigkeiten auf dem Weg in ein normales Leben sei die Wohnungssuche gewesen. «Herr Straub» hat hohe Schulden. «Eine Schuldensanierung ist nicht möglich, mir bleibt nur der Privatkonkurs.» In einer Gemeinde im Zürcher Oberland wurde er trotzdem fündig. «Der Vermieter hat nicht einmal einen Betreibungsauszug verlangt. Eine Bestätigung über meine IV-Rente hat ihm gereicht. Er wollte mich sehen und mit mir reden, danach habe ich die Wohnung bekommen». Der Vermieter sei 91 Jahre alt. «Leute wie ihn sollte es mehr geben.»

Er schaue, dass er jeden Tag aus der Wohnung rauskomme. Wenn er nur zuhause rumhocke, werde er depressiv. Und er freut sich auf den Frühling. «Ich fahre nämlich gerne Velo.» Einer Arbeit geht er derzeit nicht nach. Das zu ändern, sei eines seiner Ziele.

Erstellt: 22.01.2020, 17:25 Uhr

Den Fokus auf Wiedereingliederung legen

Das «Amt für Justizvollzug» (JuV) des Kantons Zürich wird zum «Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung» (JuWe). Wie Justizdirektorin Jacqueline Fehr vor den Medien sagte, soll mit der Namensänderung zum Ausruck gebracht werden, dass Wiedereingliederung das oberste Ziel des Strafvollzugs sei. Das JuWe bietet den Insassen der Strafvollzugseinrichtungen Unterstützung in etlichen Bereichen an, beispielsweise bei der Suche nach Arbeit oder einer Wohnung. Aber auch die Gesellschaft stehe in der Verantwortung. «Ehemalige Gefängnisinsassen können nur dann zu besseren Nachbarn werden, wenn wir sie bessere Nachbarn werden lassen», sagte Fehr. (ple)

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