Züi-Fäscht

Zwingli kommt für Selfies vom Sockel

Die Statue von Ulrich Zwingli ist gestern vom Sockel gehoben worden. Während des Züri-Fäscht steht sie bereit für Selfies. Der Reformator soll wieder unters Volk, ab August auch in den Stadtquartieren.

Der Zwingli schwebt zurück zum Volk.

Der Zwingli schwebt zurück zum Volk. Bild: aza

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Die Überraschung war perfekt, als beim diesjährigen Sechseläuten der Böögg einen Zwingli-Hut trug, erst recht, als dieser plötzlich senkrecht in die Luft flog. «Em Zwingli lupfts de Huet» – die Aktion hatte Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist ersonnen. Daran anknüpfend sagte er gestern: Der Gedanke, ein abgehobenes Denkmal sein zu müssen, hätte Zwingli sicher den «Huet glupft»! «Die Kirche findet draussen statt, sie darf nicht auf dem Sockel stehen.»

Am Wochenende findet das Züri-Fäscht statt, und dieses bot nun eine gute Gelegenheit, den Zürcher Reformator zumindest vorübergehend zu den Leuten herunterzuholen. Dies ist gestern Nachmittag geschehen. Ein Kran liess die Statue sanft herabschweben auf ein Podest vor dem Denkmalsockel. Bis heute soll daneben eine Treppe aufgebaut sein, über die man zu Zwingli auf Augenhöhe gelangen kann. Ab Freitag 17 Uhr darf man sie hochsteigen, um ein Selfie von sich und dem Reformator zu machen. Danach kann man sich in der Zwingli-Bar eine Wurst und ein Zwingli-Bier gönnen.

Sigrist erwähnte, dass Zwingli auch eine gesellige Seite hatte. Er hatte es immer wieder gesagt im Verlauf der seit 2017 laufenden Feierlichkeiten im Rahmen von 500 Jahre Reformation. Insofern wäre diese Aktion durchaus im Sinne des Reformators gewesen, ist er überzeugt.

Bei den Katholiken inspiriert

Andrea Marco Bianca, Kirchenrat der reformierten Landeskirche Zürich, sagte: Die besten Gespräche und Ideen habe man nicht unbedingt am Sonntagmorgen. Die Idee zur Denkmal-Aktion stammt von ihm. Und er hatte sie an einem Abend an einer Bar – jener der Katholiken am Züri-Fäscht 2016. Diese sind schon länger auch mit einer Restauration am alle drei Jahre stattfindenden grössten Schweizer Volksfest präsent.

Die Zwingli-Aktion wird von allen drei Landes- und Stadtkirchen getragen. Sie bildet den Auftakt zum Projekt Zwingli-Stadt 2019, das ab August bis Dezember laufen wird. Im Mittelpunkt stehen drei Meter grosse Zwingli-Figuren aus Glasfaserkunststoff. 15 Stück werden gefertigt nach dem Vorbild bei der Wasserkirche, allerdings ohne Schwert. 12 werden auf gut frequentierten Plätzen in den Stadtquartieren aufgestellt. Hinzu kommen ein Reformator am Flughafen und ein Entschleunigungs-Zwingli am Hauptbahnhof. Auch ein Zwingli im Bischofsgewand entsteht. In den Quartieren laden die unterschiedlich gestalteten Statuen zu Diskussionen beziehungsweise «Zwingli-Gsprööch» ein. Sie dürfen auch kontrovers sein. Es geht um Themen wie Wohnen, Klima, Gender, Geld, Multikulti.

Hoffen auf Botschafter

Am letzten Züri-Fäscht luden die Reformierten zu Musik in diverse Kirchen ein. Ihrem Schritt nun hinaus unters Festvolk stand zunächst ein Hindernis im Weg, wie Bianca ausführte. Der Platz rund ums Zwingli-Denkmal war 2016 Standort für rund 100 mobile WC. Bianca dankte dem Züri-Fäscht-OK dafür, dass es so schnell einen anderen Platz für die Toiletten organisierte.

Pfarrer Sigrist ist offizieller Reformations-Botschafter – noch bis Ende Jahr, wenn das im europäischen Rahmen begangene Jubiläum endet. Alle, die nun ein Selfie mit Zwingli machen, werden danach Reformations-Botschafter und -Botschafterinnen sein, hofft er. Speziell betonte er den ökumenischen Ansatz. Ihm schwebt ein Zwingli vor, der eines Tages nicht nur als Reformator, sondern als Identifikationsfigur für das christliche Zürich schlechthin gesehen wird.

Erstellt: 04.07.2019, 06:37 Uhr

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