Zürich

Kampf gegen Fangewalt wird verstärkt

Die Stadt Zürich will gewaltbereite Fussballfans noch konsequenter verfolgen. Die Situation habe sich aber mittlerweile beruhigt – auch dank Festnahmen, Rayonverboten und Meldeauflagen.

Das Projekt «Doppelpass» wird weitergeführt – mit dabei sind künftig nebst der Stadt Zürich und den Clubs FCZ und GC auch der ZSC und die Kantonspolizei.

Das Projekt «Doppelpass» wird weitergeführt – mit dabei sind künftig nebst der Stadt Zürich und den Clubs FCZ und GC auch der ZSC und die Kantonspolizei. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Front gegen Hooligans wird immer breiter. Das Projektteam Doppelpass, das sich nach mehreren brutalen Vorfällen abseits des Fussballstadions im September 2018 formiert hatte, wird erweitert. Neu stossen die Kantonspolizei Zürich und die ZSC Lions dazu. Zum Kern gehören bereits die Stadt Zürich mit Vertretern aus dem Schul-, Sport- und Sozialdepartement sowie die Stadtpolizei, Staatsanwaltschaft und die Fussballclubs FCZ und GC.

200 gewaltbereite Fans

Doppelpass arbeitet präventiv und repressiv. Seit Februar 2018 besteht bei der Stadtpolizei eine Sonderkommission, die eng mit der Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei zusammenarbeitet, um Täter konsequent zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen. Im Fokus steht eine Gruppe von rund 200 gewaltbereiten Fans, die auch ausserhalb des Stadions aktiv sind.

Dank der Soko habe sich die Situation im letzten halben Jahr beruhigt, sagt die Stadtzürcher Sicherheitsdirektorin Karin Rykart (Grüne). Mit Zahlen lasse sich diese Entwicklung nicht belegen. Aber Bilder von Gewalt unter Fans, wie etwa 2017 beim Prime Tower, habe man zuletzt nicht mehr gesehen. Polizeimeldungen über gewaltbereite Fussballanhänger seien seltener geworden.

Verfahren und Rayonverbote

«Das hat sicher mit den repressiven Massnahmen zu tun», sagt Rykart. So seien in diesem Zusammenhang zahlreiche Strafverfahren eröffnet worden. Die Soko habe 36 Ermittlungsverfahren in die Wege geleitet. Die Zahl der Rayonverbote wurde 2019 von 25 auf 35 erhöht. Zudem seien allein in diesem Jahr neun Meldeauflagen erteilt worden. Aktuell sind zehn Personen davon betroffen. Sie müssen sich an Spieltagen bei der lokalen Polizei melden und sich in ihrem Wohnort aufhalten.

Bewährt habe sich auch die sogenannte Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit im Ordnungsdienst, die bei Gewalttätigkeiten filmt und so Beweismaterial sammelt. Weiter hat die Staatsanwaltschaft einen «Krawallpikett» gebildet: Einer der fünf Experten im Bereich Fangewalt ist jeweils auch an spielfreien Tagen erreichbar und kann bei Vorfällen schnell reagieren.

Personalisierte Tickets?

Noch offen ist, ob die Videoüberwachung an neuralgischen Punkten ausgeweitet wird. Bis Ende Juli läuft am Utoquai ein Versuch. Dort wurden im Sommer 2018 Rettungssanitäter von mutmasslichen Fans angegriffen. Seit eine Videokamera installiert und die Polizeipräsenz erhöht worden sei, habe sich die Situation vor Ort beruhigt, sagt Rykart. «Wir wollen die Wirkung genau anschauen und sorgfältig entscheiden, ob und wie wir die Überwachung ausbauen. Es will ja niemand, dass in der ganzen Stadt Kameras installiert werden.» Ein Thema sei auch die Einführung von personalisierten Matchtickets. «Das liegt aber in der Kompetenz der Clubs».

Stars in der Schule

Auch die präventiven Massnahmen des Projekts Doppelpass werden weitergeführt und ergänzt. So sollen GC- und FCZ-Spieler Schulen besuchen und mit Kindern und Jugendlichen über Fairplay, Respekt und gewaltfreie Konfliktlösungen diskutieren. Das Projekt «Stars at School» gab es bereits 2014.

Ebenfalls fortgesetzt wird das Projekt «unschlagbar». Dessen Ziel ist es, Kinder und Jugendliche von Stadtzürcher Sportvereinen im Umgang mit Gewalt zu sensibilisieren. 81 Vereine haben das Label «unschlagbar» und verpflichten sich, ein gewalthemmendes Umfeld zu schaffen und auf Vorfälle adäquat zu reagieren. Aufgrund des Erfolgs wird darüber diskutiert, «unschlagbar» auf den Rest des Kantons auszuweiten. Zudem wird in der Stadt ein neues Präventionsprojekt lanciert, das sich explizit mit Fangewalt auseinandersetzt.

Problem noch ungelöst

Mit all diesen Massnahmen werde das Gewaltproblem im Umfeld von Fussballspielen noch nicht gelöst, schreiben Stadt und Fussballclubs in einer gemeinsamen Mitteilung. Es brauche auch Anstrengungen auf lokaler, interkantonaler und nationaler Ebene. Und nicht zuletzt seien auch die Medien und Eltern gefordert, um dieses gesamtgesellschaftliche Problem zu lösen.

Erstellt: 09.07.2019, 15:07 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles