Bezirksgericht Horgen

Auch der «Nicht-Flammenwerfer» fällt unter das Waffengesetz

Waffe oder Spielzeug? Tesla-Chef Elon Musk stellt der Schweizer Justiz knifflige Fragen.

Der «Not-a-flamethrower» ist nicht harmlos – aber irgendwie auch nicht richtig gefährlich...

Der «Not-a-flamethrower» ist nicht harmlos – aber irgendwie auch nicht richtig gefährlich... Bild: Screenshot Youtube

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist bekannt für exzentrisches Auftreten und schräge Ideen: US-Unternehmer Elon Musk hat Firmen wie Tesla oder SpaceX aufgebaut. Unspektakulär für Musks Verhältnisse ist da, wie der Name schon sagt, The Boring Company, also die langweilige Firma oder Bohrfirma. Diese baut Tunnels. Um Geld aufzutreiben lancierte Musk den Verkauf von Baseballkappen oder Feuerlöschern – und Flammenwerfern.

Die 20'000 Exemplare der Flammenwerfer waren anfangs 2018 innert kürzester Zeit ausverkauft. Mehr als 1000 Bestellungen kamen aus der Schweiz. Kein Wunder, wenn man die Tesla-Dichte als Massstab nimmt. Um Probleme zu vermeiden, wurden die Dinger in «Not-a-flamethrower» umbenannt. Hauptbestandteil ist ein Bunsenbrenner, der kaum mehr als eine Stichflamme hervorbringt.

Dieser Youtuber hat das Produkt von Elon Musk ausführlich getestet. Quelle: Youtube

Doch für die Schweizer Kunden setzte es eine böse Überraschung. Obwohl nicht mal die Gaskartusche mitgeliefert wurde, behielt der Zoll die «Flammenwerfer» zurück. Als Imitationswaffen fielen diese unter das Waffengesetz. Gegen die Kunden wurden Strafverfahren eingeleitet, sofern sie keine Waffenerwerbsbewilligung beantragt hatten.

Einer davon, ein 28-Jähriger aus dem Bezirk Horgen, gibt sich nicht geschlagen. Gegen eine Busse des Statthalteramts von 400 Franken hat er Einspruch erhoben. Am Dienstag liegt der Fall am Bezirksgericht Horgen.

Imitation einer Imitation

Der Beschuldigte bestreitet den Verstoss gegen das Waffengesetz. Die gut 600 Franken habe er in erster Linie zur Unterstützung der Firma gezahlt. Das Produkt sei noch nicht mal einer echten Waffe, sondern einer Imitationswaffe nachempfunden, einem Softair-Luftgewehr.

Um aufzuzeigen, wie wenig der angebliche Flammenwerfer mit einer Waffe zu tun hat, hat er einen Bunsenbrenner mitgebracht, den er im Fachhandel gekauft hat. Den Rest des Geräts könne man im 3-D-Drucker selber herstellen. Er habe gedacht, dass der Verkäufer die nötigen Abklärungen für den problemlosen Import getroffen habe.

Pikanterweise hätte der 28-Jährige zum Lieferzeitpunkt über einen Waffenerwerbsschein verfügt, aber keine Bewilligung beantragt. Er sei eben nicht davon ausgegangen, dass es eine brauche.

Diese beiden Texaner haben die Nicht-Flammenwerfer mit echten Flammenwerfern vergleichen. Das Resultat gibts im Video. Quelle: Youtube

Der Richter urteilt salomonisch. Zwar wird der Mann wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Waffengesetz verurteilt, doch die Busse streicht das Gericht, da es sich um einen Bagatellfall handle. Die Verfahrenskosten von 900 Franken muss der Beschuldigte übernehmen. Das Gerät könnte er grundsätzlich wieder bekommen.

Für den Richter ist der «Flammenwerfer» kein gefährlicher Gegenstand. Dennoch könne er nicht auf den ersten Blick als Spielzeug erkannt werden, wie etwa Wasserpistolen. Als Empfänger hätte der 28-Jährige Abklärungen treffen müssen. Onlineshops täten das in der Regel nicht für jedes Land. Ob das Urteil Bestand haben wird, ist offen. Der Tesla-Fan überlegt sich einen Weiterzug ans Obergericht.

Erstellt: 10.09.2019, 17:52 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles