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Automobilverbände laufen Sturm gegen flächendeckendes Tempo 30

Die Zürcher Sektionen des Automobil Clubs der Schweiz (ACS) und des Touring Clubs Schweiz (TCS) wehren sich gegen Tempo 30 auf Stadtzürcher Hauptverkehrsachsen. Aktuell sind sieben Verfahren vor dem Stadtrat oder Statthalteramt hängig.

TCS und ACS gehen gegen das mögliche Tempo 30-Regime auf Stadtzürcher Hauptverkehrsachsen auf die Barrikaden.
TCS und ACS gehen gegen das mögliche Tempo 30-Regime auf Stadtzürcher Hauptverkehrsachsen auf die Barrikaden.

Weder der ACS noch der TCS Zürich setzten sich gegen Tempo 30 in den Quartieren zur Wehr. Dies machte Ruth Enzler, Präsidentin des ACS Sektion Zürich, am Dienstag vor den Medien klar. «Auf Quartierstrassen macht Tempo 30 aus Sicherheitsgründen und auch zur Beruhigung von Wohnquartieren durchaus Sinn.»

Kein Verständnis haben die Verbände aber dafür, dass die Stadt «unter dem Deckmantel der Lärmschutzverordnung des Bundes» das Tempo auch auf Hauptstrassen und Quartierstrassen mit übergeordneter, quartierverbindender Funktion anpasst. Heute seien 80 bis 85 Prozent der Gemeindestrassen der Stadt Zürich mit Tempo 30 belegt, werde alles wie geplant umgesetzt, seien es zukünftig gar 95 Prozent.

Die Stadt Zürich will vermehrt Zonen mit Tempo 30 einführen - nicht nur in Quartieren, sondern auch auf Hauptstrassen. Für die Automobilverbände TCS und ACS ist das wirkungslose Schikane. Video: sda.

Die Automobilverbände wehren sich daher rechtlich gegen die geplante flächendeckende Temporeduktion. Aktuell sind sieben Verfahren vor dem Zürcher Stadtrat oder dem Statthalteramt hängig.

Sie betreffen die Gsteigstrasse, die Strassenabschnitte Meierhofplatz/Rämistrasse/Am Wasser/Breitensteinstrasse/Hönggerstrasse/Wasserwerkstrasse sowie Seebacherstrasse/Klosbachstrasse/Hofackerstrasse/Uetlibergstrasse, die Witikonerstrasse, die Zollikerstrasse, die Lenggstrasse sowie den Goldbrunnenplatz. Zudem muss sich das Bundesgericht mit diversen Strassenabschnitten befassen. Severin Pflüger, Vorstandsmitglied der ACS Sektion Zürich und Präsident der FDP Stadt Zürich, ist guten Mutes und wähnt sich juristisch auf gutem Weg - will dem Urteil aber nicht vorgreifen. Vor dem Zürcher Verwaltungsgericht sind aktuell keine Verfahren mehr hängig.

«Temporeduktion hat keine Wirkung»

Pflüger zeigte am Beispiel des Meierhofplatzes in Höngg, weshalb für den ACS eine Temporeduktion nicht die richtige Variante ist, um Lärm zu reduzieren. «Auch mit Tempo 30 liegt dort der Lärm noch über dem Alarmwert», sagte er. «Die Temporeduktion hat keine Wirkung.» So wäre beispielsweise ein Flüsterbelag besser. Für ihn ist klar: «Wenn man Massnahmen ergreift, dann müssen sie etwas bringen.» Eine Temporeduktion von 50 auf 30 km/h bringe jedoch nur eine Lärmreduktion von 2 bis 7 Dezibel.

Auch müssten die Massnahmen verhältnismässig sein. Der Stadtrat, der von Anfang an auf Tempo 30 gesetzt habe, müsse den Mehrwert für die von Lärm Betroffenen mit der Einschränkung der Mobilität derer, die auf den Strassen fahren, abwägen. Dies habe er nie getan.

Stadtrat soll nochmals über die Bücher

Zudem kritisierte Pflüger das Gutachten, auf das sich der Stadtrat stützt. Mit der verwendeten mathematischen Formel würden die Besonderheiten der einzelnen Strassen nicht berücksichtigt.

Seine Forderung: «Der Stadtrat soll nochmals in sich gehen und überlegen, ob er mit Tempo 30 aufs richtige Pferd setzt». Denn selbst das Bundesamt für Strassen Astra beurteilte laut Pflüger Tempo 30 als schlechteste Variante, um Lärm zu reduzieren. Dies gehe aus einer Stellungnahme hervor, die das Astra zuhanden des Bundesgerichts eingereicht habe und sowohl für Basel als auch Zürich gelte.

Mehr Verkehr in den Quartieren

Ruth Enzler betonte ausserdem die Wichtigkeit der Netzhierarchie, die der Kanalisierung des Verkehrs dient. Sie befürchtet, dass sich der Verkehr zukünftig wieder durch die Quartiere zwängt, wenn die Hauptstrassen nun ebenfalls verkehrsberuhigt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt Enzlers: «Als Fahrer muss ich erkennen, ob ich auf einer Quartier- oder auf einer Hauptstrasse bin.» Künftig könnten sich die Automobilisten nicht mehr auf ihr Gefühl verlassen. Als Beispiel nannte sie die Hegibachstrasse. «Kein Fahrer kommt auf die Idee, dass es sich bei dieser Strassenbreite und -qualität um eine Quartierstrasse handelt», sagte sie. Deshalb würden die meisten trotz Signalisation zu schnell fahren.

Reto Cavegn, Geschäftsführer TCS Zürich, sprach gar von einer ausgehebelten Strassenhierarchie. Die Verkehrssicherheit werde gefährdet und die Autolenker würden kriminalisiert. Kurz: «Flächendeckendes Tempo 30 behindert das gute Miteinander der Verkehrsteilnehmer».

(SDA)

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