«Laut ist out»

Auto-Posern und knatternden Töffs ist kaum beizukommen

Am heutigen Tag gegen Lärm wird an eine rücksichtsvolle Fahrweise appelliert.

Das Knattern lässt Töfffahrer-Herzen höher schlagen, zum Ärger vieler Anwohner.

Das Knattern lässt Töfffahrer-Herzen höher schlagen, zum Ärger vieler Anwohner. Bild: Sibylle Meier

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Mit Plakaten und Klebern wird auch im Kanton Zürich auf den heutigen Tag gegen Lärm aufmerksam gemacht. Die internationale Kampagne mit dem Slogan «Laut ist out», die unter anderem von Bundesämtern, Ärzten und der Lärmliga unterstützt wird, ruft Fahrzeughalterinnen und -halter zu rücksichtsvollem Fahrverhalten auf.

Es braucht nicht viel, um mit Töff und Auto die Umgebung zu stören oder gar ein Quartier aus dem Schlaf zu reissen: Einmal kurz am Gasgriff gedreht oder die Auspuffklappe betätigt, und schon sind ein paar Hundert Einwohner wach. Viel ausrichten können Betroffene nicht.

Und gelingt es doch jemandem, sich die Nummer des knatternden Motorrads oder aufheulenden Sportwagens zu merken, sind der Justiz oftmals die Hände gebunden. Zwar ist es verboten, übertrieben hochtourig zu fahren oder – wie beim so genannten Auto-Posen – mit dem PS-starken Wagen immer die gleichen Runden zu drehen. Nachweisen lässt sich das jedoch selten. Das zeigt ein Urteil, das Anfang April das Bezirksgericht Dietikon gefällt hat.

Vor Gericht stand ein 23-jähriger Schweizer aus dem Limmattal, der sich an einem Freitagabend mit seinem Sportwagen immer wieder absichtlich zurückfallen liess, um kurz darauf stark zu beschleunigen. Als er zu Hause ankam, fing ihn die Kantonspolizei ab und verzeigte ihn. Der Statthalter brummte ihm eine Busse von 500 Franken auf.

Doch der junge Mann wehrte sich vor Bezirksgericht – mit Erfolg. Laut dem zuständigen Richter Bruno Amacker entsprach das Fahrzeug den gesetzlichen Vorschriften. Und dass der Halter absichtlich Lärm verursacht habe, sei nicht erwiesen. «Ob es zu laut war, lässt sich nicht nach objektiven Massstäben beurteilen», sagte Amacker. Wie bei Geschwindigkeitsübertretungen brauche es verwertbare Messungen.

Lärmblitzer gefordert

Die Kantonspolizei Zürich kontrolliere im Rahmen ihrer normalen Patrouillentätigkeit auffällig laute Fahrzeuge sowie Lenker, die durch Verursachen von vermeidbarem Lärm auffallen, schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Mithin führe sie auch technische Kontrollen durch mit Spezialisten, die sich mit unerlaubten Änderungen an Fahrzeugen auskennen würden.

Solche Kontrollen seien jedoch zu personalaufwändig und teuer, findet die grüne Kantonsrätin Silvia Rigoni. Sie wollte deshalb von der Zürcher Regierung wissen, ob diese bereit sei, sich an der Entwicklung eines Lautstärkeradars zu beteiligen. Im Kanton Genf wird der Einsatz eines solchen Lärmblitzers geprüft.

In seiner Antwort verweist der Zürcher Regierungsrat auf die fehlende Rechtsgrundlage und schreibt, dass für den Einsatz von derartigen Messgeräten die bundesrechtlichen Vorschriften angepasst werden müssten.

Wie aus einer Antwort auf eine Parlamentsanfrage hervorgeht, zeigt sich der Bundesrat interessiert an Lärmblitzern. Aktiv geworden ist er aber noch nicht. Peter Angst von der kantonalen Fachstelle Lärmschutz ist überzeugt, dass die Politik durch den steigenden Bevölkerungs- und Bebauungsdruck nicht an diesem Thema vorbeikommen wird. Solange bleibt Lärmbelästigten nur die Hoffnung, dass der Aufruf «Laut ist out» bei dem einen oder anderen Fahrzeughalter ankommt und wirkt.

Erstellt: 23.04.2019, 18:14 Uhr

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