Analyse

Bastien Girod – ein geradezu idealtypischer Grüner

Bastien Girods Nomination erfolgte mit ein paar Nebengeräuschen. Er tritt bei den Ständeratswahlen als Aussenseiter an.

Die politische Gesinnung von Bastien Girod.

Die politische Gesinnung von Bastien Girod. Bild: Vimentis.ch

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1. Wo steht Bastien Girod innerhalb der eigenen Partei?
Girod ist eigentlich gut in der Grünen Partei verankert. Sein Spider-Diagramm, das die politische Grundhaltung widerspiegelt, deckt sich praktisch eins zu eins mit jenem des Parteidurchschnitts. Girods Nomination als Ständeratskandidat erfolgte aber nicht geräuschlos. An der Generalversammlung liess Girod die Herausforderin Katharina Prelicz-Huber mit 87 zu 84 Stimmen nur knapp hinter sich. Die internen Gegner brachten vor, Prelicz-Huber bringe zusätzliche Kompetenz in gewerkschaftlichen und wirtschaftlichen Anliegen mit, während Girod als ausgewiesener Umweltwissenschaftler eher die einstige «Einthemenpartei» repräsentiere. Zudem spielte bei den um Ausgleich bemühten Grünen auch die Geschlechterfrage eine Rolle (SVP, FDP, SP und GLP treten mit Männern an). Die Mehrheit sprach sich für Girod «als bestes Pferd im Stall aus»; er hatte bei den Nationalratswahlen 2011 am meisten Stimmen der Zürcher Grünen geholt.

2. Welche Politerfahrung bringt Girod mit und wie ist er politisch vernetzt?
Während des Studiums hatte Bastien Girod mit Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, die am Ende in der Gründung der Jungen Grünen gipfelten. Nach einem Abstecher zu Greenpeace ging es auf dem politischen Parkett zügig voran: Nach einem Jahr im Stadtzürcher Parlament wurde Girod als 27-Jähriger 2007 in den Nationalrat gewählt. Er ist einer der vier Vizepräsidenten der Grünen Partei Schweiz.

3. Wie kommt der Kandidat bei den anderen Parteien an?
Vertreter aller Parteien attestieren dem grünen Ständeratskandidaten ein «unglaubliches Fachwissen». Vor allem auf bürgerlicher Seite wird aber kritisiert, dass Girod ein «absoluter Theoretiker» sei, der nur Hochschule und Politik kenne.

4. Ist der Politiker volksnah?
Bastien Girod ist in den Medien oft präsent – nicht nur im politischen Teil, sondern auch im People-Bereich. Und selbst bei Podien, die SVP und Bauernverband durchführen, schafft es Girod mit ein paar träfen Sprüchen, die Landwirte zum Lachen zu bringen und so vorübergehend für sich zu gewinnen. Aber volksnah? Volksnah ist der falsche Begriff für den Umweltwissenschaftler, der trotz allem Schalk im persönlichen Kontakt doch eine Art professorale Distanz wahrt.

5. Welches Kernanliegen vertritt der 34-Jährige?
Bastien Girods politisches Engagement gründet auf einem zen­tralen Begriff: Nachhaltigkeit. Um allen Lebensqualität und Gerechtigkeit zu ermöglichen, fordert Girod Lösungen, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Anliegen verbinden.

6. Was hat den Nationalrat bisher politisch bewegt?
Mit der Offroader-Initia­ti­ve hatten Girod und seine Mitstreiter einst ein emotionales Thema lanciert. Er war auch Mitinitiant der angenommenen kantonalen Kulturlandinitiative. In der Ener­gie­strategie des Bundes hat er ebenfalls Erfolge erzielt; er hat unter anderem den Kompromiss «zwischen Landschaft und erneuerbaren Ener­gie­n» eingefädelt und eine Beschleunigung von Bewilligungsverfahren für erneuerbare Ener­gie­n erreicht.

7. Welche Interessenbindungen weist er auf?
Die Liste der Interessenbindungen von Girod ist kurz. Offiziell umfasst sie drei Einträge, wovon die Vorstandsmitgliedschaft im Windener­gie­verein Suisse Eole bereits wieder überholt ist. Aktuell ist der 34-Jährige noch bei Helvetas und Swisscleantech aktiv. Er gilt als der unabhängigste Kandidat im Kanton Zürich.

8. Wie steht es um die Wahlchancen des Kandidaten?
Von Aussenseiterchancen spricht Bastien Girod selber. Aussichtslos sei der Kampf aber nicht, betont er: «Im Fussball gewinnt auch hin und wieder der kleinere Klub.» Die politische Grosswetterlage spricht derzeit gegen einen Wahlerfolg: Die Grünen stecken in einer Baisse, Umweltthemen sind in den Hintergrund gerückt. Überraschungen sind aber immer möglich – insbesondere im Hinblick auf den zweiten Wahlgang und ein sich allenfalls veränderndes Kandidatenfeld.

9. Wie viel eigenes Geld steckt der Kandidat in den Wahlkampf?
Gemäss Bastien Girod werfen die Grünen im Kanton Zürich inklusive Spesen rund 80 000 bis 100 000 Franken für den Ständeratswahlkampf auf. Rund 30 000 Franken trägt Girod bei.

Erstellt: 21.09.2015, 15:35 Uhr

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