Zollikon

Bijoutier sucht Nachfolger für Geschäft

Das Uhren- und Schmuckgeschäft Zinniker wird seine Tore per Ende Jahr schliessen. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche Gründe. Der Besitzer bemüht sich aber um eine Nachfolgelösung. Die Zolliker Bijouterie hat eine bewegte Geschichte.

Hat mit seinem Uhren- und Schmuckgeschäft in Zollikon schon einiges erlebt: Johannes Maag, Chef und Inhaber der Zinniker AG.

Hat mit seinem Uhren- und Schmuckgeschäft in Zollikon schon einiges erlebt: Johannes Maag, Chef und Inhaber der Zinniker AG. Bild: Moritz Hager

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Wer vor der Bijouterie Zinniker an der Buchholzstrasse im Zolliker Dorfkern steht, sieht sofort, was hier los ist: «Totaler Ausverkauf wegen Geschäftsausgabe» steht auf einem grossen Plakat am Schaufenster, «bis 50 Prozent auf alle Artikel». Das Angebot ist gross und reicht von wertvollen Uhren und Diamanten bis zum Tahitiperlen-Collier, das nun für 18'500 statt 26'450 Franken verkauft wird. Aber auch seltene Zeitmesser, exklusiver Damenschmuck und Silberwaren werden angeboten.

Die Gründe für den Ausverkauf erläutert der Geschäftsinhaber Johannes Maag beim Treffen in seinem Laden. Es seien primär wirtschaftlich Gründe, die ihn bewogen hätten, den Standort in Zollikon aufzugeben. «Wir mussten in letzter Zeit wirklich kämpfen», sagt er, «und in den vergangenen zwei Jahren sind wir in die roten Zahlen gerutscht.» Als weitere Gründe für den Rückzug per Ende Jahr nennt der 59-jährige Maag sein Alter, die daraus resultierende Suche nach möglichen Nachfolgern – sowie die Tatsache, dass es für ihn immer schwieriger geworden sei, zwei Geschäfte gleichzeitig zu führen.

Hauptsitz in Bülach

Mit dem zweiten Geschäft meint Maag seine Bijouterie in Bülach, die er 1992 von seinem einstigen Lehrmeister übernommen hatte und die ebenfalls unter dem Namen Zinniker firmiert. «Dieses Geschäft will ich auch in Zukunft weiterführen», betont Maag, «allenfalls auch über meine Pensionierung hinaus.» In Bülach sei zudem der Sitz der Aktiengesellschaft.

Sang- und klanglos verschwinden soll die Bijouterie in Zollikon aber nicht. Maag möchte unbedingt eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger finden: «Ich habe bereits mit Interessenten geredet», sagt er. «spruchreif ist aber noch nichts.»

Maag, der in Zollikon drei Mitarbeiter hat, sieht durchaus noch Möglichkeiten, neue und jüngere Kunden zu gewinnen und das Potenzial des Standorts im Zentrum von Zollikon noch besser auszuschöpfen. Etwa mit gezielter Werbung mittels Flyern, der Pflege des Reparaturenangebots oder der persönlichen Betreuung der Stammkundschaft, welche die Beratung und die private Atmosphäre in einem kleineren Geschäft zu schätzen weiss. Am Herzen liegt ihm der Fortbestand des Ladens in Zollikon aber auch, weil die Bijouterie schon seit 1929 existiert: «Dieses Geschäft hat eine sehr lange Tradition.»

Prominente Stammkunden

Die Stammkundschaft gehört für Maag zu den guten Erfahrungen seiner Geschäftsjahre in Zollikon, die mit der Übernahme der Bijouterie von seinem Vorgänger René Rietmann im Jahr 2006 begannen. «Wir hatten viele originelle und prominente Kunden wie etwa die Schauspielerin Stephanie Glaser, die jeweils mit ihrem Mini bei uns vorfuhr», erinnert sich Maag. Das Uhren- und Schmuckgeschäft sei lange durchaus lukrativ gewesen, die schwierigeren Zeiten hätten erst mit der Verlagerung von Verkäufen ins Internet und der verschärften Konkurrenz der Zürcher Bahnhofstrasse begonnen. «Viele Uhrenmarken haben dort heute ihre eigenen Geschäfte», sagt Maag dazu.

Unerfreulich sind die Erfahrungen, die der gelernte Uhrmacher mit Kriminellen gemacht hat. Gleich dreimal wurden seine Geschäfte in Zollikon und Bülach in den letzten elf Jahren nämlich überfallen, was ihm jeweils Schlagzeilen in den Medien bescherte. Am spektakulärsten war laut Maag der Überfall am 6. Dezember 2007, als maskierte Räuber während eines Kundenanlasses in die Bijouterie in Zollikon eindrangen, Schaufenster einschlugen und mit fetter Beute flüchteten. «Ich dachte zuerst, das sind Samichläuse», erinnert sich Maag, «weil sie sich Bärte übergestreift hatten.» Immerhin: Dank eines mutigen Nachbarn, der die Räuber zuerst am Wegfahren hinderte und danach verfolgte, konnte die Polizei die Täter schliesslich fassen.

Folgen der Überfälle

Schlimm war für Maag und seine Mitarbeiter nicht nur der Überfall selber, sondern auch seine Folgen: So verlor die Bijouterie wegen kurzfristigen Ausfällen bei den Uhrenverkäufen zum Beispiel die damalige Vertretung einer renommierten Uhrenmarke. Ebenfalls für Schlagzeilen sorgte der Zolliker Überfall im März 2015, als eine Bande mit Uhren und Schmuck im Wert von 100'000 Franken flüchtete. Die Täter sind zum Teil noch heute auf freiem Fuss.

Als Folge dieser Begegnungen der unfreundlichen Art hat Maag seine Läden sicherheitstechnisch ständig aufgerüstet. «Wir mussten immer wieder einiges investieren», sagt Maag. Das Gute daran: Ein eventueller Nachfolger könnte in Zollikon ein Geschäft übernehmen, das punkto Alarmanlagen und anderen Sicherheitsmassnahmen auf dem neusten Stand ist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.09.2018, 14:47 Uhr

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