Wahlen

«Bin nicht überall mit der SVP einig»

Milieuanwalt Valentin Landmann (68) ist der prominenteste Zuzug im Kantonsrat. Er werde sich auch von der SVP nichts vorschreiben lassen, sagt er.

«Auch im Kantonsrat werde ich mir erlauben, zu sagen, was ich denke»: Valentin Landmann.

«Auch im Kantonsrat werde ich mir erlauben, zu sagen, was ich denke»: Valentin Landmann. Bild: Sabina Bobst

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Herr Landmann, haben Sie Ihren Wahlerfolg gefeiert?
Nicht gross. Ich war gerade mit einem Freund am «Hüendli»-Essen, als ich das Resultat erfuhr. Dass ich so deutlich gewählt wurde, hat mich sehr gefreut. Als Erster hat mir übrigens SP-Ständerat Daniel Jositsch gratuliert.

SVP-Kreispräsident Urs Fehr, der Sie in die Politik geholt und Ihnen den ersten Listenplatz überlassen hat, reichte es nicht.
Es war sehr unwahrscheinlich, dass wir beide es schaffen. Aber wir arbeiten hervorragend zusammen. Und irgendwann dürfte er mein Nachfolger werden. Er ist ja einiges jünger als ich.

Sie meinen, wenn Sie im Herbst für den Nationalrat kandidieren und bei einer Wahl Ihr Platz im Kantonsrat schon wieder frei würde?
Ob ich für den Nationalrat kandidieren soll, entscheiden andere. Und ob ich eine Chance habe, ist nochmal eine andere Frage. Mal sollte den Mund nicht zu voll nehmen. Jetzt steht erst einmal die Aufgabe im Kantonsrat im Vordergrund.

Was darf man dort von Ihnen erwarten?
Sicher keine langweiligen Reden. Ich möchte, dass man mir gerne zuhört.

Neulinge im Kantonsrat halten sich anfangs oft zurück. Bedeutet das, dass man einen angriffigen Valentin Landmann erleben wird?
Es kommt ganz auf das Geschäft an, ob ich mich zu Wort melde. Sicher ist, dass ich nicht als Streithahn glänzen werde, sondern mich sachlich einbringen und über Parteigrenzen hinweg nach Lösungen suchen werde. Blockdenken widerstrebt mir.

«Das Schlechteste für die Umwelt sind zu viele Leute.»Valentin Landmann

Wo könnten Sie sich denn vorstellen, mit anderen Parteien zu kooperieren?
Ein gutes Beispiel ist der EU-Rahmenvertrag. Wie die SP bin auch ich dagegen, dass er unter diesen Bedingungen unterschrieben wird, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der vorgelegte Rahmenvertrag bedeutet nicht nur einen Souveränitätsverlust für die Schweiz und den Kanton Zürich, er würde auch das wirtschaftliche Umfeld belasten.

Gesteht Ihnen die SVP-Leitung zu, von der Parteihaltung abzuweichen?
Auch im Kantonsrat werde ich mir erlauben, zu sagen, was ich denke. Die Partei macht mir keine Vorschriften. Die SVP ist diesbezüglich sehr liberal. Jeder wird aufgefordert, selber zu denken und zu argumentieren. Aber klar, wenn ein Beschluss gefasst wird, werde ich ihn mittragen. Es sei denn, er geht mir total gegen den Strich. Dann kann es sein, dass ich mal mit den Grünen oder der SP stimme.

Sind Sie denn in allen Belangen mit der SVP einig?
Nicht überall. Ich bin beispielsweise dafür, dass Apotheken Cannabis freigeben dürfen, solange es gesundheitlichen Zwecken dient. Und beim Rosengarten-Projekt habe ich eine andere Meinung. Es ist ein riesiger finanzieller Lupf, der das Quartier über 20 Jahre einer grossen baulichen Belastung aussetzen wird.

Wo stehen Sie in der Ausländerpolitik?
Bastien Girod von den Grünen hat es einmal richtig gesagt: Das Schlechteste für die Umwelt sind zu viele Leute. Die Schweiz muss die Möglichkeit haben, die Notbremse ziehen und die Einwanderung einschränken zu können. Ich bin auch dafür, Gefährder in ihre Heimatländer zurückzuschicken, solange sie nicht aus Folterstaaten kommen.

Apropos Umwelt: Was sagen Sie zum Wahlerfolg der Ökoparteien und den massiven Verlusten der SVP?
Wir haben es im Gegensatz zu den grünen Parteien nicht geschafft, unsere Themen und Argumente rüberzubringen. Als beispielsweise die Fremdenpolitik aktuell war, haben die Medien intensiv darüber berichtet – und die SVP hat bei den Wahlen zugelegt. Aber wir dürfen jetzt nicht den Medien die Schuld geben. Wir müssen uns schon selber am Schlafittchen packen.

Erstellt: 27.03.2019, 09:21 Uhr

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