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Bombenleger gegen «Bota Sot»-Redaktion definitiv verurteilt

Ein Attentat mit einer Handgranate hätte vor 16 Jahren in Küsnacht zum Tod von elf Menschen führen können. Nun hat das Bundesgericht die Beschwerde des Paketbomben-Bauers zurückgewiesen.

Die kosovo-albanische Zeitung «Bota Sot», aufgenommen am Donnerstag 29. März 2001 in Zürich.
Die kosovo-albanische Zeitung «Bota Sot», aufgenommen am Donnerstag 29. März 2001 in Zürich.
Keystone

Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines Mannes zurückgewiesen, der im Jahr 2002 eine als Weinsendung getarnte Paketbombe an die Zürcher Redaktion der kosovo-albanischen Zeitung «Bota Sot» gesendet hatte. Mit dem Bundesgerichtsentscheid wird das Urteil aus dem Jahr 2017 definitiv.

Damals hatte das Bundesstrafgericht den Mann wegen mehrfachen versuchten Mordes und mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Der Mann zog das Urteil an das Bundesgericht weiter und beantragte, die Sache ans Bundesstrafgericht in Bellinzona zurückzuweisen oder die Strafe auf acht Jahre zu reduzieren, wie dem am Mittwoch publizierten Urteil zu entnehmen ist. Er begründete dies vor allem mit der zwischen der Tat und dem Urteil verstrichenen Zeit, seinem guten Benehmen sowie seinem Geständnis und seiner Reue. Die Richter am Bundesgericht sind seiner Argumentation nicht gefolgt. Damit wird das Urteil definitiv.

«Denkzettel» verpassen

Der heute 42-jährige schweizerisch-mazedonische Doppelbürger hatte gemäss Urteil des Bundesstrafgerichts in Bellinzona im Jahr 2002 eine als Weinsendung getarnte Sprengfalle an die Zürcher Redaktion der kosovo-albanischen Zeitung «Bota sot» gesendet. Er wollte der Redaktion einen «Denkzettel» verpassen. Vor dem Bundesstrafgericht sagte er aus, er habe die Bombe so präpariert, dass sie nicht explodierte.

Auf einer Küsnachter Terrasse

Was sich im September vor 16 Jahren abgespielt hat, hört sich wie ein veritabler Thriller an: Die damals in Zürich domizilierte kosovarische Zeitung «Bota Sot» bekommt eine Weinlieferung aus Adliswil zugeschickt. Diese enthält keine edlen Tropfen, sondern eine Handgranate. Als Xhevdet Mazrekaj, der Verleger der Zeitung, das Paket öffnet, streikt allerdings der Zündmechanismus der Granate.

Passiert ist all dies auf der Terrasse einer Wohnung in Küsnacht, wie einem Beschluss des Bundesstrafgerichts zu entnehmen ist. Wäre die Handgranate explodiert, wären – hier zitierte 2017 das Bundesstrafgericht die Anklageschrift – vier auf der Terrasse befindliche Personen tödlich verletzt worden. Weitere sieben in der Wohnung anwesende Personen hätten leichte bis tödliche Verletzungen davontragen können.

Weder das Bundesstrafgericht, noch das Bundesgericht hatte ihm dies abgenommen und bezeichnete das Vorgehen des Mannes als skrupellos und verwerflich. Mit dem Abschicken des Pakets habe er keinen Einfluss mehr auf den Verlauf der Geschehnisse gehabt. Die Bombe explodierte nicht, weil das Paket auf der Seite geöffnet wurde. Deshalb wurde der Zündmechanismus nicht ausgelöst.

Nach 15 Jahren gefasst

Als Motiv für seine Tat gab der Angeklagte an, dass die «Bota Sot» während des Kosovo-Kriegs Fluchtwege von Zivilpersonen bekanntgegeben habe. Das habe zu Massakern geführt. Nachdem er Bilder davon am Fernsehen gesehen habe, sei sein Entschluss gefallen, die Bombe zu bauen. Am 26. September 2002 schickte er sie in Zürich-Oerlikon ab.

Am 31. Januar 2017 nahm ihn die Polizei fest. Er befindet sich seit dem 26. Mai im vorzeitigen Strafvollzug. Von Anfang an betonte er, alleine gehandelt zu haben.

SDA/pst

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