Dübendorf

Buslinie wird zur ÖV-Teststrecke

Die Verkehrsbetriebe Glattal wollen auf ihrer Buslinie 759 zusammen mit Partnern innovative und umweltfreundliche ÖV-Projekte testen. Dazu gehört ein energieautarker Elektrobus mit Gas aus Gülle und Mist.

<b>Auf der Linie 759,</b> an welcher der Innovationspark in Dübendorf (Bild) liegt, wollen die VBG verschiedene umweltfreundliche Busse testen.

Auf der Linie 759, an welcher der Innovationspark in Dübendorf (Bild) liegt, wollen die VBG verschiedene umweltfreundliche Busse testen. Bild: pd

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Weil sie am Dübendorfer Innovationspark vorbeiführt, ist sie prädestiniert für Projekte mit dem Attribut innovativ: Die Linie 759. Sie ist 13,5 Kilometer lang und führt vom Flughafen via Opfikon, Wallisellen und Dübendorf nach Wangen. Die Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) betreiben diese Linie, die jährlich von 2,4 Millionen Passagieren benutzt wird, heute mit Dieselbussen. Diese verbrennen jährlich 235 000 Liter Diesel. Diese Strecke wollen die VBG ab sofort für innovative und umweltfreundliche Projekte nutzen. Zum Beispiel haben sie vor, in Zusammenarbeit mit der Empa (eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) Hybrid-Busse zu testen, die mit Biogas aus Gülle und Mist fahren. Die Projektpalette ist sehr breit angelegt: Die VBG will die Buslinie möglichen Partnern aus Industrie und Forschung zur Verfügung stellen, damit diese innovative ÖV-Ideen, die Hand und Fuss haben, in der Praxis testen können.

Die VBG helfen dabei mit, indem sie je nach Bedarf Fahrzeuge, Mitarbeiter oder Werkstätten zur Verfügung stellen oder bloss Bewilligungen einholen. Wie VBG-Direktor Matthias Keller gestern vor den Medien sagte, verfolgt dieses sogenannte «Feldlabor» vier Ziele: Die Projekte sollen einen Mehrnutzen für Kunden haben, Kosten- und Energieeinsparungen bringen und gut für die Umwelt sein.

Betrieb nicht stören

Was auch immer getestet wird, eine Bedingung stellen die VBG: Der Normalbetrieb der Linie 759, die den Titel «Innovationslinie» trägt, darf nicht beeinträchtigt werden. Andernfalls können die VBG den Test jederzeit abbrechen. Jede Idee, die getestet werden soll, muss ein zweistufiges Verfahren durchlaufen. In der ersten Phase wird das Vorhaben mit einem zusätzlichen Bus ausgeführt, der nur in einem bestimmten Abschnitt fährt (Dübendorf, Bahnhof Nord - Wangen, Dorfplatz). Der Testbus fährt also dem regulären Linienbus jeweils während einer oder mehrerer Wochen voraus. Klappt alles, kommt er nach einiger Zeit auf der gesamten Strecke allein zum Einsatz.

Die VBG haben auch verschiedene eigene Projekte, die sie ausprobieren wollen. Zwei davon sind bereits angelaufen oder fix eingeplant.

Beacon-Technologie: Wer irgendwo auf dem Land an einer schwach frequentierten Haltestelle wartet, soll jederzeit wissen, wann der nächste Bus kommt – auch wenn die Haltestelle nicht mit einer elektronischen Anzeigetafel bestückt ist. Solche sind nämlich teuer und laut Keller geradezu «unbezahlbar» für abgelegene Orte. Die Alternative dazu soll die Beacon-Technologie sein (Beacon = Leuchtturm). Dazu werden auf der Haltestelle Sender installiert, die Signale abgeben, die mit einem Smartphone empfangen werden können. So kann der Nutzer die realen Abfahrtszeiten einsehen. An sieben Haltestellen der Linie 759 sind solche Sender bereits installiert und die Signale abrufbar. Mit Android-Geräten laufe es perfekt, mit iPhones noch nicht, hiess es. Das Projekt hat laut Keller grosses Potenzial, weil die Technologie günstig ist.

Haltestellen-Stelen: Die VBG lancieren 2019 einen Design-Wettbewerb. Gesucht wird die neue Generation der Haltestellen-Stelen: Gemeint ist das Gestänge mit Tafeln und Plänen. Im Wettbewerb geht es darum, die Stelen kompatibel für den Einbau neuer Technologien zu machen, sei es für elektronische Anzeigetafeln, Beacon-Technik oder Solarzellen. Die ersten drei Wettbewerbssieger sollen die neuen Vorschläge auf der Linie 759 testen können. Auch hier ist das Potenzial gross, da es sehr viele alte Haltestellen zu ersetzen gilt.

Energieautarke Busse

Weiter wollen die VBG drei Tests mit energieautarken Bussen machen:

Elektrobus: Die Energie soll vollständig aus erneuerbaren und langfristig aus lokalen Quellen (Sonne, Wind, Wasser) stammen. Die Umsetzung startet 2020.

Methangas-Hybridbus: Weltweit ist noch kein solcher Bus im Einsatz. Beim Projekt soll eine noch unbekannte Betreiberfirma mit der Empa zusammenarbeiten. Laut Christian Bach, Abteilungsleiter bei der Empa, kommt dabei Gas aus Gülle und Mist zum Einsatz. Dieses soll ersetzbar sein durch synthetisches Methan.

Diesel-Hybridbus: Auch hier handelt es sich um eine Projekt in Zusammenarbeit mit der Empa. Verwendet werden soll ein synthetischer Diesel – ein CO2-freier Treibstoff. Die Umsetzung ist für Ende 2019 geplant.

Warum engagieren sich die VBG? «Wer nicht innovativ ist, geht unter», begründet Direktor Keller die Aktivitäten der VBG. Als Teststrecke sei die Buslinie 759 ideal wegen ihrer Nähe zum Innovationspark. «Mein Traum wäre es, wenn im Innovationspark autonom fahrende Busse entwickelt würden, die wir auf unserer Linie gleich testen könnten.» Vom Vorhaben der VBG zeigte sich auch Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) angetan. Die Stiftungsratspräsidentin des Innovationsparks sprach von einer «win-win-Situation für alle im Kanton Zürich».

Erstellt: 30.10.2018, 18:59 Uhr

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