Zürcher Straftäter

«Carlos»: 19 Vorfälle in mehreren Gefängnissen

In Zürich steht am nächsten Mittwoch einmal mehr der junge Straftäter «Carlos» vor Gericht. Der mittlerweile 23-Jährige ist angeklagt, weil er während seiner Gefängnis-Odyssee mehrmals Angestellte, Polizisten und Mitinsassen angegriffen haben soll.

Carlos steht einmal mehr vor Gericht.

Carlos steht einmal mehr vor Gericht. Bild: Keystone (Archiv, Gerichtszeichnung))

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Carlos muss sich wegen schwerer Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Sachbeschädigung verantworten. Die Anklageschrift, die am Mittwoch publiziert wurde, listet 19 verschiedene Vorfälle zwischen Januar 2017 und Oktober 2018 auf.

Sechs Männer waren nötig, um «Carlos» von seinem Opfer wegzuzerren.

Im Gefängnis Winterthur wollte sich Carlos laut Anklageschrift Anfang 2017 für eine Leibesvisitation nicht ausziehen. Die Situation eskalierte derart, dass Carlos von fünf herbeigerufenen Polizisten und vier Gefängnismitarbeitern zu einer Sicherheitszelle gebracht und schliesslich unter Zwang ausgezogen werden musste.

Während der ganzen Prozedur soll der Beschuldigte wüste Beschimpfungen ausgestossen haben. Den Gefängnisdirektor bedrohte er mehrfach: «Du bist der erste Gefängnisleiter, den ich kaputt mache. Du bist tot», sagte er unter anderem.

Aufseher verprügelt

Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich Mitte 2017 in der Pöschwies. In einem Gespräch wurde Carlos eröffnet, dass er in die Sicherheitsabteilung zurückversetzt werde. «Jetzt erkläre ich euch den Krieg», soll Carlos das quittiert haben. Dann schleuderte er einen Stuhl durchs Büro und Griff einen Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung an.

Diesen schlug er blitzschnell mit der rechten Faust gegen den Kopf. Als der Geschädigte am Boden lag, schlug Carlos weiter auf ihn ein. Es waren sechs weitere Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung nötig, die aus dem Nebenraum herbeistürmten und Carlos schliesslich von ihrem Kollegen wegzerren und fesseln konnten.

Der Geschädigte musste eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen und war über mehrere Monate arbeitsunfähig.

Der Kampfsportler soll auch mehrfach Mithäftlinge verprügelt oder beschimpft haben. Wiederholt bespuckte und beschimpfte er Gefängnisaufseherinnen und -aufseher. Indem er das Füllmaterial aus der Matratze herausriss und damit die Abflüsse verstopfte, den Tischfussballtisch und Teile der Zellen beschädigte, entstand ein Sachschaden von rund 40000 Franken.

Strafanträge am Prozess

Das Staatsanwalt wird seine Strafanträge an der Hauptverhandlung von kommender Woche stellen. Im Raum steht gar eine Verwahrung. Ursprünglich sollte der Prozess in Dielsdorf stattfinden, weil die Strafanstalt Regensdorf, in der Carlos einsitzt, im Bezirk Dielsdorf liegt. Aus Platzgründen wurde die Verhandlung aber ans Bezirksgericht Zürich verlegt. Der Prozess dürfte zwei Tage dauern. Das Urteil wird am 6. November eröffnet.

Carlos war – damals 17-jährig – durch einen SRF-Dokumentarfilm im Sommer 2013 landesweit bekannt geworden. Nach der Ausstrahlung entflammte eine hitzige Diskussion darüber, wie teuer die Behandlung junger Straftäter ist. Besonders zu reden gab sein «Sondersetting» mit Thaibox-Training. Dieses wurde schliesslich abgebrochen.

Das Drama um den Intensivtäter hat im Kantonsrat bereits mehrere Vorstösse provoziert. Zuletzt hat SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein (Küsnacht) am Montag eine Anfrage eingereicht. Unter anderem will er wissen, welche Möglichkeiten bestünden, Straftäter wie Carlos (Schweizer Staatsbürger) ihre Strafe im Ausland verbüssen zu lassen. (pag/sda)

Erstellt: 23.10.2019, 13:18 Uhr

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