Versicherungen

Die grösste Firma sucht einen neuen Chef

Axa-CEO Antimo Perretta tritt überraschend zum Jahresende ab – er wird zum Europachef ­befördert. Seine vier Jahre an der Spitze des grössten privaten Arbeitgebers in der Stadt waren vergleichsweise ruhig.

Europachef mit Büro in Winterthur: Antimo Perretta steigt auf.

Europachef mit Büro in Winterthur: Antimo Perretta steigt auf. Bild: Madeleine Schoder

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Bereits am 1. Januar wird Axa Schweiz einen neuen Chef haben, zumindest als Zwischen­lösung. Wie die Versicherung ihren Angestellten mitteilte und in einem Communiqué publik machte, gibt der bisherige CEO Antimo Perretta sein Amt zum Jahresende ab. Der 54-Jährige wurde von der Konzernspitze in Paris zum Europachef berufen; sein Arbeitsort derweil bleibe Winterthur, sagt ein Sprecher. In der neu geschaffenen Funktion wird Perretta für das Geschäft in Gross­britannien, Deutschland, der Schweiz, Italien, Spanien, Belgien und Irland verantwortlich sein.

Ein Nachfolger konnte gestern noch nicht präsentiert werden. Vorerst soll Perrettas Stellver­treter Fabrizio Petrillo, Leiter der Schadenversicherung und Geschäftsleitungsmitglied von Axa Schweiz, das Amt übernehmen.

Der scheidende CEO, der gestern für ein Gespräch keine Zeit hatte, trat nach aussen als ­Innovator auf in einem Geschäft, das eigentlich sehr konservativ und stabil ist und in dem die Gewinne weitgehend von den Zins- und Börsenentwicklungen abhängen. In hohem Takt lancierte Perretta nach seinem Antritt im Jahr 2014 neue Projekte, prä­sentierte zum Beispiel ein Suchportal für Autogaragen oder stellte ein ­neuartiges Carsharing vor, das es Kunden ermöglicht, Autos zu mieten und bei Nichtgebrauch unterzuvermieten.

Mission: Handy

Der Manager setzte auf Internet und Handy, des Menschen ­«neues Organ», wie er bisweilen launig sagt; bis 2020 will seine Versicherung 160 Millionen Franken in den ­digitalen Umbruch investieren. Einfach und schnell wolle es der Kunde heute haben, gab sich der Firmenchef überzeugt und nannte schon einmal den Fahrvermittlungsdienst Uber als Vorbild.

«Ich möchte nicht, dass man in fünf Jahren liest, ich hätte nur die Kosten gesenkt. Ich will die Firma entwickeln.»Axa-CEO Antimo Perretta bei seinem Antritt 2014

Das Geschäftsfeld der Versicherung wurde nach Aufgabe der Axa-Bank zuletzt wieder ausgeweitet. In der Krankenversicherung stieg man ins Zusatzversicherungsgeschäft ein, und kürzlich wurde ein Kreditprodukt vorgestellt, bei dem sich KMU Geld für noch nicht bezahlte Kundenrechnungen vorstrecken lassen können, eine Zusammenarbeit mit einem Start-up.

Superblock ohne «Winterthur»

Böse Zungen unterstellten Perretta, der gern von der Evolution der Versicherung zum «Begleiter» der Kunden sprach, gelegentlich Schönrednerei. Wichtig war ihm offenbar, wie es sich für einen Mann in seinem Amt wohl geziemt, die Kosteneffizienz. So kündigte er an, als er die Aufgabe des Zusatzes «Winterthur» im Firmennamen vermeldete, dass er aus Kostengründen seine alten Visitenkarten noch aufbrauchen werde, bevor er zu den neuen greife – mit dem Stellenwechsel werden neue Kärtchen nun unumgänglich sein. In Perrettas Zeit fiel auch der Bezug des Superblocks, von Anfang an nur mit «Axa» beschriftet, im November 2014. Der Zusammenzug mehrerer Standorte brachte Kosteneinsparungen von drei Millionen Franken jährlich.

Insgesamt war die Perretta-Ära weniger stürmisch als die Zeit unter Vorgänger Philippe Egger, der nach dem Verkauf der Winterthur-Versicherung 2006 von der Credit Suisse an die Axa enorme Sparprogramme umgesetzt hatte, samt Stellenabbau am Hauptsitz. Seit einiger Zeit wird die Mitarbeiterzahl in Winterthur konstant mit rund 3000 ­Personen angegeben.

Wohlbekannte Nummer 2

Möglichst schnell soll nun ein neuer CEO gefunden werden. Dazu, wie wahrscheinlich es ist, dass der Interimsleiter das Amt dauerhaft übernimmt, gab es gestern keinen Kommentar. Fabrizio Petrillo ist im Unternehmen kein Unbekannter. Der Leiter des Schadenbereichs und frühere ­Finanzchef arbeitet seit 2009 bei Axa in Winterthur. Er ist 48 Jahre alt und wie der scheidende Per­retta schweizerisch-italienischer Doppelbürger.

Erstellt: 13.11.2017, 09:38 Uhr

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