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Chrigis Endstation

Christian verliess Winterthur, um für den IS zu kämpfen. Der preisgekrönte Journalist Kurt Pelda verfolgte das Schicksal des Konvertiten und gewährt in seiner Reportage einen unmittelbaren Einblick in die lokale Jihadisten-Szene.

Wo die 2er-Linie kehrtmacht: An der Endstation Wülflingen nahm Christian den Islam als seine Religion an.
Wo die 2er-Linie kehrtmacht: An der Endstation Wülflingen nahm Christian den Islam als seine Religion an.
Johanna Bossart

Die Haustür führt auf einen grünen Hinterhof. Wenn Christian morgens die Wohnung seines Vaters verliess, sah er zuerst den blauen Briefkasten, der zu seinem Mehrfamilienhaus gehörte, und dann die rot-weiss gestreiften Sonnenstoren der Nachbarn gegenüber. Am Ende des Hinterhofs konnte Chrigi, wie ihn seine Freunde nannten, durch die Hintertür einen kleinen Supermarkt betreten. Das Geschäft gibt es heute nicht mehr, aber damals war es mit Überwachungskameras gespickt. Der Besitzer, ein Inder, sagte, es seien vor allem die Schüler des nahe gelegenen Schulhauses Hohfurri gewesen, die ihm den Laden leer geklaut hätten. Aber Christian, der war nicht so, der stahl nicht. «Ein anständiger junger Mann, er kam nur manchmal hierher, um Red Bull oder Zigaretten zu kaufen.» Das war die Zeit, als Chrigi noch rauchte und bevor er sich Ali und Abu Malik nannte. Chrigi besuchte damals schon nicht mehr das Sekundarschulhaus Hohfurri in Wülflingen. Während es von seinem Zuhause bis zur Schule nur ein paar Schritte waren, lag das Rollladengeschäft seines Lehrmeisters ein paar Hundert Meter entfernt. Sein Lehrmeister, wie Chrigi ein Mann mit italienischen Wurzeln, sprach in den höchsten Tönen von seinem «besten Lehrling aller Zeiten». Lange nach Chrigis Verschwinden hing noch ein Foto von ihm an der Wand des Storengeschäfts: sympathisches Lächeln, dicke dunkle Augenbrauen, die Haare auf den Seiten kurz und oben länger.

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