Architektur

«Corbusier der SBB» knapp 95-jährig gestorben

Max Vogt hat die Bahnarchitektur der Nordostschweiz geprägt. Er verstarb am 12. Dezember.

Max Vogt (2006).

Max Vogt (2006). Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das bekannteste Bauwerk von Max Vogt ist das Zentralstellwerk vor dem HB Zürich mit dem markanten Zürich-Logo und der SBB-Uhr. Das Gebäude repräsentiert die Bauweise von Vogt: Häuser aus Beton, ohne Firlefanz und nur dem Zweck dienend. Vogt prägte von 1957 bis 1989 als SBB-Architekt die Bahnarchitektur zwischen Kaiseraugst und Chur und zwischen dem Boden- und dem Walensee. Er hatte von 1945 bis 1949 an der ETH studiert, zu seinen Vorbildern gehörte der französische Architekt Le Corbusier.

Als Baumaterial wählte er Sichtbeton, seine Gebäude sind Kompositionen aus ineinandergeschobenen Körpern. Als Leiter der damaligen SBB-Kreisdirektion III war er für alle Neubauten zuständig. Über 160 Bahnhöfe, Stellwerke, Güterschuppen, Haltestellen und Wohnhäuser haben er und seine Mitarbeiter errichtet.

Obwohl die meisten seine Bauwerk kennen, etwa die Bahnhöfe Effretikon, Killwangen-Spreitenbach, Stäfa, Erlenbach, Thalwil oder Herrliberg-Feldmeilen, war er nur wenigen Fachleuten ein Begriff.

Vogt muss sich wie im architektonischen Schlaraffenland gefühlt haben. Zwischen 1955 und 1965 verdreifachten die SBB ihre Investitionen. Vogt und seine Sektion bauten bis zu 40 Projekte pro Jahr. Zum andern galten für die Bahnbauten keine kommunalen Bauvorschriften. Massgebend waren der SBB-Betrieb und die Sicherheit, schrieb die SRF-Kulturredaktorin Karin Salm zum Tod des grossen Architekten. Er war bereits am 12. Dezember in Zürich gestorben. Die Abschiedsfeier findet am Freitag, 10. Januar um 14 Uhr in der Kirche Allerheiligen in Zürich-Affoltern statt.

«Eisenharter Funktionalist»

«Vogt war der letzte eisenharte Funktionalist», sagt der Architekt und Publizist Benedikt Loderer. Dies habe auch etwas mit den SBB zu tun gehabt. Ein Bahnbetrieb müsse funktionieren und entsprechend sei alles reglementiert, präzise und solid – wie die Bahn selbst. Vogt habe konsequent die «corbusianische» Formensprache beibehalten und wenig Kompromisse gemacht. Er sei ohne Zweifel ein hervorragender Architekt gewesen.

Dass er kritisiert wurde, überrascht nicht. So erhielt eines seines bekanntesten Gebäude, der Bahnhof Altstetten, zwar von der Stadt Zürich 1972 die Auszeichnung für «gute Bauten». Das neunstöckige Gebäude mit 45 Dienstwohnungen wurde aber auch 2006 für die Serie «Schandfleck» des SRF nominiert.

Erstellt: 31.12.2019, 10:39 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles