Innovation

Dank geklonter Augen besser sehen

Der diesjährige Pionierpreis der ZKB geht an ein Bieler Startup. Die Firma verspricht Verbesserungen bei Operationen des Grauen Stars.  

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Gute Nachrichten für Menschen mit Grauem Star: Die Firma Optimo Medical hat eine Software entwickelt, mit der sich Eingriffe am Auge noch präziser durchführen lassen. Dafür hat sie gestern Abend den ZKB-Pionierpreis Technopark 2019 erhalten.

Zwischen 60 000 und 70 000 Schweizerinnen und Schweizer lassen sich jedes Jahr wegen getrübter Augenlinsen behandeln. Der Katarakt, besser bekannt als Grauer Star, wird häufig im Alter zum Problem und in der Regel manuell mit dem Skalpell operiert. Immer mehr Patienten lassen ihre Augen jedoch lieber lasern, weil die Resultate meist besser ausfallen.

Die Augenchirurgie verfügt mittlerweile über Instrumente, mit denen das Auge auf den Mikrometer genau vermessen werden kann. Dank High-Tech-Lasern erfolgen dann auch die Schnitte auf der Hornhaut sehr exakt.

Trockenübung für den Chirurgen

Optimo-Medical-Gründer Harald Studer hat während seiner Forschungsarbeit jedoch festgestellt, dass es noch genauer geht. Dann nämlich, wenn die Planung der einzelnen Schnitte nicht wie bisher analog auf Papier erfolgt, sondern mit einer Software. Optimeyes, so heisst sein Programm, stellt von jedem Auge einen digitalen Klon her, an dem der Chirurg den späteren Eingriff in einer Art Trockenübung durchspielen kann. «Dadurch lassen sich die Parameter für jedes einzelne Auge so optimieren und massschneidern, dass sie bei der Operation ganz genau passen», sagt Studer.

Die Unterschiede können riesig sein.Firmengründer Harald Studer

Harziger Start

Mikrometer würden darüber entscheiden, ob der Patient später perfekt sieht oder nicht, sagt Studer. «Die Unterschiede können riesig sein.» Ein nicht ganz optimaler Schnitt - und das Fahren in der Nacht oder das Lesen von Untertiteln im Kino wird zum Problem. «Mit Optimeyes passiert das nicht», sagt Studer. Seit dem ersten Eingriff mit der neuen Software im März 2018 ist es allerdings erst 40 Mal zum Einsatz gekommen. «Das ist unter unseren Erwartungen», sagt Studer.

Die Herausforderung besteht vor allem darin, die behandelnden Ärzte von diesem neuen Hilfsmittel zu überzeugen. Genutzt haben es bisher zehn Kliniken in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Grossbritannien. Welche, will Studer nicht verraten.

Kassen zahlen noch nicht

Ziel seines neunköpfigen Teams ist es, die Zahl der Anwender bis Ende Jahr auf 40 zu erhöhen. Bis 2024 will Optimo Medical international zu den führenden Anbietern im Bereich der personalisierten Augenmedizin gehören und nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Südamerika Fuss fassen. Angestrebt werde zudem, dass künftig die Krankenkassen die Kosten für solche Operationen übernehmen. «Heute ist das noch eine Premium-Prozedur, die noch nicht von der Kasse bezahlt wird und schnell einmal zusätzlich über 2000 Franken pro Auge kostet.»

Bis es soweit sei, brauche es eine breite Akzeptanz, Hunderte erfolgreiche Operationen und entsprechende Analysen. «Mit dem Pionierpreis können wir unseren Brand weiter stärken», sagt Studer. Die Auszeichnung helfe, weitere Kunden und Investoren zu finden und kluge Köpfe an Bord zu holen. «Und natürlich ist auch das Preisgeld von knapp 100 000 Franken sehr wertvoll für unsere junge Firma.»

«Marktnähe und soziale Relevanz»

50 Schweizer Startups haben sich für den seit 2001 vergebenen Award beworben. Die Beteiligung sei vergleichbar mit den letzten Jahren, sagt Gian-Luca Bona, Jury-Vorsitzender und Präsident der Stiftung Technopark Zürich. Für Optimo Medical habe die besondere Innovationskraft, Marktnähe und soziale Relevanz gesprochen, sagt Bona zum Entscheid der Jury, die mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft besetzt ist. «Optimo Medical haben nicht einfach eine verrückte Idee präsentiert, die sich dann nicht umsetzen lässt, sondern einen Weg gezeigt, wie aus dem Startup eine erfolgreiche Firma werden kann.»

Erstellt: 07.05.2019, 15:23 Uhr

Zürcher Finalisten

3-D-Drucker und Mikronadeln

Die weiteren Finalisten des ZKB-Pionierpreises kommen beide aus Zürich. Die Jungunternehmen 9t labs und Dicronis wurden ebenfalls ausgezeichnet und erhalten je 10 000 Franken. 9t labs hat die Jury mit ihrem 3-D-Drucker für Carbonteile überzeugt. Gefragt ist der leichte und faserverstärkte Kunststoff vor allem in der Luft- und Raumfahrt, aber auch in der Robotik und Medizintechnik. Aufgrund der aufwendigen Herstellung und Verarbeitung ist Carbon im Vergleich zu Aluminium und Stahl sehr teuer. Das will das ETH-Spin-off mit seinem 3-D-Drucker ändern. Ebenfalls an der Technischen Hochschule ist Dicronis entstanden. Das junge Gründer-Trio hat ein Verfahren entwickelt, mit dem erstmals die Lymphaktivität gemessen werden kann. Diese ist beispielsweise bei der Frühdiagnose von Lymphödemen relevant. Dabei schwellen Hände und Beine massiv an. Eine frühzeitige Behandlung kann Lymphödeme günstig beeinflussen. Mittels Mikronadeln kann der Fluss der Lymphe schnell, schmerzlos und unkompliziert gemessen werden. (hz)

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