Winterthur

«Das Zerstörungsbild ist enorm»

Es war der grösste Einsatz seiner Karriere: Jürg Bühlmann, Feuerwehrkommandant, sagt, wie man 140 Einsatzkräfte koordiniert und was über die Brandursache bisher bekannt ist.

Bislang ist nicht bekannt, wo der Brand ausgebrochen ist: Die Brandstelle im Dättnau am Mittwochabend aus der Luft betrachtet.

Bislang ist nicht bekannt, wo der Brand ausgebrochen ist: Die Brandstelle im Dättnau am Mittwochabend aus der Luft betrachtet. Bild: Kapo Zürich

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Wie geht es Ihrem Trupp nach dem Grossbrand im Dättnau?
Jürg Bühlmann: Es war für uns ein sehr anstrengender Einsatz. Aber es geht allen gut. Die Leute waren gut geführt, sie konnten genug trinken und wurden verpflegt, das hat die Leistungsfähigkeit sehr stark verbessert.

Und wie geht es den Verletzten?
Ein Feuerwehrmann, der einen Schwächeanfall erlitten hatte, konnte das Spital am gleichen Tag wieder verlassen. Ebenso eine Privatperson, die sich leichte Verbrennungen zugezogen hatte.

Sie sagen, die Verpflegung am Brandplatz habe für den Einsatz eine wichtige Rolle gespielt. Haben Sie mitten in der Nacht einen Caterer engagiert?
Der Zivilschutzleiter hatte den Auftrag, sich um die Verpflegung zu kümmern. So konnten sich die Leute, die im Einsatz standen, schon morgens um 10 Uhr mit einer warmen Mahlzeit stärken.

Zivilschutz und Feuerwehr der Stadt sind seit kurzem zusammengelegt. Haben Sie von der Neuorganisation im Einsatz auch sonst profitiert?
Der Zivilschutz hat mit mobilen Betankungsanlagen auch für den Treibstoffnachschub gesorgt. Für die Durchhaltefähigkeit der Fronteinsatzmittel sind die Versorgungsleistungen enorm wichtig. In der Armee sagt man: auf eine kämpfende Person kommen zehn in der Logistik.

Insgesamt 140 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Wo haben Sie so viele Kräfte her?
Es war die ganze Feuerwehr Winterthur dabei, die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen, und dann hatten wir Unterstützung von der Feuerwehr Wiesendangen und vom Stützpunkt Wallisellen.

Läge während eines solchen Aufgebots ein Einsatz wie die Rettung einer Katze noch drin?
Selbstverständlich. Während des Grosseinsatzes sind vier weitere Einsätze gelaufen. Wir waren beim schweren Unfall auf der A4, hatten zwei Wasserleitungsbrüche und einen Einsatz der Wasserwehr. Wir müssen die Einsatzbereitschaft in der Stadt gewährleisten und setzen nie alle Mittel ein. Darum haben wir auch andere Feuerwehren aufgeboten.

Haben Sie die letzten Kräfte schon abgezogen?
Nein, wir sind immer noch vor Ort. Die Firma Toggenburger hat im Auftrag des Eigentümers damit begonnen, Material abzuführen. Wir löschen weiterhin kleine Glutnester und helfen beim Rückbau. Die Feuerwehr wird noch einige Tage im Einsatz stehen.

Die Brandursache war zunächst unklar. Wissen Sie schon mehr?
Mir ist nichts Neues bekannt. Der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei wird seine Arbeit erst aufnehmen können, wenn die Sicherheit in den abgebrannten Gebäuden gewährleistet ist. Das wird noch etwas dauern. Bislang wissen wir nicht einmal, von wo der Brand ausgegangen ist.

Sie sind 16 Jahre bei der Winterthurer Feuerwehr. Haben Sie so einen Brand schon erlebt?
In diesen Dimensionen noch nie, das Zerstörungsbild ist enorm. Die Dimensionen waren für uns eine grosse taktische Herausforderung. Die ersten Einsatzkräfte haben aber die Prioritäten genau richtig gesetzt und sich auf das Halten des Feuers konzentriert.

Erstellt: 09.07.2015, 18:04 Uhr

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