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Das Zweimalzwei der Steuererklärung

Wie wirkt es sich auf die Steuern aus, wenn die Kinder aus dem Eigenheim ausziehen, einem das Geschäft ein Auto zur Verfügung stellt oder eine hohe Zahnarztrechnung ins Haus flattert? Steuerexperte Markus Stoll vom Vermögenszentrum gibt praxisnahe Tipps und Erklärungen für Fortgeschrittene.

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Tasten wir uns vom Einfachen zum Schwierigen vor: Was sind häufige Fehler beim Ausfüllen der Steuererklärung, Herr Stoll?
Markus Stoll*: Weil die Steuererklärung rückwirkend ausgefüllt wird, vergisst man leicht einen steuerlich relevanten Sachverhalt aus dem Vorjahr. Dagegen hilft, die Steuererklärung elektronisch auszufüllen, dann wird man vom Assistenten angeleitet und läuft weniger Gefahr, etwas auszulassen.

Was geht denn typischerweise vergessen?
Banale, aber wichtige Dinge, wie Kinderabzüge oder Beiträge an die Säule 3a.

Etwas anders ist, wenn sich die Lebenssituation ändert und plötzlich neue Abzüge möglich sind. Wann könnte ich beispielsweise beim Eigenmietwert eine Unternutzung geltend machen?
Der Unternutzungsabzug wird nur gewährt, wenn sich die Wohnbedürfnisse einer Familie vermindern, weil zum Beispiel die Kinder ausziehen oder der Partner stirbt. Wird von Anfang an eine grosse Wohnung gekauft, kann kein Unternutzungsabzug geltend gemacht werden. Zudem müssen die Räume dauernd nicht mehr genutzt werden. Nutzt man sie noch gelegentlich, beispielsweise als Gästezimmer, kann man keinen Unternutzungsabzug geltend machen.

Markus Stoll ist Treuhandexperte.

Die Zimmer müssen also leer stehen?
Nein, das nicht. In der Regel wird kein Unternutzungsabzug gewährt, wenn eine Person vier Zimmer bewohnt respektive zwei oder mehr Personen vier bis sechs Zimmer bewohnen. Details kann man der Weisung der Finanzdirektion betreffend Festsetzung des Eigenmietwertes bei tatsächlicher Unternutzung entnehmen (www. steueramt.zh.ch, Anm. d. Red.).

«Für Personen mit einem längeren Arbeitsweg wäre es ab 2018 aus steuerlicher Sicht ratsam, näher an den Arbeitsplatz zu ziehen. »


Angenommen, ich renoviere eigenhändig mein Haus: Kann ich diese Eigenleistung steuerlich geltend machen?
Nein, sonst müssten Sie diese Leistungen auch als Einkommen deklarieren. Beim Unterhalt kann man die eigene Arbeit nicht abziehen, ausser man ist in diesem Bereich selbständig erwerbstätig. Den Einkaufswert des Materials, das man für die Renovation benötigt hat, kann man jedoch abziehen. Bei alledem gilt: Die Arbeiten müssen werterhaltend, nicht wertsteigernd, sein.

Was kommt auf mich zu, wenn ich neu ein Geschäftsauto habe, das ich auch privat nutzen darf?
Für die private Nutzung des Geschäftsfahrzeugs muss das Geschäft dem Mitarbeiter pro Jahr 9,6 Prozent des Kaufpreises ohne Mehrwertsteuer verrechnen. Damit sind die privaten Fahrten am Abend oder übers Wochenende abgegolten. Bei der direkten Bundessteuer sind ab Steuerjahr 2016 nur noch maximal 3 000 Franken Fahrkosten vom Wohn- zum Arbeitsort steuerlich abziehbar. Fallen die Fahrkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort – Anzahl Kilometer multipliziert mit 70 Rappen – höher aus, so gilt die Differenz als steuerbares Einkommen und ist entsprechend zu deklarieren. Bei den Staats- und Gemeindesteuern im Kanton Zürich können weiterhin die gesamten Fahrkosten geltend gemacht werden, weshalb beim Geschäftsauto kein Aufrechnung wie bei der direkten Bundessteuer erfolgt.

Der Kanton Zürich hat erst am letzten Montag eine Plafonierung des Pendlerabzugs bei 5000 Franken beschlossen. Das gilt aber für die diesjährige Steuererklärung noch nicht.
Richtig. Sofern bei der Volksabstimmung, die im September vorgesehen ist, das Volk Ja zur Begrenzung sagt, ist die Inkraftsetzung dieser Bestimmung auf den 1. Januar 2018 geplant. Für Personen mit einem längeren Arbeitsweg wäre es dann aus steuerlicher Sicht ratsam, näher an den Arbeitsplatz zu ziehen. Denn sie können nicht mehr die gesamten Kosten für den Arbeitsweg vom Einkommen abziehen.

Falls der Arbeitsweg länger als 20 Minuten dauert können 3200 Franken bei den Berufsauslagen abgezogen werden.

Kann ich gleichviel für das Pendeln abziehen, egal, wieviel mir mein Arbeitgeber an das Abonnement respektive die Reisekosten bezahlt?
Übernimmt der Arbeitgeber Kosten für den Arbeitsweg, so ist das ebenfalls auf dem Lohnausweis auszuweisen. Wenn im Feld F, Unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort, auf dem Lohnausweis kein Kreuzchen gemacht wurde, darf man die selbstbezahlten Reisekosten bei den Berufsauslagen abziehen.

Wieviel kann ich abziehen, wenn ich von meinem Arbeitgeber kein Geld für die Verpflegung bekomme?
Falls der Arbeitsweg länger als 20 Minuten dauert, also nicht zuhause Zmittag gegessen werden kann, können maximal 3200 Franken bei den Berufsauslagen abgezogen werden. Bei einem kürzeren Arbeitsweg ist es zumutbar, dass man sich zuhause verpflegt, weshalb kein Abzug geltend gemacht werden kann.

Kann ich Ausbildungskosten von den Steuern abziehen?
Selbst getragene Kosten der Aus- und Weiterbildung und Umschulungskosten können ab der Steuererklärung 2016 bis zum Gesamtbetrag von 12 000 Franken abgezogen werden. Voraussetzung ist, dass ein erster Abschluss auf der Sekundarstufe II – Abschluss Lehre oder Gymnasium – vorliegt oder das zwanzigste Lebensjahr vollendet ist und es sich nicht um die Ausbildungskosten bis zum ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II handelt.

Muss ich den Lehrlingslohn der Kinder in der Steuererklärung angeben?
Auch minderjährige Kinder sind für die eigenen Erwerbseinkünfte selbst steuerpflichtig. Die Eltern müssen den Lehrlingslohn nicht in der eigenen Steuererklärung deklarieren. Sie müssen jedoch bis zur Volljährigkeit das Vermögen sowie die Vermögenserträge der Kinder deklarieren. Minderjährigen Kindern wird keine Steuererklärung zugestellt. Dies aus der Erfahrung, dass vom Lehrlingslohn nach Abzug der Berufsauslagen und der Versicherungsprämien in der Regel keine Steuern zu bezahlen sind. Vereinzelte Personen, etwa erfolgreiche Sportler, die als Minderjährige schon sehr viel verdienen, müssen Steuern bezahlen.

Kann ich selbstbezahlte Krankheitskosten, also selbstbezahlte Medikamente und Arztbesuche, von den Steuern abziehen?
Die selbst bezahlten Krankheitskosten – nicht jedoch die Prämien der Krankenkasse sowie die von der Krankenkasse vergüteten Kosten – können in der Steuererklärung deklariert werden. Darunter fallen auch die Zahnarztkosten. Allerdings besteht erst ein Steuerabzug, falls diese Kosten fünf Prozent des Nettoeinkommens übersteigen. Falls die Steuererklärung elektronisch ausgefüllt wird, erfolgt diese Berechnung automatisch.

Die Eltern müssen den Lehrlingslohn ihrer Kinder nicht in der eigenen Steuererklärung deklarieren.

Wieviel kann ich für die Säule 3a abziehen?
Wenn Sie einer Pensionskasse angeschlossen sind, können Sie maximal 6768 Franken in die Säule 3a einzahlen. Erwerbstätige Personen ohne Anschluss an eine Pensionskasse können zwanzig Prozent der steuerbaren Einkünfte abziehen bis zum Maximalbetrag von 33 840 Franken.

Wenn ich, ganz hypothetisch, einen Teil meines Vermögens im Ausland versteckt hätte und es nun in die Schweiz überführen wollte - wie würde ich da am besten vorgehen?
Falls die Steuerverwaltung noch keine Kenntnis davon hat, könnten Sie sich mit einem Schreiben an die Steuerverwaltung selbst anzeigen. Dafür erläutert man kurz den Sachverhalt und reicht Belege ein zum Vermögensstand während der letzten zehn Jahre, jeweils den Stand vom 31. Dezember inklusive Informationen über die Vermögenserträge.

Mit welchen Strafen muss man in einem solchen Fall rechnen?
Bei der ersten Selbstanzeige gibt es keine Busse. Die Nachsteuern werden für maximal zehn Jahre rückwirkend erhoben. Dabei berechnet die Steuerverwaltung für jedes Jahr, wie hoch die Steuer unter Berücksichtigung des Vermögens im Ausland war. Die Differenz zu den bereits bezahlten Steuern wird nachträglich in Rechnung gestellt inklusive Verzugszinsen.

Seit dem 1. Januar 2017 gilt in der Schweiz der automatische Informationsaustausch, kurz AIA, mit der EU, Australien, Südkorea, Kanada und Japan. Gelten Selbstanzeigen in diesem Jahr überhaupt noch?
2018 werden die EU sowie die genannten vier Staaten, zum ersten Mal Informationen an die Schweiz liefern, und zwar über das Steuerjahr 2017. Die Steuerverwaltung erfährt also sowieso von versteckten Vermögen. Es ist in der Schweiz deshalb unklar, ob eine Selbstanzeige in diesem Jahr noch möglich ist.

«Meines Erachtens sollten Selbstanzeigen im Jahr 2017 zum letzten Mal noch möglich sein.»

Womit rechnen Sie?
Meines Erachtens sollten Selbstanzeigen im Jahr 2017 noch möglich sein, da die Steuerverwaltung erst im Jahr 2018 von Ausland Informationen über ausländische Konten erhält.

Bei Dividenden wird in der Schweiz die Verrechnungssteuer von 35 Prozent abgezogen. Lohnt es sich eigentlich in jedem Fall, diese Dividende in der Steuererklärung anzugeben und die Verrechnungssteuer zurückzufordern?
Grundsätzlich kann man die Verrechnungssteuer mit der Deklaration der Dividende im Wertschriftenverzeichnis zurückfordern. Falls man die Dividende nicht ordnungsgemäss deklariert, hat man keinen Anspruch auf deren Rückerstattung. Und falls sich irgendwann mal herausstellt, dass die Steuererklärung nicht vollständig ausgefüllt wurde, weil nicht alles Einkommen deklariert wurde, sind die Kriterien für ein Nachsteuerverfahren erfüllt. Es ist deshalb zu empfehlen, die Dividende in jedem Fall in der Steuererklärung zu deklarieren.

Wenn ich Steuern sparen will, was für Schritte raten Sie mir?
Allgemein gilt, dass mit der Einzahlung in die Säule 3a, dem Einkauf in die Pensionskasse sowie der geschickten Planung von werterhaltenden Unterhaltsarbeiten an Liegenschaften Steuern gespart werden können. Aber auch mit einer Pensionierungsplanung lässt sich die Steuerrechnung oft optimieren. Und mit einer Schenkung oder einem Erbvorbezug kann man vereinzelt Steuern sparen, etwa, wenn die Nachkommen an einem steuergünstigeren Ort wohnen, als die Eltern. Man kann natürlich auch in eine steuergünstige Gemeinde umziehen. Ein solcher Wechsel wird aber seltener in Betracht gezogen, da viele Leute am bisherigen Wohnort verwurzelt sind.

*Markus Stoll ist Treuhandexperte und leitet das Team Steuern bei der VZ Vermögenszentrum AG.

Erstellt: 24.03.2017, 16:11 Uhr

Vor allem in Winterthur ist der Anstieg der Fristverlängerungs-Anträge eklatant.

Die Anzahl der Leute, die ihre Steuererklärung online ausfüllen ist stark angestiegen.

Betreibungen in der Region 2016.

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