Russikon

Der Lift im Eiffelturm fährt dank Russiker Öl

Seit 70 Jahren produziert die Panolin AG in Madetswil Öle, Fette und Schmierstoffe. Sie kommen weltweit zum Einsatz. Nicht nur in Paris.

Panolin-CEO Silvan Lämmle vor Panolin-Ölfässern auf dem Firmengelände in Madetswil.

Panolin-CEO Silvan Lämmle vor Panolin-Ölfässern auf dem Firmengelände in Madetswil. Bild: Johanna Bossart

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Was haben Eiffelturm und Panamakanal gemeinsam? Beide funktionieren dank einem Produkt, das im Russiker Ortsteil Madetswil hergestellt wird. Im Eiffelturm sind es die Fahrstühle und beim Panamakanal die Schleusen, deren Hydraulik mit einem vollsynthetischen Schmierstoff der Firma Panolin betrieben wird. In der Hydraulik braucht es immer ein Öl, damit Kraft übertragen werden kann.

Die Basisöle bezieht die Firma von Lieferanten aus aller Welt und reichert sie in ihrer Produktionshalle in Madetswil mit weiteren Stoffen an. Sie arbeitet mit bis zu 600 verschiedenen Chemikalien. «Die Arbeit lässt sich mit jener eines Bierbrauers vergleichen», sagt CEO Silvan Lämmle. «Auch wir stellen spezielle Formulierungen her.» Chemiker tüfteln täglich an neuen Zusammensetzungen. Sie überprüfen aber auch bereits von Kunden verwendetes Öl auf seine Funktionsfähigkeit. Also, ob es etwa verunreinigt ist und ausgewechselt werden muss.

Biologisch abbaubar

Der weltweite Durchbruch gelang Panolin, als in den 80er-Jahren ein Bauunternehmer aus dem Welschland anrief und «sauberes Öl» verlangte. Er baggerte im Neuenburgersee und musste sich täglich anhören, wie seine Maschinen das Wasser verschmutzten. Also experimentierten die Spezialisten in Madetswil unter anderem auch mit dem bekannten Sais-Rapsöl. Erst scheiterten sie, fanden dann aber einen biologisch abbaubaren Schmierstoff, das sogenannte Panolin-HLP-Synth-Hydrauliköl.

Chemiker überprüfen Ölmischungen. Bild: Johanna Bossart

Das sprach sich herum. Panolin avancierte zum Spezialisten für umweltschonende Schmierstoffe. Diese kommen nicht nur im Eiffelturm oder Panamakanal zum Einsatz, sondern etwa auch bei der Pilatus- und der Rhätischen Bahn sowie bei Baggern, Container- und Kreuzfahrtschiffen auf hoher See. «In diesen Bereichen ist es besonders wichtig, dass das Öl keine Giftstoffe enthält und dass Mikroorganismen es zersetzen können», sagt Lämmle.

Vor 70 Jahren gegründet

Die Firmengeschichte nahm 1949 im lichtensteinischen Schaan ihren Anfang, als Silvan Lämmles Grossvater, Bernhard Lämmle, seinen Betrieb ins Handelsregister eintragen liess. Er vertrieb damals noch «Charrensalbe», einfaches Öl für Scharniere und andere bewegliche Teile. Eine der ersten Öl-Dosen aus den 50er-Jahren erinnert stark an eine Ravioli-Dose.

«Auf hoher See ist es besonders
wichtig, dass das Öl keine Giftstoffe enthält.»
Silvan Lämmle,
CEO Panolin AG

1966 liess sich das Unternehmen in der Bläsimühle in Madetswil nieder und startete mit der eigenen Produktion. Noch heute stellt sie 95 Prozent aller Schmierstoffe im Zürcher Oberland her. 1973 begann sie, Motoren- und Hydrauliköle zu exportieren. Mittlerweile vertreibt sie 2000 verschiedene Artikel in 54 Länder. In den USA, Schweden und Grossbritannien besitzt sie eigene Niederlassungen. Alleine in der Schweiz arbeiten 90 Angestellte, darunter sechs KV-Lernende. Heuer kann die Firma ihr 70-jähriges Bestehen feiern.

Mit Silvan und seiner Schwester Sarah Mohr-Lämmle, die der Produktion vorsteht, leitet bereits die dritte Generation die Geschicke der Panolin AG. An der Spitze des internationalen Vertriebs steht CEO Daniel Zimmermann, der als einziger nicht aus der Familie stammt. Vizepräsident ist dort aber Tim Lämmle, Silvans Cousin. Er wird dereinst die Führung der Panolin International übernehmen. Dass die Firma auch in Zukunft in Familienhand bleibt, sei ein grosser Wunsch, sagt Silvan Lämmle. «Die Chancen stehen gut», sagt er lächelnd. Er selbst hat vier Töchter, seine Schwester zwei Söhne und eine Tochter.

Ein Mitarbeiter beim Abfüllen der Fässer. Bild: Johanna Bossart

Die Panolin wächst, «aber nicht zu stark und nicht zu schnell», sagt Silvan Lämmle. Umsatzzahlen will er aber keine bekannt geben. Schon bald soll eine weitere Lagerhalle hinzukommen. Derzeit entsteht der dafür notwendige Gestaltungsplan. Einen Umzug ins günstigere Ausland habe man auch schon in Betracht gezogen, gar erprobt, gesteht Lämmle ein. «Doch es ist uns keinen Cent günstiger gekommen.» Das Personal in der Schweiz sei einfach fleissiger und arbeite effizienter.

Am 24. August öffnet die Panolin AG aus Anlass ihres Jubiläums ihre Tore für die Bevölkerung. Es gibt unter anderem einen Betriebsrundgang, eine zwölf Meter lange Hüpfburg für Kinder, welche eine Tochter von Lämmle im Alter von neun Jahren entworfen hat, Grilladen, Crêpes und Bauernhofglacé.

Erstellt: 22.07.2019, 11:32 Uhr

Keanu Reeves brachte seinen Töff selbst nach Madetswil


Der Töff von Keanu Reeves. Bild: PD

Der 54-jährige Hollywood-Star Keanu Reeves, bekannt aus Filmen wie «Matrix» und «Speed», hat seit dem Jahr 2012 seine eigene Motorradmarke, die Arch Motorcycle. Im Februar dieses Jahres stellte er zusammen mit dem Schweizer Importeur Speedbox aus Wettingen zwei Modelle an der Motorradmesse Swiss Moto in Zürich aus. Mit dabei war auch die Madetswiler Firma Panolin, die wegen des Motoröls mit Speedbox zusammen arbeitet. Nicht schlecht habe er gestaunt, als Keanu Reeves eines Tages selbst auf dem Firmengelände auftauchte und das Motorrad vorbeibrachte, sagt Panolin-CEO-Silvan Lämmle. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durften Fotos machen, sie aber nicht auf den sozialen Medien veröffentlichen», sagt Lämmle. Denn der Besuch im Zürcher Oberland war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Als die Messe zu Ende war, kam das Bike wieder nach Madetswil und steht seitdem im Eingangsbereich des Unternehmens. (neh)

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