Imbissstand

Die Familie Prati darf bis Ende 2021 bleiben

Inhaber von Wurstständen am Seebecken haben von der Stadt Zürich zweiJahre Verlängerung erhalten.

<b>Der Familienbetrieb Prati im «Imbiss Riviera»:</b> Gaetano Prati, Claudio Prati mit Partnerin Gessica sowie Gesualda Prati (v.l.). Foto: tsc

Der Familienbetrieb Prati im «Imbiss Riviera»: Gaetano Prati, Claudio Prati mit Partnerin Gessica sowie Gesualda Prati (v.l.). Foto: tsc Bild: tsc

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Seit der Unterschriftensammlung 2015 hat der Wurststand «Imbiss Riviera» von Gaetano Prati schon fast Kultstatus. Die halbe Stadt kennt den inzwischen 74-jährigen Sizilianer, der mit seiner Familie den Stand bei der Quaibrücke am Bellevue seit gut 36 Jahren betreibt. Weil sich solche schlichten Wurstbuden nicht unbedingt eignen als städtebauchliche Visitenkarte für prominente Lagen am See, wollte die Stadt Prati ursprünglich auf Ende 2016 den Vertrag kündigen.

Doch die Familie sammelte im Eiltemo 7200 Unterschriften und erreichte auch dank politischer Unterstützung, dass die Stadt den Vertrag bis September 2019 verlängerte. Und kürzlich hat sie den Vertrag nochmals um zwei Jahre bis Ende 2021 verlängert, wie Kuno Gurtner von der städtischen Liegenschaftenverwaltung auf Anfrage bestätigt. Gegenstand des Vertrages ist die Benutzung des öffentlichen Grundes an diesem Ort. Die Baute selber gehört Prati.

«Besser als nichts»

Gesualda Prati, die 33-jährige Tochter, unterdessen Geschäftsführerin des Betriebs, zeigt sich erleichtert. «Das ist besser als nichts.» Natürlich wäre es ihr lieber gewesen, wenn die Stadt eine unbefristete Verlängerung gewährt hätte. Doch dies passt nicht zu den städtischen Plänen, die im Leitbild Seebecken zusammengefasst sind. Dieses stammt aus dem Jahre 2009 und ist im Sommer aktualisiert worden.

Gurtner begründet die Vertragsverlängerung damit, dass derzeit abgeklärt werde, was inskünftig an diesem Standort stehen soll und verweist für Details auf das Amt für Städtebau. Die Auskunft dort bleibt aber vage: Wurststände an diesem Ort liefen dem Leitbild nicht unbedingt zuwider. Auf dem Plan ist der Ort, wo das Riviera steht, als «Ausgabestelle» markiert. Gemeint sind damit Verpflegungskioske. In diese Kategorie fällt auch das Imbiss Riviera. Das heisst allerdings noch lange nicht, dass der künftige Vertragspartner der Stadt weiterhin Prati heissen muss, sollte es dereinst zu einer Neuausschreibung eines Verpflegungskioskes kommen.

Angst vor Gastrokonzern

Vor einer solchen Neuausschreibung bangt Gesualda Prati. Bewerben würde sie sich in diesem Falle zwar auch, «aber ich weiss nicht, ob wir als Familienbetrieb gegenüber einem grossen Gastrokonzern eine Chance haben.»

Mittlerweile bildet der Imbiss Riviera die Existenzgrundlage der ganzen Prati-Familie: Neben Papa Prati und seiner Tochter Gesualda gehört dazu auch der 30-jährige Sohn Claudio und dessen 27-jährige Partnerin Gessica. Sie alle arbeiten am Stand, wobei Vater Prati aus Altersgründen kürzer tritt und nicht mehr täglich am Stand steht. «Ich bin noch da, um mit den Kunden zu schwatzen», erzählt er lachend und in holprigem Deutsch. Das Arbeiten überlasse er den Jungen.

Gesualda Prati, die sich zur Personal-Assistentin weiter gebildet hat, sagt über ihren Vater: «Er ist noch immer das Aushängeschild.» Sie arbeitet schon seit 17 Jahren am Stand und ist unter anderem zuständig für die Buchhaltung und die Behördenkontakte. Fleisch isst sie als Vegetarierin keines, was sie aber vom Wurstbraten nicht abhält. Das Riviera habe vor allem Stammkunden, erzählt sie. Zu ihnen zählten Banker, Anwälte, Studenten und selbst Gastronomen. Sie alle schätzten die familiäre Atmosphäre und die italienische Art.

Alle Wurststände betroffen

Was für den Imbiss Riviera gilt, gilt auch für die beiden anderen Wurststände am Seebecken: Sie haben von der Stadt ebenfalls eine Vertragsverlängerung bis Ende 2021 erhalten. Einer dieser Stände befindet sich, von Prati aus gesehen, auf der gegenüber liegenden Seite der Quaibrücke am See. Der andere steht an der Schiffanlegestelle am Bürkliplatz. Beides sind ebenfalls langjährige Familienbetriebe und gehören demselben Besitzer. Dieser will seinen Namen partout nicht in der Zeitung sehen.

Im Leitbild Seebecken figuriert am Bürkliplatz neben einem Verpflegungskiosk zusätzlich ein Seerestaurant. Den Richtplaneintrag dazu hat die bürgerliche Seite des Kantonsrates kürzlich gegen linksgrünen und städtischen Widerstand durchgesetzt. Ob an dieser Stelle aber jemals ein Seerestaurant gebaut wird, steht aus Rentabilitätsgründen in den Sternen.

Hohe Ansprüche

Im Leitbild wird übrigens mehrfach darauf hingewiesen, dass Plätze, Wege und eben auch Bauten am Seebecken hohe qualitative Anforderungen erfüllen müssen. Unter den Zielen zur Gastronomie steht beispielsweise dieser Satz: «Zürichs Visitenkarte im Raum Schifflände, Quaibrücke/Utoquai soll Gastroangebote enthalten, welche in ihrer Erscheinung der Bedeutung des Ortes gerecht werden.» In den Ohren einfacher Wurststandbetreiber mag dies etwas bedrohlich klingen. (Der Landbote)

Erstellt: 17.10.2018, 19:39 Uhr

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