Zürich

Die Familienpolitikerin will vermitteln

Familie, Sitzungen, Wahlkampf: Im Alltag der CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer gibt es kaum Regelmässigkeiten. Einziger Fixpunkt ist die Session in Bern.

In ihrem Büro in Stäfa ist sie selten: Ständeratskandidatin Barbara Schmid-Federer.

In ihrem Büro in Stäfa ist sie selten: Ständeratskandidatin Barbara Schmid-Federer. Bild: Manuela Matt

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«Barbara», ruft ein Mann am Meilemer Herbstmarkt über die Köpfe hinweg. Er ergreift Barbara Schmid-Federers Hand, beglückwünscht sie zum Wahlkampf und sagt: «Aber dein zweites Plakat ist besser als das erste.» Auf dem Plakat, womit die CVP-Nationalrätin im Juni ihren Wahlkampf lancierte, stand «Einfach Barbara». Der Spruch wurde begleitet von einer Comiczeichnung von Schmid-Federers Gesicht und einem Pfeil, der vom Grossmünster zum Bundeshaus zeigt.

Vier bis fünf Tageszeitungen

Es ist kein Zufall, dass der PC-Bildschirm in Schmid-Federers Büro ähnlich aussieht: Der Hintergrund ist eine Nachtansicht von Zürich mit dem beleuchteten Grossmünster. Der Bildschirmschoner zeigt das Bundeshaus. Im Büro ist Schmid-Federer nur selten, da sie oft zu Hause arbeitet. Daher steht wenig im Raum mit Seesicht in Stäfa: zwei Bürotische, zwei Korpusse, zwei Orchideen und zwei Landschaftsbilder an den Wänden – und das zweite Wahlplakat. Dieses ist traditioneller: ein Foto, der ganze Name, die Partei. «Das erste Plakat war ein Erfolg», sagt Schmid-Federer. «Jeder konnte sich den Slogan merken.» Angelehnt war dieser an ihre viel gelobte Kam­pa­gne von 2007, als sie mit «Barbara is Bundeshus» als Quereinsteigerin den Sprung in den Nationalrat schaffte. «Einfach Barbara» soll sie in den Ständerat bringen.

Diesem Ziel widmet Schmid-Federer einen grossen Teil ihrer Zeit. Kaum sind ihre vier bis fünf Tageszeitungen um 6.15 Uhr im Briefkasten, studiert sie diese. Für ihre 17- und 20-jährigen Söhne bereitet sie das Frühstück zu. Bis 8.30 Uhr ist Haushalt angesagt: Wäsche waschen, falten und fürs Nachtessen einkaufen.

Fragen zur Flüchtlingskrise

Dann stehen Termine an: Das kann eine Sitzung sein mit ihrem Mann, CVP-Kantonsrat und Apotheker Lorenz Schmid, über die Strategie der Zürcher Apotheke, in deren Verwaltungsrat sie sitzt. Oder eine Fraktionssitzung in Bern. Heute ist es ein Radiointerview zum Wahlkampf. Sobald sie im Büro angekommen ist und die Post durchgesehen hat – der Altpapierbehälter füllt sich an einem Tag –, klingelt das Telefon: Eine Journalistin hat eine Frage zur Flüchtlingskrise an sie als Präsidentin des Roten Kreuzes Kanton Zürich. Das Mittagessen lässt sie ausfallen. Am frühen Nachmittag ist sie noch nicht zum Arbeiten gekommen. Eigentlich wollte sie ihr Votum vorbereiten zur Nationalratsdebatte über das bedingungslose Grundeinkommen – das sie ablehnt.

Im Alltag der 49-jährigen Männedörflerin gibt es kaum Regelmässigkeiten, ausser sie ist in Bern an der Session. Dass die Herbstsession mitten in die heisse Phase des Wahlkampfs fällt, missfällt ihr: «So landen wir Kandidaten zuoberst auf der Schwänzerliste.» Diesen September muss sie ihr Engagement im Rat wegen des Wahlkampfs auf zwei Rats­reden reduzieren. «Ich renne zwei Marathons gleichzeitig.»

Am Nachmittag findet ein Podium statt, das Kantonsschüler in Wetzikon organisieren. Im Bus dorthin sagt Schmid-Federer, sie trete gerne an Podien auf. Aber Jugendliche würden oft mit anderen Ellen messen: «Da ich für einen strengeren Jugendschutz im Internet einstehe, sehen mich Jugendliche in der Mutterrolle, die ihnen sagen will, was sie zu tun und zu lassen haben.» Vom Bahnhof Wetzikon fragt sie sich durch zur Aula der Kantonsschule. Dort nimmt sie in der Mitte des Podiums neben den jugendlichen Moderatoren Platz. Anfangs zittert ihre Stimme leicht, danach sind ihre Voten souverän und auf den Punkt gebracht.

Applaus ernten andere

Als einzige der sechs anwesenden Kandidaten liegt Schmid-Federer richtig mit ihrer Einschätzung, was das jugendliche Publikum beschäftigt: «Ich habe meine Söhne gefragt», sagt sie. «Der Jüngere sorgt sich, ob ihm trotz der Masseneinwanderungsin­itia­ti­ve an der Universität noch ein Erasmus-Semester möglich sein wird.» Die Familienpolitikerin kennt die Dossiers gut. Sympathiepunkte gewinnt sie bei den Jugendlichen aber kaum. Lacher und Applaus ernten die rechten und linken Vertreter auf dem Podium.

Spürt Schmid-Federer das Dilemma der Mitte? «Das ist kein Dilemma», sagt sie. Die CVP sei oft in der Schlüsselposition, etwa bei der Revision der Altersvorsorge. Im Rat konzentriere sie sich darauf, Mehrheitsfähiges zu finden: «Brückenbauen ist eine wunderschöne Aufgabe. Dafür wird man aber nicht als Held gefeiert.»

Ein wenig gefeiert wird sie dann doch noch: Als sie nach dem Podium beim CVP-Stand am Herbstmarkt in Meilen ankommt, gibt es ein grosses Hallo. Sie möge den Kontakt zu den Wählern, sagt sie. Auch wenn manchmal Kritik komme, etwa zu den Plakaten. Beide sind auch am Stand präsent: Das traditionelle ist aufgehängt und von ihrem Wahlgeschenk, einem Züri-Tirggel, lacht die Comic-Barbara.

Erstellt: 21.09.2015, 15:43 Uhr

Zur Person

Barbara Schmid-Fehr

Die 49-jährige Männedörflerin hat Romanistik studiert und als Mittelschullehrerin gearbeitet. Sie leitete die Dual-Career-Advice-Stelle der ETH. Die Mutter von zwei Söhnen führt heute mit ihrem Mann eine Apotheke in Zürich. Sie sitzt im Verwaltungsrat von Radio Zürisee und ist Präsidentin des Roten Kreuzes des Kantons Zürich.

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