Kaiserstuhl

Die hohe Kunst des Streitens

Am Samstag fand vor ausverkauftem Haus die erste Vorstellung von Daniel Glattauers «Die Wunderübung» statt. Veranstalter und Publikum gefiel die Geschichte rund um ein zerstrittenes Ehepaar und deren unkonventionelle Therapie.

Paartherapeut Harald versucht, das angespannte Verhältnis zwischen Joana und ihrem Ehemann Valentin zu lösen.

Paartherapeut Harald versucht, das angespannte Verhältnis zwischen Joana und ihrem Ehemann Valentin zu lösen. Bild: Christian Merz

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So wünscht sich wohl niemand eine Ehe. Wenn Joana (Susanne Kunz) und Valentin Dorek (Patric Gehrig) miteinander sprechen, dann machen sie das meist im Streit. Dies ist die Ausgangslage der Komödie des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer. Die Verfilmung kam letztes Jahr in die Kinos und liegt nun auch als Theaterstück vor. Die Kaiserbühne in Kaiserstuhl hat sich des ansprechenden Stückes angenommen und feierte am Samstag Premiere.

Eine Komödie oder doch ein Drama?

Der Autor hat die Geschichte als Komödie konzipiert und es mangelt nicht an amüsanten Auseinandersetzungen. Trotzdem möchte einem das Lachen ab und zu im Halse stecken bleiben. Die beiden Eheleute streiten sich auf hohem Niveau und keine Gehässigkeit wird ausgelassen. Dem zerstrittenen Paar helfen soll der etwas verklärt wirkende Paartherapeut Harald (Peter Niklaus Steiner), der mit seinem Outfit jedes Vorurteil gegenüber Therapeuten bestätigt, von der roter Hose bis zu den gestrickten Wollsocken. Zwar geht er die Sache wohlüberlegt an, ein Ereignis scheint dann auch ihn etwas aus der Bahn zu werfen.

Die einzelnen Szenen sind witzig und es wird viel gelacht an diesem Abend. Das Publikum lauscht dem verbalen Schlagabtausch gespannt zu. Doch scheint die Komödie sich stellenweise eher in ein Drama zu verwandeln. Die gespielten Szenen sind teilweise nicht ganz aus der Luft gegriffen, wie eine kleine Umfrage bei den Zuschauern zeigt. «Das Stück ist sehr realistisch, wenn auch überspitzt gespielt», so eine Besucherin aus Würenlingen, die regelmässig ins Theater nach Kaiserstuhl kommt. «Teilweise habe ich solche Szenen selbst erlebt…», erinnert sich ein junger Mann und wird nachdenklich.

Die Premiere fand am Samstag statt. Bild: Christian Merz

Der Zuschauerraum und die Bühne verschmelzen geradezu ineinander in der Kaiserbühne. Quasi mitten im Geschehen zu sitzen, offenbart den Besuchern jede Mimik, jede Geste der Schauspieler. Davon lebt das Stück. Fast scheinen die Gäste, zusammen mit Joana und Valentin im Therapiezimmer zu sitzen. Susanne Kunz, die auch bekannt ist durch ihre Moderationen im Fernsehen oder als Kabarettistin, zeigte eine Höchstleistung als streitfreudige Joana, die den beiden Männern nichts schuldig bleibt.

Kaiserbühne mit neuem Konzept

Hinter dem kleinen Theater im ehemaligen Amtshaus von Kaiserstuhl steht seit zwei Jahren ein Trägerverein, der die Tradition des unterhaltsamen, aber doch anspruchsvollen Theaters weiterführt. Mitglieder des Vereins sind Kulturschaffende des Stadtrates, der Amtshaus-Genossenschaft und Freunde des Theaters. Die Leitung übernahm Schauspieler Peter Niklaus Steiner, der oft selbst auf der Bühne steht, wie das aktuelle Beispiel wieder zeigt. Erfahrung bringt er zur Genüge mit, leitet er doch bereits das erfolgreiche Turbine Theater in Langnau am Albis.

«Wir sind fest verankert in der Bevölkerung», davon ist Claudia Meierhofer, zuständig für Marketing und Kommunikation, überzeugt. «Nebst den Eigenproduktionen setzen wir aber neu auch auf Gastspiele, wie beispielsweise von Bänz Friedli, der hier im Frühling sein aktuelles Programm zeigte», erzählt sie. Tatsächlich sind in der Kaiserbühne Künstlerinnen und Künstler aufgetreten, die es hier vorher nicht zu sehen gab. Dazu gehört beispielsweise auch Zauberkünstler Alex Porter oder im kommenden Januar Franz Hohler. Das Ziel sei, nebst dem Stammpublikum, auch vermehrt ein junges Publikum anzusprechen, so Claudia Meierhofer.

Die Wunderübung wird noch vom 1. November bis 31. Dezember zu sehen sein. Infos und Tickets auf www.kaiserbuehne.com über das Sekretariat Tel: 044 858 28 63 oder Mail: info@kaiserbuehne.ch

Erstellt: 20.10.2019, 15:22 Uhr

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