Elgg

«Die Jagdhunde sollen die Säue anbellen und belästigen»

Seit einer Woche ist das Wildschweingatter bei Elgg in Betrieb. Hier lassen künftig Jäger aus der ganzen Schweiz ihre Hunde ausbilden.

Der Hund soll das Schwarzwild anbellen, wenn die Säue reagieren, soll er aber zurückweichen.


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Malix, der bayrische Gebirgsschweisshund, sitzt brav zu Füssen seines Herrchens und schaut in die Journalistengruppe, die sich im Elgger Wald versammelt hat. Zwischendurch winselt er und lässt sich kraulen. Als sich die Gruppe dem Wildschweingehege nähert und Gattermeister Jürg Rengel die Bachen Zwick und Zwack in den sogenannten Welpenkorridor einlässt, ist es mit dem entspannten Warten vorbei. In zwei grossen Sätzen ist Malix am Zaun, bellt und verfolgt die Wildsäue. Diese weichen etwas zurück, bleiben aber in der Nähe und ergreifen nicht gänzlich die Flucht.

«Genau das wollen wir»

«Das ist genau das Verhalten, das wir bei Jagdhunden haben wollen», erklärt Rengel. Er und 14 weitere ausgebildete Gattermeister sind zuständig für das erste Wildschweingatter der Schweiz. Seit einer Woche ist die Übungsanlage eröffnet, hier sollen Hunde für die Jagd ausgebildet werden. Das Interesse am Gehege sei gross, sagt Urs Philipp, Leiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung: «Das ist verständlich angesichts der Vorgeschichte mit teils heftiger Opposition.» Als das Projekt 2017 angekündigt wurde, gab es Stimmen aus der Bevölkerung, die es als «Wildschwein-Guantanamo» bezeichneten. Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz sagte damals, man lehne die Anlage ebenfalls ab. Allerdings weil man generell gegen Treibjagden mit Hunden sei: «Würden im Wildschweingatter nur Hunde für die Nachsuche ausgebildet, würden wir das Projekt unterstützen.»

«Sie sollen die Säue in Bewegung bringen, sie anbellen und ein wenig belästigen. Aber keinen Kontakt herstellen»
Jürg Rengel, Gattermeister

Der Gemeinderat von Elgg beschloss daraufhin, den Entscheid bis nach der kantonalen Abstimmung über die Initiative «Wildhüter statt Jäger» im Herbst 2018 zu vertagen. Diese hätte unter anderem Treibjagden verbieten wollen. Das Zürcher Volk sprach sich jedoch für die bisherige Jagd aus und so führte der Kanton das Projekt Wildschweingatter weiter. Anfang 2019 begann der Aufbau des Geheges, das insgesamt sechs Hektaren gross ist. Drei Kilometer lang sind die doppelten Zäune, die es umschliessen.

Der Hund soll bellen, sobald das Schwarzwild jedoch reagiert, sollte er zurückweichen. Bild: mad

Im April zogen elf junge Wildschweine aus verschiedenen Schweizer Zoos ein – zehn Bachen und ein Keiler. Sie bewohnen das Gatter, das in vier Bereiche unterteilt ist: ein Ruhegatter, die Übungsgatter eins und zwei sowie das Stöbergatter, in dem die Jagdhunde abschliessend auf ihre Eignung getestet werden.

Entlang des Welpenkorridors findet durch den Zaun der erste Kontakt zwischen Wildschweinen und Hunden statt. Rengel erklärt, dass sich hier jeweils schon viel beobachten lasse: «Malix bellt zwar, wedelt aber auch mit dem Schwanz. Er ist also aufmerksam, aber nicht verängstigt.» So müsse das sein. In weiteren Phasen werden die Hunde erst angeleint und später frei in die Gatter gelassen, wo sie das Stöbern und die Nachsuche üben. «Sie sollen die Säue in Bewegung bringen, sie anbellen und ein wenig belästigen. Aber keinen Kontakt herstellen», sagt Rengel. Dabei geben sie kontinuierlich «Spurlaute» oder «Standlaute» von sich, zeigen also durch Bellen den Jägern an, wo sich die Wildschweine befinden.

«Überscharf» fällt durch

Ein Ausschlusskriterium sei, wenn ein Hund starke Aversionen gegen die Wildschweine zeige, also «überscharf» sei, sagt Rengel: «Dann brechen wir die Übung ab.» 60 bis 70 Prozent der Hunde seien gut geeignet.

Verantwortlich für den Betrieb ist ein eigens gegründeter Verein, der das Gatter im Baurecht vom Kanton pachtet und mit Übungsgebühren und Mitgliederbeiträgen kostendeckend führt. Maximal 24 Hunde pro Tag würden von März bis Oktober darin geschult. «Die Anlage entspricht allen rechtlichen Grundlagen und übertrifft die internationalen Standards teilweise deutlich», betonte Jagdverwalter Urs Philipp. Sie sei absolut tierschutzgerecht und die Hunde müssten von Gesetzes wegen ausgebildet werden. Ohne sie seien Treibjagden im Kanton Zürich nicht möglich.

Erstellt: 11.07.2019, 15:24 Uhr

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