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«Die KESB trifft keine Schuld»

Mike K., der Vater der getöteten Kinder von Flaach, wurde heute wegen Betrügereien vom Gericht Weinfelden zu 42 Monaten Haft verurteilt. Im Plädoyer äusserte er sich auch zum Fall Flaach.

Hier steht der Mann heute vor Gericht: Am Bezirksgericht Weinfelden.
Hier steht der Mann heute vor Gericht: Am Bezirksgericht Weinfelden.
Keystone

Das Verdikt steht fest: Mike K. wurde heute Nachmittag vom Bezirksgericht Weinfelden zu 42 Monaten Haft unbedingt verurteilt. Der heute 30-Jährige, dessen Frau Anfang 2015 in Flaach ihre beiden Kinder und später im Gefängnis sich selbst tötete, stand wegen gewerbsmässigem Betrug und weiterer Delikte vor Gericht. Dabei werden dem Mann die Zeit, die er in U-Haft und dem vorzeitigen Strafvollzug, wo er seit Januar 2015 ist, angerechnet.

Trotzdem, dass die Verhandlung im abgekürzten Verfahren geführt wird, wurde der Mann vor Gericht befragt. Dabei machte der Mann einige brisante Aussagen. So gab er an, Anlass für seine Betrügereien sei seine Frau gewesen. Er habe mit seinen Vermögensdelikten ihren hohen Ansprüchen an den Lebensstandard gerecht werden wollen. Denn in der Zeit vor der Verhaftung sei er immer mehr unter Druck seiner Frau geraten, sagte der gelernte Verkäufer. Sein Einkommen reichte hinten und vorne nicht, sie wollte immer mehr - ein grössere Wohnung, ein eigenes Haus. Und sie habe ihm gedroht, die Kinder werde er nie mehr sehen, wenn er ihr die Wünsche nicht erfülle. Weiter wurde vor Gericht bekannt, dass seine Frau, als sie im November 2014 aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, eine aussereheliche Affäre hatte.

Zu Recht vor den Schranken

Mike K., der sich heute vor Gericht abgeklärt und nicht als gebrochener Mann zeigte, entlastete zudem die KESB. Äusserte er sich früher in einem Interview kritisch und gegenüber der Behörde und wollte sie anklagen, so sagte er heute, die KESB treffe keine Schuld an der Tragödie. Zur Kindstötung selbst wurde der Mann heute vor Gericht nicht befragt. In der Anklageschrift kommt der Fall denn auch nur am Rande vor.

Er stehe zu Recht vor Schranken, sagte der Beschuldigte, der im abgekürzten Verfahren sämtliche Vorwürfe anerkannte. Er werde alles dransetzen, dass sich «ein solch negativer Lebensabschnitt nicht wiederholt». Bei den Dutzenden Geschädigten entschuldigte er sich und versprach, alles zu tun, um ihnen ihr Geld zurückzuzahlen.

Chance auf ein neues Leben jäh zerstört

Der Schweizer und seine Frau, Eltern von zwei kleinen Kindern, waren am 4. November 2014 verhaftet worden. Er sei froh gewesen darum, sagte der Beschuldigte. Von der Verhaftung versprach er sich ein Aufwachen aus dem realitätsfernen Leben, in das die Familie zusehends geglitten war. Sie sollte die Chance zu einem neuen Leben sein.

Stattdessen verübte seine aus der Untersuchungshaft entlassene Frau «die monströse Tat»: Am 1. Januar 2015 erstickte sie die beiden gemeinsamen Kinder, die zu jener Zeit in einem Heim untergebracht waren und die Festtage mit der Mutter hatten verbringen dürfen.

Die KESB treffe keine Schuld, betonte der Beschuldigte. Die Behörden waren im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt heftig angegriffen worden. Auch eine Untersuchung, die sie weit gehend entlastete - es habe an der Kommunikation gehapert, wurde festgestellt - konnte die Anfeindungen nicht ganz zum Verstummen bringen.

Bezug zur Realität verloren

Der Gerichtspsychiater diagnostizierte bei der Frau später eine ernsthafte Persönlichkeitsstörung, namentlich einen instabilen Realitätsbezug. Er selbst sei immer mehr auch in diese Relitätsferne hineingerutscht, begründete der Schweizer seine Delikte.

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