Wetter

Dieser Januar war eher ein März

Der Januar 2018 wird als Rekordmonat in die Klimageschichte eingehen. Noch nie war es seit Messbeginn so warm. Das gilt allerdings vor allem fürs Flachland.

Die Vegetation ist ihrem Zeitplan teilweise bis zu 25 Tage voraus – Schuld ist der extrem milde Januar.

Die Vegetation ist ihrem Zeitplan teilweise bis zu 25 Tage voraus – Schuld ist der extrem milde Januar. Bild: Keystone

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Normalerweise blühen Haselsträucher irgendwann zwischen Februar und März. Nicht so in diesem Jahr. Bereits Anfang Januar gab es an den Büschen vielerorts die typischen, weissen Haselkätzchen zu sehen. Ab Mitte Januar begannen dann auch Frühlingsblumen zu spriessen.

Die Vegetation reagierte damit auf einen ungewöhnlich warmen Januar. Wie Stephan Bader, Klimatologe von Meteoschweiz auf Anfrage sagt, resultiert für den Januar im hiesigen Flachland ein Wärmeüberschuss von 4,5 bis knapp 5 Grad im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt.

Ein «normaler» Januar bringt es in Kloten auf eine Tages-Durchschnittstemperatur von 0,2 Grad. In diesem Jahr kommt der Januar hingegen auf eines Schnitt von 4,9 Grad – ein bisher an dieser Stelle noch nie verzeichneter Wert, der eher in den März gehört. Und was für Kloten gilt, gilt auch für Winterthur, Zürich, Wädenswil oder Rapperswil-Jona. «So wie es aussieht, wird das landesweit der wärmste Januar seit Messbeginn 1864», sagt Klimatologe Bader.

Weniger extrem ist der Wärmeüberschuss in den Berglagen. Auf dem Säntis zum Beispiel resultiert für den Januar eine Tages-Durchschnittstemperatur von -5,3 Grad. Die Abweichung zur Norm beträgt hier «nur» +1,6 Grad. Das ist allerdings typisch für derart stürmische und turbulente Monate.

Westwind bringt milde Luftmassen

Verantwortlich für die aussergewöhnliche Wärme war die Tatsache, dass die Schweiz im Januar praktisch ausschliesslich unter dem Einfluss von sehr milden Luftmassen aus westlicher oder südwestlicher Richtung stand. Das Wetter war oft stürmisch: Am 3. Januar brachte Sturm «Burglind» im Flachland Orkanböen und vom 16. bis am 22. Januar jagte eine ganze Serie von Stürmen über das Land. Kalte und winterliche Wetterphasen gab es keine – dazu muss die Luft aus Norden oder Osten kommen.

Frost war in den tiefen Lagen der Region eine Ausnahmeerscheinung. Nur vereinzelt sank die Temperatur während den Nächten kurz unter den Gefrierpunkt. Eistage, also Tage, an denen das Thermometer während 24 Stunden nicht über null Grad klettert, gab es überhaupt keine.

Das ist ungewöhnlich: Im langjährigen Schnitt muss im hiesigen Flachland im Januar mit über 20 Frosttagen und etwa 10 Eistagen gerechnet werden. Damit steht der Januar 2018 übrigens in einem markanten Gegensatz zum letztjährigen Januar. Damals gab es 16 Eistage, was den Januar 2017 zum kältesten seit mehr als 30 Jahren machte.

Winter nimmt nochmals Anlauf

Die milden Temperaturen werden gemäss den Meteorologen noch bis Mitte dieser Woche anhalten. Dann holt der Winter einen neuen Anlauf. Am Donnerstag bringt eine Kalfront windiges und kühleres Wetter. Die Schneefallgrenze sinkt im Grossraum Zürich bis auf etwa 400 Meter ab.

In der kommenden Woche könnte sich dann – zum ersten Mal – eine winterlich-kalte Ostlage einstellen. Allerdings ist das noch keineswegs sicher. Prognosen über einen Zeitraum von mehr als fünf Tagen hinweg sind mit Unsicherheiten behaftet.

Die spriessenden Frühlingsblumen blieben auch Twitter-Nutzerin Barbara Schaffner nicht verborgen.

Erstellt: 30.01.2018, 12:45 Uhr

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