Angeklagt

Er soll Axa-Kunstschätze veruntreut haben

Nächste Woche steht der ehemalige Kurator der Axa-Versicherung vor Gericht, weil er Dutzende Gemälde aus Firmenbesitz verkauft und die 850 000 Franken Erlös für sich behalten hat. Auch das IKRK und Private soll er bestohlen haben.

Diese Sommerlandschaft von Cuno Amiet aus dem Axa-Fundus brachte dem Angeklagten 33 000 Franken ein.

Diese Sommerlandschaft von Cuno Amiet aus dem Axa-Fundus brachte dem Angeklagten 33 000 Franken ein. Bild: PD

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Die Anklageschrift liest sich wie eine kurze Kunstgeschichte: 165 Kunstwerke aus verschiedenen Epochen und von ganz unterschiedlichen Künstlern sind darin aufgelistet. Von Amiet bis Armleder, von Bill bis Beuys, von Schoellhorn bis Spescha. Sie alle gingen durch die Hände jenes heute 51-Jährigen, der 2006 bei der Axa begann, die Kunstsammlung der Versicherungsfirma zu inventarisieren und zu pflegen.Ein Jahr später wurde er offiziell als Kunstkurator angestellt. Und nächste Woche steht er vor dem Bezirksgericht Winterthur. Denn, so sieht es der Staatsanwalt, der kunstaffine Jurist soll Kunstwerke aus dem Axa-Firmenbesitz auf eigene Faust verkauft und den Gewinn selber einkassiert haben. Die ersten Verkäufe datieren vom Mai 2007, die letzten von 2015. Der Verkaufserlös beträgt laut Anklageschrift insgesamt 848 000 Franken.

Der Angeklagte stiess laut Anklageschrift kaum auf Hindernisse: Er nahm eines oder mehrere Werke mit aus den Räumlichkeiten der Axa und übergab es einem Auktionshaus oder oft auch einem Zürcher Kunsthändler. Dieser sagt auf Anfrage, er habe nie an der Rechtmässigkeit des Tuns seines Gegenübers gezweifelt. Er sei selber hin und wieder in Winterthur am Axa-Sitz gewesen und sei durchs Depot geführt worden. Der Angeklagte habe ihm dort auch seine Chefin vorgestellt und sei im Ganzen eher bescheiden aufgetreten, nicht protzend. Warum flog die ganze Geschichte nicht früher auf? «Wenn Sie mich fragen, hatten die bei der Axa einfach ein Riesendurcheinander», sagt der Kunsthändler.

Sammler und IKRK geschädigt

Der damalige Axa-Kunstkurator gründete zu jener Zeit auch eine eigene Firma mit Sitz in Winterthur, die Privaten Expertisen, Schadenanalysen und Verkäufe von Kunstwerken anbot. Er soll laut Anklage auch eine Frau aus dem Kanton Freiburg bestohlen und ihre Bilder verkauft haben, Werke von Max Beckmann, Erich Heckel und Joseph Beuys. Einer weiteren «Kundin» nahm er aus einem Nachlass Druckgrafiken ab von Dalí, Kokoschka, Henry Moore, Max Bill und Hans Erni. Und ein Kunde verlor auf ähnliche Weise ein Aquarell von Albert Anker sowie weitere Werke. Die Schadensumme all dieser Fälle beträgt rund 175 000 Franken.

Schliesslich erwähnt die Anklage auch drei Gemälde, die dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes gehörten und die der Angeklagte via Axa für eine Restauration hätte vorbereiten sollen. Das war im Sommer 2014. Er restaurierte aber nichts, sondern verkaufte auch diese Bilder und behielt die 110 000 Franken. Diese Werke, sagt ein Insider, seien mittlerweile wieder beim IKRK.

Irgendwann musste dieser faule Kunsthandel auffliegen; am 16. März 2016, morgens um sechs, war es so weit. Die Polizei verhaftete den Mann. Fast vier Monate blieb er in der Folge in Haft.

Diebstahl und Veruntreuung

Die Untersuchung zeigte dann, wozu der unredliche Kunsthändler das verdiente Geld verwendete. Laut Anklageschrift brauchte er die gut 1,1 Millionen Franken für seinen Lebensunterhalt sowie um bestehende Schulden zu tilgen, private und solche, die durch seine Firma entstanden. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass er den Handel mit Kunstobjekten wie einen Beruf ausübte, die Anklage lautet auf gewerbsmässigen Diebstahl und mehrfache Veruntreuung. Zusätzlich soll er auch die Geschäfte seiner eigenen Firma ordnungswidrig geführt haben, ohne Buchhaltung. Doch das wird im Ganzen wohl kaum allzu sehr ins Gewicht fallen.

Er soll bestraft werden mit vier Jahren Gefängnis. Während dieser Zeit soll er sich einer ambulanten Behandlung unterziehen müssen. Das deutet darauf hin, dass ein Gutachten wohl eine psychische Störung beim Täter zeigt. (Landbote)

Erstellt: 21.11.2018, 09:32 Uhr

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