Winterthur

«Ein Austritt vor der Wahl wäre ehrlicher gewesen»

Die lokale SP-Co-Präsidentin und Nationalrätin Mattea Meyer wirft Chantal Galladé Irreführung der Wähler vor. Die SP verzichtet aber auf Rücktrittsforderungen.

SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer hat aus den Medien erfahren, dass Chantal Galladé zur GLP wechselt.

SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer hat aus den Medien erfahren, dass Chantal Galladé zur GLP wechselt. Bild: Madeleine Schoder

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Sie sind jahrelang mit Chantal Galladé im Nationalrat gesessen. Wann haben Sie von Ihrem Parteiaustritt erfahren?
Mattea Meyer: Am Dienstagabend, wenige Minuten vor der Veröffentlichung des Interviews im Tages-Anzeiger. Chantal Galladé hat uns als Co-Präsidium per Mail über den Parteiaustritt informiert, ohne Angabe von Gründen. Dass sie zur GLP wechselt, haben wir aus den Medien erfahren.

Wie haben Sie, wie hat die lokale SP reagiert?
Chantal Galladé kann auf eine 20-jährige Karriere zurückblicken, in der sie immer von der SP unterstützt wurde. Zuletzt wurde sie für die SP als Schulpflegepräsidentin gewählt. Dass sie uns nach dieser Wahl den Rücken kehrt, ist eine grosse Enttäuschung für unsere Mitglieder und all die Menschen, die für sie auf der Strasse gestanden und für sie geworben haben. Das spüren wir auch in den Rückmeldungen, die wir erhalten. Es wäre ehrlicher gewesen, den Austritt vor der Schulpflegepräsidiumswahl zu geben. Die Stimmberechtigten haben sie im Glauben gewählt, sie wählten eine SP-Schulpflegepräsidentin.

Chantal Galladé sagt, sie wäre sowieso gewählt worden.
Fakt ist, dass die GLP unsere Kandidaten unterstützt hat und wir ihre Kandidatin, was die Wahl aller drei ermöglicht hat. Wir hatten intern andere starke Bewerberinnen und Bewerber, die zu Gunsten von Chantal Galladé zurückgestanden sind. Und eben: Sie ist als SP-Frau nominiert worden.

«Dass uns Chantal Galladé nach der Wahl zur Schulpflegepräsidentin den Rücken kehrt, ist eine grosse Enttäuschung.»Mattea Meyer

Als Grund für Ihren Parteiaustritt nennt Chantal Galladé die Haltung der SP zum Rahmenabkommen. Glauben Sie Ihr das, oder steckt hinter dem Entscheid auch das Kalkül, die politische Karriere bei der GLP mit besseren Chancen weiterzuführen?
Jeder, der einer Partei angehört, kennt es, nicht immer mit der Parteimeinung überein zu stimmen. Wir sehen diese inhaltliche Auseinandersetzung als Stärke. Offensichtlich kommt Chantal Galladé zum Schluss, dass sie ihre persönlichen Karriereziele innerhalb der GLP besser weiterverfolgen kann.

Nach der Wahl in das lukrative Amt als Schulpflegerin erfolgt der Parteiwechsel ohne Risiko. Oder werden Sie sie jetzt zur zum Rücktritt auffordern?
Wir haben Sie im Glauben nominiert, dass sie als Schulpflegepräsidentin eine SP-Bildungspolitik vertritt. Für diese Irreführung der Wählerinnen und Wähler muss sie sich selber rechtfertigen. Zum Rücktritt auffordern werden wir sie nicht.

«Offensichtlich kommt Chantal Galladé zum Schluss, dass sie ihre persönlichen Karriereziele innerhalb der GLP besser weiterverfolgen kann.»Mattea Meyer

Hat die SP einen Mangel an Diskussionskultur, wie ihn Chantal Galladé der Partei unterstellt?
Ich erlebe im Gegenteil eine diskussionsfreudige SP. Aber man muss auch bereit sein, sich dieser parteiinternen Debatte zu stellen. Das gilt auch in der Europapolitik. Es braucht ein Rahmenabkommen. Aber dieses ist bei der Bevölkerung nur mehrheitsfähig, wenn der Lohnschutz garantiert ist. Wir suchen konstruktiv nach mehrheitsfähigen Vorschlägen.

Wie gross ist Ihre Sorge, dass sich auch Nicolas Galladé zur GLP absetzt?
(lacht) Die Sorge habe ich nicht. Nicolas Galladé ist bestens verankert bei uns und wird für seine Arbeit sehr geschätzt.

Erstellt: 27.02.2019, 13:33 Uhr

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