Winterthur

Ein Schuldspruch – kurz vor der Wiederwahl

Das erstinstanzliche Urteil gegen Heinrich Schifferle kommt, just vier Wochen bevor er als Präsident der Swiss Football League wiedergewählt werden soll. Halten die Fussballclubs zu ihm?

Heinrich Schifferle: Das Bezirksgericht hat den Ex-Siska-Chef in vielen, aber nicht in sämtlichen Punkten freigesprochen.

Heinrich Schifferle: Das Bezirksgericht hat den Ex-Siska-Chef in vielen, aber nicht in sämtlichen Punkten freigesprochen. Bild: Keystone

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Unangenehm für die Swiss Football League ist der Rechtsstreit, in den ihr Präsident Heinrich Schifferle verwickelt ist, ohnehin. Nun kommt das Urteil des Winterthurer Bezirksgerichts auch noch zu einem ungelegenen Zeitpunkt. In vier Wochen, am 22. November, versammeln sich die Delegierten der 20 Fussballvereine aus Super League und Challenge League, um das Präsidium neu zu wählen. Sie müssen dann darüber entscheiden, ob der erstinstanzlich verurteilte Schifferle als Präsident der zwei höchsten Schweizer Fussballligen noch tragbar ist.

«Das Urteil wird an der Versammlung für Diskussionen sorgen.»Mike Keller, Vizepräsident FC Winterthur

Bisher ist nicht abzuschätzen, wie das noch nicht rechtskräftige Urteil die Position des 66-Jährigen belasten wird. Einerseits stehen die Vorwürfe der Immobilienfirma Siska gegen ihren ehemaligen Geschäftsleiter Schifferle in keinem Zusammenhang mit dessen Fussball-Mandat. Anderseits gibt es zeitliche Überschneidungen: Der Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgungen betrifft auch die Zeit nach Schifferles Amtsantritt als Liga-Präsident Ende 2011.

Bisher unumstritten

Seit dieser Wahl steht Schifferle unangefochten an der Spitze des neunköpfigen Komitees, das eine verwaltungsratsähnliche Kontrollfunktion über die als Verein organisierte Swiss Football League hat. An den alljährlichen Generalversammlungen wurde der Winterthurer jeweils konkurrenzlos wiedergewählt.

Der CEO der Swiss Football League, Claudius Schäfer, kommentierte den Gerichtsentscheid gestern nicht. Liga-Sprecher Philippe Guggisberg sagte auf Anfrage lediglich, dass man das Urteil zur Kenntnis nehme. Weiter wolle er sich nicht äussern, weil es sich um ein erstinstanzliches Urteil handle. Gemäss dem Sprecher hat Schifferle an den Sitzungen des Komitees offen über die juristischen Vorgänge kommuniziert. Eine nächste Sitzung wird das Komitee noch vor der Generalversammlung abhalten. Ob Schifferles Verurteilung traktandiert ist, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Rückendeckung vom FCW

Schifferle war während Jahren Vorstandsmitglied beim FC Winterthur. Der heutige FCW-Vizepräsident Mike Keller geht nicht von einem grossen Imageschaden für Schifferle aus: «Selbstverständlich bleibt immer etwas haften, wenn man öffentlich vor Gericht steht – ob zu Recht oder zu Unrecht. Vor dem Hintergrund des geringen Ausmasses des Vergehens glaube ich aber nicht, dass Heinrich Schifferle im Amt als Präsident gefährdet ist.»

Keller verweist darauf, dass die zunächst zahlreichen Anschuldigungen sich grossteils nicht erhärten liessen. «Jetzt bleibt ein Schuldspruch in zwei Punkten», sagt Keller. «Ohne die Details zu kennen, habe ich den Eindruck, dass hier der Berg eine Maus geboren hat.» Keller geht zwar davon aus, dass das Urteil vor den Wahlen an der Generalversammlung für Diskussionen sorgen wird. Doch für ihn stehe fest: «Mit meinem heutigen Wissensstand sehe ich keinen Grund, Heinrich Schifferle meine Stimme zu entziehen.»

Erstellt: 25.10.2019, 09:05 Uhr

Zweimal schuldig, fünfmal freigesprochen

Heinrich Schifferle hat sich bei seinem Ex-Arbeitgeber Siska Immobilien in zwei Fällen der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gemacht. In fünf Punkten spricht ihn das Bezirksgericht Winterthur frei. Die Streitparteien äusserten sich gestern nicht zum Urteil. Schifferles Anwalt sagte, man werde die schriftliche Urteilsbegründung abwarten.

Schifferle erhält eine bedingte Geldstrafe in Höhe von 144'000 Franken bei einer dreijährigen Probezeit. Der Klägerin Siska muss er einen Schadenersatz von 9000 Franken sowie eine Entschädigung von 12000 Franken bezahlen. Andererseits bekommt er aus der Gerichtskasse 72'000 Franken als Entschädigung für seine anwaltliche Verteidigung. (jig)

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