Winterthur

Eine Bankfiliale wie ein WG-Wohnzimmer

Die UBS will mit einem Pilotprojekt für Studierende in Winterthur herausfinden, wie Bankfilialen in Zukunft aussehen und funktionieren sollen. Mit einer herkömmlichen Filiale hat der «Concept Space» am Bahnhofplatz wenig zu tun.

Roger von Mentlen in der  ungewohnten UBS-Filiale.

Roger von Mentlen in der ungewohnten UBS-Filiale. Bild: Madeleine Schoder

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Die UBS eröffnet in der Stadt Winterthur heute eine neue Filiale – existieren wird das Angebot, das sich an Studierende richtet, bis Ende Januar 2018. Der UBS Concept Space am Bahnhofplatz funktioniert nach dem Schema der Pop-Up-Stores: Diese nutzen zwischenzeitlich leerstehende Geschäftsräumlichkeiten an guten Lagen für einige Wochen oder Monate und verschwinden danach wieder von der Bildfläche.

«Von unserem Concept Space in Winterthur erhoffen wir uns Inputs, wie ein Teil unserer Filialen zukünftig aussehen könnte», sagt Roger von Mentlen, der als Head Personal Banking der UBS Schweiz unter anderem für das Filialgeschäft an den über 300 Standorten der Grossbank verantwortlich ist.

WLAN, Kaffeemaschine, Arbeitsplätze und Sofas

Mit einer gewöhnlichen Bankfiliale hat der Concept Space wenig zu tun: Es gibt keine Schalter, nicht einmal Bancomaten und nur wenige Mitarbeitende. Am meisten Platz beanspruchen die rund 30 Arbeitsplätze, die den Besucherinnen und Besuchern zur Verfügung stehen. Diese sollen unter anderem Studierende der direkt gegenüberliegenden ZHAW anlocken, die dort für sich alleine oder in kleinen Gruppen arbeiten können.

 «Uns interessiert, welche Erwartungen junge Leute an zukünftige Bankfilialen haben.» 

Es gibt WLAN, Wasser und Kaffee, neben Tischen und Stühlen lädt eine Lounge-Ecke zum Verweilen ein. Ein bis zwei UBS-Mitarbeiter vor Ort werden versuchen, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. «Uns interessiert, welche Erwartungen gerade junge Leute an zukünftige Bankfilialen haben. Sind sie beispielsweise bereit, ein Konto an einer Remotestation zu eröffnen, statt an einem Schalter?», fragt von Mentlen. Im Concept Space präsentiert die Grossbank ihre digitalen Angebote.

Die Filialnetze der Banken stehen unter Kostendruck. Auch die UBS hat in den vergangenen Jahren einzelne kleinere Standort geschlossen. Weitere dürften folgen. «Letztendlich entscheiden die Kunden, wieviele Filialen wir haben und was dort angeboten wird», sagt von Mentlen. Früher seien die Filialen beispielsweise häufig genutzt worden, um die Einzahlungsscheine abzugeben.

Heute erledige ein grosser Teil der Kundschaft das per e-Banking von zu Hause aus selber. Auch die Zahl der Bargeldbezüge am Schalter sei stark gesunken. «Trotzdem bieten wir diese Dienstleistung in allen Filialen an. Erst vor kurzem haben wir in 10 Filialen einen Versuch gestartet, bei dem es Bargeld nur noch am Bancomat gibt», sagt von Mentlen.

Wenn’s kompliziert wird, brauchts das Gespräch

Zumindest an den grösseren Filialen will man jedoch festhalten. «Die klassischen, grösseren Niederlassungen an den guten Standorten wird es wohl noch lange geben. Dort bieten wir auch Dienstleistungen für Wealth Management- und Firmenkunden an».

Das hat auch damit zu tun, dass sich nicht alle finanziellen Belange per Telefon, Internet oder am Automaten erledigen lassen. «Wir stellen fest, dass ein grosser Teil der Kundschaft vor allem anspruchsvollere Beratungen nicht über einen elektronischen Kanal tätigen möchte. Dabei geht es beispielsweise um Hypotheken, Anlageberatung oder das Ausarbeiten einer Pensionierungslösung.»

Aber auch in solchen Fällen ist das Gespräch unter vier Augen gemeinsam im selben Raum nicht die einzige Möglichkeit: «In der Filiale in Effretikon beispielsweise bieten wir eine sogenannte Remotelösung an.

Der Kunde und sein Berater, der an einem anderen Standort ist, kommunizieren per Videoschaltung miteinander. Es können auch Unterlagen eingeblendet oder ausgetauscht werden». Betreut wird die Niederlassung in Effretikon, die an Werktagen während rund drei Stunden geöffnet ist, von einer einzelnen Person vor Ort.

Falls der «Concept Space» in Winterthur ein Erfolg wird, soll das Konzept auch an weiteren Standorten umgesetzt werden.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.10.2017, 16:49 Uhr

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