Stäfa

«Es hat gar nie Missbrauchsvorwürfe gegeben»

Die Strafanzeige gegen einen Hortmitarbeiter war nötig: Davon ist die Frau, welche den Fall publik gemacht hat nach wie vor überzeugt – obwohl sich der Mitarbeiter nichts hat zuschulden kommen lassen.

Dass die Vorwürfe gegen einen Stäfner Hortmitarbeiter publik wurden, finden nicht alle gut. (Symbolbild)

Dass die Vorwürfe gegen einen Stäfner Hortmitarbeiter publik wurden, finden nicht alle gut. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Die Missbrauchsvorwürfe gegen einen Stäfner Hort-Betreuer haben schweizweit für Aufsehen gesorgt. Auch jetzt, nachdem der beschuldigte Mitarbeiter von den happigen Vorwürfen entlastet wurde, beschäftigt das Thema nach wie vor viele. Auch Silvia Frommelt. Sie hat den Fall medial ins Rollen gebracht.

Frommelt ist Vertrauensperson einer Mitarbeiterin im Kinderhort «Mikado», welche die, inzwischen als strafrechtlich nicht relevanten, Vorfälle beobachtet hat. Die Vertrauensperson hatte der Gratiszeitung «20 Minuten» die Details – von Turnübungen, über Gespräche in abgeschlossenen Räumen, bis zur Berührung der Brüste des 12-jährigen Mädchens – geschildert. Sie hatte die Mitarbeiterin des Hortes auch ermutigt, den Mann bei der Polizei anzuzeigen.

Nun nimmt Frommelt Stellung: «Mit Erleichterung nehme ich zur Kenntnis, dass es offenbar zu keinem strafrechtlich relevanten Verhalten im Hort gekommen ist», sagt sie. Froh ist sie auch, dass Massnahmen zur Professionalisierung der schulergänzenden Kinderbetreuung eingeleitet wurde. Die Administrativuntersuchung hatte aufgezeigt, dass die Schule in diesem Bereich Nachholbedarf hat – auch weil der beschuldigte Mitarbeiter im Umgang mit Nähe und Distanz nicht immer die notwendige Sensibilität gezeigt hatte.

Strafanzeige nötig

Fragen wirft aber auch Frommelts Gang an die Medien auf. Darf man einen Fall, bei dem später klar herauskommt, dass kein strafbares Verhalten vorliegt, den Medien zuspielen? Frommelt, im Februar noch um grösste Publizität bemüht, spielt die Sache herunter: «Es hat gar nie Missbrauchsvorwürfe gegeben», schreibt sie in einer Stellungnahme. «Der betroffene Mitarbeiter wurde zu keinem Zeitpunkt beschuldigt, sich strafrechtlich relevant verhalten zu haben.»

Es habe nur eine Meldung gegeben über Verhaltensweisen eines Betreuers, welche als unangemessen beurteilt wurden. «Nachdem die Schulpflege dies ignoriert hat, wurde eine Strafanzeige eingereicht, um eine Abklärung in Gang zu bringen.» Dass das Verhalten des Betreuers unangemessen war, habe ja nun die Untersuchung gezeigt.

Unter Generalverdacht

Frommelt stört sich auch nicht daran, dass ein Mann mit den geschilderten Vorfällen explizit wegen möglicher sexueller Handlungen mit Kindern angezeigt wurde. «Es wurden zu keinem Zeitpunkt ‘unbegründete Verdachtsmomente’ geäussert, sondern es wurde das fehlbare Verhalten gemeldet im Hinblick auf allfällige weitergehende Handlungen», betont die Vertrauensperson der Stäfner Hortmitarbeiterin.

Dass sie damit einen Mitarbeiter unter Generalverdacht stellt, davon will Frommelt nichts wissen: «Es ist eine notorische Tatsache, dass häufig auf tiefer Ebene ein Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis geschaffen wird und die Übergriffe dann fortschreitend intensiver werden.» Sie stelle niemanden unter Generalverdacht, sondern weise nur darauf hin, dass solche Folgen nicht ausgeschlossen werden könnten. «In der Kinderbetreuung steht nicht die Frage nach der allfälligen Justiziabilität im Vordergrund, sondern der Schutz der Kinder», meint Frommelt, die selber eine Kindertagesstätte leitet.

Hoffen auf Fairness

Frommelt hofft, dass die Mitarbeiterin, welche die Beobachtungen meldete, «mit der nötigen Achtung für ihr entschlossenes Handeln zum Schutz der Kinder bedacht wird». Sie befürchtet, dass «sie wegen ihres Verhaltens unkorrekt behandelt werden.»

Die Schule Stäfa lässt ihrerseits offen, ob die massiven Vorwürfe an den Hortmitarbeiter für seine Arbeitskollegin Folgen hat. Geplant sei derzeit nichts, sagte Schulpräsidentin Cristina Würsten (FDP) bereits am Freitag. Man wolle ein Gespräch führen, um auch deren Befindlichkeit nach Abschluss der Untersuchungen abzuholen.

Erstellt: 15.04.2019, 16:46 Uhr

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