Fusion

ETH-Rat plant Institut der «Weltklasse»

Die beiden Bundes-Forschungsanstalten Eawag und WSL sollen fusioniert werden, um die Umwelt- und Klimaforschung zu stärken. Betroffen sind rund 1000 Mitarbeitende. Die Standorte sollen aber bleiben.

Forschungsobjekt des Instituts für Wald, Schnee und Landschaft: Ein uraltes Stück Holz kommt unter die Lupe.

Forschungsobjekt des Instituts für Wald, Schnee und Landschaft: Ein uraltes Stück Holz kommt unter die Lupe. Bild: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ende September hat der ETH-Rat einen weitreichenden Beschluss gefasst, der gestern per Indiskretion vorzeitig bekannt geworden ist. Er will die beiden Forschungsanstalten Eawag (Dübendorf) und WSL (Birmensdorf) zusammenlegen. Im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit solle «ein Institut von Weltklasseformat» entstehen, bestätigt Gian Casutt, Sprecher des ETH-Rates, einen Bericht in der Ausgabe des «Blicks» vom Mittwoch. «Swiss Federal Institute of Technology for Environment and Sustainability» (SITES) lautet der Arbeitstitel des neuen Instituts.

Es gelte, Lösungen zu finden für die «drängendsten Probleme wie Klimawandel, erneuerbare Energien und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen», begründet der ETH-Rat auf Anfrage das Vorhaben. Mit einer Bündelung der Kräfte gelinge dies besser. Eine Fusion biete zudem die Chance, «die Strahlkraft, internationale Sichtbarkeit und strategische Positionierung» der Institution zu stärken.

170 Millionen Gesamtbudget

Von der Fusion der beiden Forschungsanstalten des Bundes sind rund 1000 Mitarbeitende betroffen. Die Eawag mit Forschungsschwerpunkt Wasser beschäftigt an ihrem Hauptsitz in Dübendorf rund 380 Mitarbeitende und verfügt über ein Jahresbudget von gut 80 Millionen Franken. Dazu kommen weitere rund 100 Mitarbeitende in Kastanienbaum. Am Institut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mit Hauptsitz Birmensdorf arbeiten rund 300 Leute, dazu kommen weitere rund 120 Personen Personen am Standort in Davos. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören Naturgefahren, Schnee und Eis und Wald. Das Budget des WSL umfasst rund 90 Millionen Franken.

Gibt es einen neuen gemeinsamen Standort für das geplante Weltklasseinstitut? «Das ist zur Zeit kein Thema», sagte Casutt auf Anfrage. Die beiden Standorte würden demnach beibehalten, die Forschung aber komplett neu organisiert. Laut seinen Angaben beschäftigt sich eine Taskforce des ETH-Rates bereits seit zwei Jahren mit Veränderungen innerhalb des ganzen ETH-Bereichs, zu dem die beiden Hochschulen ETH und EPFL (Lausanne) sowie die vier Forschungsanstalten PSI, WSL, Empa und Eawag gehören.

Für die meisten Mitarbeitenden von Eawag und WSL kommt die Nachricht über die Fusion aus heiterem Himmel. Nur das oberste Kader sei im Vorfeld in groben Zügen informiert worden, sagen die Kommunikationschefs der beiden Forschungsstellen. Laut Gottardo Pestalozzi, Sprecher des WSL, sind die WSL-Angestellten gestern Nachmittag aufgrund der Medienberichte ins Bild gesetzt worden. Nächste Woche will die interimistische ETH-Ratspräsidentin Beth Krasna mit den Verantwortlichen der verschiedenen Forschungsanstalten Gespräche führen.

Ausbauen statt sparen

«Nein, die Fusion ist kein Sparprojekt», beteuert der Sprecher des ETH-Rats. Entsprechende Befürchtungen äusserten Mitarbeitende in Medienberichten. Es gehe im Gegenteil darum, den Forschungsbereich Umwelt und Klima zu stärken. Bei der Fusion handle es sich auch nicht um einen streng gehüteten Geheimplan, sondern um ein Projekt, über das man zu gegebener Zeit informieren werde. Beschliessen kann der ETH-Rat in dieser Sache nichts ohne den Segen von Bundesrat und Parlament. Sobald Klarheit über das Vorhaben im Detail herrsche, gehe es darum, die entsprechende Verordnung zu erarbeiten. Dabei könnten die beiden Direktionen mitreden. Das letzte Wort zur Verordnung habe das Parlament.

CVP-Nationalrätin Kathy Riklin, die sich mit dem Thema Forschung befasst, zeigte sich überrascht über das Vorhaben, hält es aber für eine gute Idee. «Vorausgesetzt, die Fusion schwächt die Forschung nicht, sondern stärkt sie.» Erstaunt sei sie, dass der ETH-Rat unter dem Interimsregime von Beth Krasna solche Beschlüsse fasse, statt abzuwarten, bis das Gremium wieder vollständig sei. Der nächste ETH-Raspräsident heisst Michael Hengartner. Der jetzige Uni-Rektor tritt sein neues Amt im nächsten Februar an. Und steht dann vor mehr oder weniger vollendeten Tatsachen.

Erstellt: 16.10.2019, 19:20 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.