Gesundheitswesen

FDP-Kantonsrätin fordert Ärztestopp

Für Kantonsrätin Astrid Furrer ist klar: «Im Kanton Zürich gibt es zu viele Ärztinnen und Ärzte.»

Die Zahl der Arztzulassungen im Kanton Zürich hat von 2010 bis 2018 um 44,2 Prozent zugenommen.

Die Zahl der Arztzulassungen im Kanton Zürich hat von 2010 bis 2018 um 44,2 Prozent zugenommen. Bild: Keystone

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Die Kantonsräte Astrid Furrer (FDP, Wädenswil), Lorenz Habicher (SVP, Zürich) und Linda Camenisch (FDP, Wallisellen) wollten vom Regierungsrat wissen, wie sich die Zahl der zugelassenen Ärzte im Kanton Zürich zwischen 2010 und 2018 entwickelt hat. Sie erhofften sich zudem eine Aussage darüber, ob der Kanton Zürich mit Medizinern überversorgt ist und was die Regierung dagegen unternehmen will. 

Ihre Erwartung wurde enttäuscht, wie Erstunterzeichnerin Furrer auf Anfrage sagt. Doch der Reihe nach. 2010 gab es im Kanton Zürich 4305 Arztbewilligungen. Diese Zahl ist bis 2018 auf 6207 hochgeschnellt, wie der Tabelle in der regierungsrätlichen Antwort zu entnehmen ist. Das entspricht einer Steigerung von 44,2 Prozent. Etwas tiefer liegt die Wachstumsrate, wenn man lediglich die Hausärztinnen und Hausärzte betrachtet. 1899 Berufsbewilligungen im Jahr 2010 stehen deren 2552 im Jahr 2018 gegenüber. Ein Plus von 34,4 Prozent. Die Wohnbevölkerung im Kanton Zürich ist im selben Zeitraum allerdings nur um 10,6 Prozent gewachsen.

Dem Regierungsratfehlt es an Daten

Laut Regierungsrat lassen diese Zahlen jedoch keine Rückschlüsse auf die Versorgungslage im Kanton zu. «Inwiefern eine Unter- oder Überversorgung besteht, kann ohne Erhebung des Bedarfs der Bevölkerung an Leistungen nicht beurteilt werden», schreibt der Regierungsrat.

Während zur stationären Versorgung breite statistische Grundlagen vorlägen, fehlten diese für den ambulanten Bereich. Aktuell sei man daran, diese Grundlagen zu erarbeiten. Erst mit den Resultaten könne ein allfälliger Handlungsbedarf beurteilt werden.

Die Arztausbildung
im Ausland kann sehr oft
nicht mit jener
in der Schweiz
mithalten.»
Astrid Furrer?
Kantonsrätin FDP

Astrid Furrer sieht es völlig anders als die Regierung. «Die Zahl der Zulassungen von Ärztinnen und Ärzten hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen, und der Unterschied zum Bevölkerungswachstum ist derart gross, dass wir klar von einer Überversorgung ausgehen müssen.» Die Aussagen des Regierungsrats hält Furrer für «sehr mutlos». Ebenso klar ist für die FDP-Kantonsrätin, dass die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen vom Angebot getrieben ist. Je mehr Ärzte zugelassen sind, desto grösser sei die Versuchung seitens der Ärzte, Patienten unnötig zu untersuchen und zu behandeln, meint Furrer. Schliesslich wollten alle ein Einkommen erzielen. «Im Kanton Zürich gibt es zu viele Ärztinnen und Ärzte. Wir müssen dringend über einen Ärztestopp reden», fordert Furrer deshalb.

Praxis bei Zweitmeinung ändern

Selbstverständlich gibt es Faktoren, welche die Nachfrage nach zusätzlichen Medizinern in den letzten Jahren angeheizt haben. So dürfte heute die Teilzeitarbeit weiter verbreitet sein als noch 2010. Die maximal zulässige Arbeitszeit in den Spitälern wurde gesenkt. Die Medizin hat Fortschritte gemacht, was die Nachfrage ebenfalls erhöht. Und gegenüber 2010 ist der Anteil der Bevölkerung über 64 um rund ein Prozent gestiegen.

Für Furrer bieten aber alle diese Faktoren noch bei weitem keine Erklärung für das Ärzteplus von 44,2 Prozent. Neben einem Ärztestopp macht sich die FDP-Kantonsrätin für eine Praxisänderung beim Einholen von Zweitmeinungen stark. «Es darf auf keinen Fall sein, dass der Arzt oder die Ärztin, welche eine Zweitmeinung abgibt, dann den Eingriff gleich selber vornimmt.» 

Explosion der Zahlausländischer Arztdiplome

Abgesehen von der reinen Zahl der Arztbewilligungen haben sich die drei Kantonsräte nach den Personen mit ausländischem Diplom erkundigt. Deren Zahl hat sich von 384 (im Jahr 2010) auf 1744 (2018) erhöht; eine Steigerung um 354 Prozent.

Astrid Furrer äussert gleich in mehrfacher Hinsicht Bedenken. Dazu zählt sie die Qualität der Ausbildung. «Die Arztausbildung im Ausland kann sehr oft nicht mit jener in der Schweiz mithalten», sagt Furrer. Problematisch sei insbesondere, wenn Ärzte Behandlungen vornähmen, ohne über den nötigen Facharzttitel mit Schweizer Standards zu verfügen. Im stationären Bereich lasse sich das vielleicht noch einigermassen kontrollieren. Was die ambulanten Leistungen angehe, sei das deutlich schwieriger.

Sie verstehe, dass ausländische Ärztinnen und Ärzte gerne in der Schweiz arbeiten würden. «Schliesslich verdienen sie bei uns mehr und haben bessere Arbeitsbedingungen», sagt Furrer. Es sei aber widersinnig, wenn man in der Schweiz mit dem Numerus clausus eine Studienbeschränkung habe und gleichzeitig Mediziner aus dem Ausland importiere.

Letztlich sei das auch gegenüber den Herkunftsstaaten problematisch. Diese würden viel Geld in die Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte investieren, welche – kaum ausgebildet – ihrem Land den Rücken kehrten.

Erstellt: 30.08.2019, 19:10 Uhr

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