Winterthur

Galladé sagt sich von der SP los

Die Sozialdemokraten seien ihr zu ideologisch geworden, sagt Chantal Galladé. Die langjährige Nationalrätin und heutige Kreisschulpflegepräsidentin wechselt zur GLP.

Macht nach 30 Jahren Schluss mit der SP: die Winterthurerin Chantal Galladé ist nun eine Grünliberale.

Macht nach 30 Jahren Schluss mit der SP: die Winterthurerin Chantal Galladé ist nun eine Grünliberale. Bild: elo

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30 Jahre lang war die SP die selbstverständliche politische Heimat von Chantal Galladé (46). Nun ist Schluss. Die 46-jährige Winterthurerin, die von 2003 bis 2018 für die SP im Nationalrat sass, und letztes Jahr für die SP zur Präsidentin der Kreisschulpflege Stadt/Töss gewählt wurde, wechselt zur GLP.

Den Ausschlag geben habe das Rahmenabkommen mit der EU gegeben, sagt Galladé in einem heute erschienenen Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Es stehe zu viel auf dem Spiel, als dass es sich eine Partei leisten könnte, stur auf einen ideologischen Kurs zu verharren. Eben dies aber wirft Galladé der SP vor, die sich im Schlepptau der Gewerkschaften gegen den Rahmenvertrag gestellt habe.

Wie aus dem Korsett befreit

Galladé, die bisher wie Ständerat Daniel Jositsch und Ständerätin Pascale Bruderer oder die Winterthurer Finanzvorsteherin Yvonne Beutler dem sozialliberalen Flügel der SP angehörte und sich in der sogenanannten reformorientierten Plattform engagierte, distanziert sich indirekt auch von der Gesprächskultur ihrer langjährigen Partei: In der GLP fühle sie sich wie aus einem Korsett befreit. «Es wird faktenbasiert diskutiert, und unterschiedliche Meinungen haben Platz.»

In den Werten der GLP findet sich Galladé wieder. Ökologie, gesellschaftlicher Fortschritt und Gleichberechtigung seien ihrer neuen Partei wie der alten wichtig, erklärt sie im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Nur betreibe die GLP gleichzeitig eine vernünftige, lösungsorientierte Europapolitik. Dass die GLP in Finanzfragen nahe bei der FDP politisiert, ist für Galladé kein Problem: «Ich habe nichts dagegen bei den Finanzen genau hinzuschauen.»

Verstimmungen absehbar

Für die Grünliberalen ist der prominente Zuzug beste Werbung im richtigen Moment. «Aktuell weckt die GLP ein besonderes Interesse bei Freisinnigen, die sich am Versagen in der Klimapolitik stören und bei SP-lern, welche die Abkehr der guten Beziehungen mit Europa nicht goutieren», sagt Corina Gredig, Co-Präsidentin der Zürcher GLP im «Tages-Anzeiger».

In der SP dürfte der Parteiwechsel mitten im Kantonsratswahlkampf dagegen für gröbere Verstimmungen sorgen. Erst recht, nachdem die Partei Galladé im letzen Jahr für das Schulpflegepräsidium im Kreis Stadt/Töss portiert hat, ein Posten, für den es parteiintern viele Bewerbungen gab. Galladé, die 93 Prozent der Stimmen holte, ist dagegen überzeugt, dass sie im Schulkreis auch als Parteilose hätte gewinnen können. Von ihrem Amt zurücktreten will sie nicht, es sei aber legitim, wenn die SP den Sitz in drei Jahren zurückholen wolle.

Comeback wäre möglich

Nicht nur diese Aussage nährt die Spekulation, dass Galladé ihre Politkarriere unter neuem Banner noch einmal auf grösserem Parkett lancieren will. 2015 hatte Sie im parteiinternen Rennen um eine Regierungsratskandidatur gegen Jacqueline Fehr das Nachsehen, im Nationalrat wurde sie zu einem Opfer der Alters- respektive Amtsjahr-Guillotine.

Für die GLP könnte Galladé versuchen, den SP-Sitz von Mario Fehr zu erben, der ihr politisch nahe steht und spätestens nach der nächsten Legislatur zurücktreten dürfte. Galladé sagt zu einem solchen Szenario im «Tages-Anzeiger», in nächster Zeit sei ein politisches Amt für sie keine Option. Ein Dementi ist das nicht.

Erstellt: 26.02.2019, 20:44 Uhr

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