Rheinau

Grundeinkommen gescheitert, Projekt geht trotzdem in Zusatzrunde

Keine wundersame Spende in letzter Minute: Dem Projekt «Dorf testet Zukunft» fehlen Millionen. Die Initiantin will den Versuch trotzdem noch nicht beenden.

Gemeinderätin Karin Eigenheer und Regisseurin Reecca Panian: Die Sammelaktion für das Grundeinkommen war ein Misserfolg, das Projekt aus ihrer Sicht nicht.

Gemeinderätin Karin Eigenheer und Regisseurin Reecca Panian: Die Sammelaktion für das Grundeinkommen war ein Misserfolg, das Projekt aus ihrer Sicht nicht. Bild: Jakob Bächtold

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1140 Franken. So viel (oder so wenig) ist diesen Morgen nochmals für das Projekt eines bedingungslosen Grundeinkommens in Rheinau gespendet worden. Gereicht hat es – wie bereits in den letzten Wochen absehbar war – bei weitem nicht. Denn die Initiantin des Projekts «Dorf testet Zukunft, die Filmemacherin Rebecca Panian, wollte via Crowdfunding bis heute Dienstag um 14:26 Uhr über 6,1 Millionen Franken auftreiben. Das Schlussresultat der Spenden: 151'836 Franken. Das Vorhaben ist damit krachend gescheitert.

Das Projekt für ein bedingungslosen Grundeinkommen in Reihnau ist gescheitert. Dennoch spricht Initiantin und Filmemacherin Rebecca Panian von einem Erfolg. Interview: Jakob Bächtold

Panian sieht das Projekt trotzdem als Erfolg. Am Aussichtspunkt «Gotthard» in Rheinau erklärt sie vor den Medien: «Von 1302 Rheinauerinnen und Rheinauern sagten 770 Ja zu einem Versuch. Bereits das war eine kleine Sensation.» Sie wehrt sich dagegen, dass ihre Idee nun abgeschrieben wird: «Viele Türen stehen noch offen. Viele Türen gehen erst jetzt auf. Der Versuch in Rheinau ist eine Chance, die wir nutzen sollten.»

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6 Millionen Franken fehlten: Die Sammelaktion für das Projekt «Dorf testet Zukunft» ist gescheitert. Die Initiantin will den Versuch für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Rheinau aber noch nicht beenden. Was halten Sie davon?

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Warum kam nicht mehr Geld zusammen? «Wir haben es zu wenig geschafft zu vermitteln, dass der Versuch Erfahrungen ermöglicht, die uns allen zugute kommen», sagt Panian. Viele Menschen hätten sich nur gefragt, warum man den Einwohnerinnen und Einwohnern von Rheinau Geld spenden solle. «Trotzdem hat der Versuch auch ausserhalb des Dorfes viel bewirkt, sogar aus Deutschland und Portugal kamen Anfragen mit der Absicht, das Grundeinkommen ebenfalls zu testen.» Ob es nun je zu solchen Tests kommen wird, nachdem die Geldsuche in Rheinau so deutlich scheiterte, ist höchst ungewiss.

Bevölkerung entscheidet nächsten Montag

Ob es in Rheinau doch noch irgendwie weitergeht, soll die Bevölkerung am nächsten Montag an einem Treffen entscheiden. Wie genau sich Panian eine Zukunft vorstellt, lässt sie im Moment offen. Man setzte weiterhin auf den Dialog mit den Rheinauerinnen und Rheinauern und wolle nichts vorwegnehmen. Die Medien sollen dort nicht dabei sein. «Wir wollen offen über alles sprechen können», begründet Panian.

«Wenn es auf dem einen Weg nicht funktioniert, dann sucht man halt einen anderen.»Karin Eigenheer, SP-Gemeinderätin in Rheinau

Am Aussichtspunkt mit schönem Blick auf den Rhein und auf die Klosterinsel versammeln sich ein gutes Dutzend Unterstützer und Rheinauer, einige Journalisten und vier Kamerateams. Karin Eigenheer, Gemeinderätin in Rheinau (SP) und Mitinitiantin, erklärt: «Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen. Es ist in den letzten Wochen so viel entstanden in unserem Dorf. Es hat sich gelohnt.» Man habe nun gemerkt, dass die Finanzierung so nicht funktioniere. «Ich finde es schade, dass man nun von ‹Scheitern›. Wenn es auf dem einen Weg nicht funktioniert, dann sucht man halt einen anderen», sagt Eigenheer.

Daniel Grob, Einwohner in Rheinau und einer der 1230 Unterstützer, sagt: «Das Grundeinkommen ist ein Thema wie das Frauenstimmrecht, auch dort brauchte es mehrere Anläufe und Jahrzehnte bis man es einführte. Gewisse Ideen brauchen Zeit.»

«Viele Türen gehen erst jetzt auf. Der Versuch in Rheinau ist eine Chance, die wir nutzen sollten.»Initiantin Rebecca Panian

So oder so werde das Projekt-Team, zusammen mit dem Gemeinderat und dem Wissenschaftsteam von «Dorf testet Zukunft» die «Reise bis hierhin», wie es Panian ausdrückt, analysieren und auswerten. Eine Schlussfolgerung lässt sich bereits ziehen: Das Crowdfunding für eine so grosse Summe war ein Misserfolg. Die Finanzierung hätte besser vorbereitet werden müssen.

Trotz allem: Panian gibt noch nicht auf. Der Schlusssatz der Medienmitteilung zum Ende des Crowdfundings lautet: «Über weitere Neuigkeiten zum Projekt wird zu gegebener Zeit informiert.»

Am Abend fand in Rheinau auch die Gemeindeversammlung statt. Hier der Artikel dazu. (Der Landbote)

Erstellt: 04.12.2018, 12:39 Uhr

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