Zürich

Dank genauerer Messung: Die Schweiz ist grösser geworden

In vielen Gemeindepublikationen ist derzeit die Rede von einem Bezugsrahmenwechsel. Hinter dem Wechsel steht ein Grossprojekt der Landesvermessung.

Die genauen Messungen sind Schuld: Winterthur ist kleiner geworden...

Die genauen Messungen sind Schuld: Winterthur ist kleiner geworden... Bild: Keystone

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Wenn in den Mitteilungsblättern der Gemeinden die Meldung «Bäume und Sträucher zurückschneiden» weit vorne abgedruckt ist, dann ist Sommerferienzeit. Und zwar nicht nur deshalb, weil dann mancherorts das Grün üppig über die Grundstücksgrenzen in den öffentlichen Raum wuchert. Auch für die Gemeinden gibt es in dieser Zeit weniger Neuigkeiten zu vermelden als sonst.Da kommt die Meldung des kantonalen Amtes für Raumentwicklung gelegen, die etliche Gemeinden kürzlich in ihren Publikationsorganen veröffentlicht haben. Es geht dabei um den sogenannten Bezugsrahmenwechsel LV95. Mit diesem Wechsel ist die Umstellung in der Landesvermessung vom alten Koordinatensystem von 1903 auf das neue von 1995 gemeint.

Das alte System genügt den heutigen Genauigkeitsanforderungen nicht mehr. Deshalb hat das Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo) die Schweiz zwischen 1989 und 1995 neu vermessen. Dank satellitengestützten Methoden konnten die Koordinaten zentimetergenau bestimmt werden. Damit liessen sich landesweit neue Vermessungspunkte bestimmen, mit denen auch Flächen neu berechnen wurden. Im Kanton Zürich wurden per 30. Juni 2016 alle Vermessungswerke in den neuen Lagebezugsrahmen der aktualisierten Koordinaten überführt – daher die Bezeichnung Bezugsrahmenwechsel LV95.

Keine Einsprache möglich

Welche Auswirkung dieser Wechsel nun aber für die Grundeigentümer hat, lässt sich aus der kantonalen Mitteilung nur mit Mühe herauslesen. So heisst es einerseits, dass die neue Flächenberechnung für viele Liegenschaften einen neuen Flächeninhalt ergeben habe. Andererseits ist die Rede von bloss formellen Veränderungen, weshalb es auch keine rechtliche Einsprachemöglichkeit gegen die Flächenänderung gebe. Die Änderungen seien deshalb formell, sagt Baudirektionssprecherin Isabelle Rüegg auf Anfrage, «da sich in der Realität nichts an den Grundstücken ändert». Sie sind also nicht etwa geschrumpft oder gewachsen, weshalb der Grenzzaun zum Nachbarn auch nicht verschoben werden muss. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Stadt Winterthur neu vermessen bloss auf dem Papier um 1111 Quadratmeter kleiner geworden ist. Bei den meisten Grundstücken hat sich die Fläche nur um einen Quadratmeter verändert, maximal fünf Prozent der Grundeigentümer im Kanton sind jedoch von grösseren Differenzen betroffen. Und nur diese Eigentümer werden direkt darüber informiert.

Parzellen «verschoben»

Die Koordinaten der Grenzpunkte einer Parzelle haben sich praktisch alle gleich verändert. Damit würden die Parzellen als Ganzes theoretisch «verschoben», heisst es in einem Infoflyer für Grundeigentümer von Swisstopo. «Natürlich nicht in Wirklichkeit, sondern nur in den Koordinatenwerten beziehungsweise auf dem Papier.» In Ausnahmefällen könne die Flächenangabe minim nach oben oder nach unten ändern. «Diese minimalen Änderungen müssen geduldet werden», heisst es in dem Flugblatt weiter.

«Diese minimalen Änderungen müssen geduldet werden.»

Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo)

Dass ein auf dem Papier geschrumpftes Grundstück somit auch an Wert verliert, stimme zwar, sagt Adrian Wiget von Swisstopo. «Doch mit der neuen, zentimetergenauen Vermessung kommt die Fläche nun näher an die Realität heran als früher.»

Hätte ein Grundeigentümer sein «geschrumpftes» Grundstück vor der Umstellung verkauft, hätte er noch mehr Geld dafür erhalten als heute. Gleichzeitig hätte er aber auch mehr Grundstückgewinnsteuer bezahlt. Die neuen Flächenmasse werden von Amtes wegen im Grundbuch nachgeführt.

Um 43 Fussballfelder grösser

Die neue Landesvermessung hat dazu geführt, dass sich die Fläche der Schweiz um etwa 43 Fussballfelder vergrössert hat. Die Fläche des Kantons Zürich ist um 3,54 Millionstel geschrumpft, während einzelne Gemeinden leicht gewachsen sind. Anders als die meisten Kantone ist die Ostschweiz leicht geschrumpft, oder korrekt ausgedrückt: Die Flächenberechnung von einst ist zu gross ausgefallen. Dies, weil die Messung einer Strecke als Referenz für die Vermessung ungenau ausfiel. (Landbote)

Erstellt: 04.08.2016, 15:57 Uhr

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