Zürich

Hans-Ueli Vogt – smart, linientreu und doch exotisch

Er ist wirtschafts­liberal und gehört zur neuen Generation der Intellektuellen und Urbanen in der SVP: Hans-Ueli Vogt.

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Wo steht Vogt innerhalb der eigenen Partei?
Er trägt fast alle Positionen der SVP mit, hebt sich aber von massgebenden Parteiexponenten dadurch ab, dass er Polemik meidet und differenziert argumentiert. Er ist weder ein Einpeitscher noch ein Polemiker, sondern tritt zurückhaltend auf. Der Rechtsprofessor mit Spezialgebiet Aktienrecht gehört zur neuen Generation der Intellektuellen und Urbanen in der SVP, zu denen im Kanton Zürich Leute wie Gregor Rutz oder neu auch Roger Köppel zählen. Als Homosexueller ist Vogt in seiner Partei aber ein Exot. Gesellschaftspolitisch vertritt er liberalere Positionen. Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare begrüsst er.

Welche politische Erfahrung bringt Vogt mit, und wie ist er vernetzt?
Vogt bewegt sich seit relativ kurzer Zeit auf dem politischen Parkett. Im Frühling schaffte er mühelos die Wiederwahl in den Kantonsrat. Die Kantonspolitik ist aber nicht sein bevorzugtes Wirkungsfeld. Als Rechtsexperte zieht es ihn auf die nationale Bühne. Einen grösseren Auftritt hatte er dort mit SVP-Übervater Blocher, als er die In­itia­ti­ve «Schweizer Recht statt fremde Richter» (Landesrecht vor Völkerrecht) vorstellte. Vogt gab ge­gen­über Blocher den Anstoss zur Initiative. Von diesem Thema abgesehen ist Vogt auf dem eidgenössischen Parkett ein politischer Neuling.

Wie kommt Vogt bei den ­anderen Parteien an?
Da sich seine Positionen innerhalb des SVP-Spektrums befinden, ergeben sich markante Dif­ferenzen zur FDP. So verteidigt Vogt die Masseneinwanderungs- und Minarettinitiative. Dem in Dübendorf geplanten Innovationspark, den FDP-Kandidat Ruedi Noser angestossen hat, steht Vogt skeptisch gegenüber. Der Staat dürfe keinen Einfluss auf die Forschung nehmen. Und die Fliegerei müsse dort weiterhin Platz haben. Über die Parteigrenzen hinaus wird Vogt als kompetenter und umgänglicher Rechtsgelehrter respektiert. Im Kantonsrat gehört er nicht zu den Vielrednern, sondern spricht nur dann, wenn er etwas Substanzielles zu sagen hat.

Ist der Kandidat volksnah?
Nicht wirklich. Vogt wirkt beim ersten Kontakt eher kühl und distanziert. Er hat zwar Humor, aber joviale Auftritte und launige Sprüche liegen ihm nicht. Bemerkenswert volkstümlich und unprofessoral ist Vogts Musikgeschmack. Er mag deutsche Schlager, bei denen er gerne mitsingt. Keine Mühe hat er auch mit dem viel geschmähten SVP-Song «Wo ein Willy ist, ist auch ein Weg». Ganz im Gegensatz zum Zürcher Parteipräsidenten Alfred Heer, der den Song (samt Plüschtier) als «gaga» betitelte.

Welches Kernanliegen vertritt Vogt?
Ihm liegen Rechtsfragen und Wirtschaftsthemen am nächsten. Beispiele sind die Revision des Steuer- und Finanzmarktrechts und des Kartell- und Aktienrechts. Letzteres lehnt er dezidiert ab. Generell strebt Vogt eine stark liberalisierte und deregulierte Wirtschaft an. Gebraucht er Schlagworte, heissen sie Bürokratie- und Kontrollabbau. Vogt findet, zehn Prozent der Staatsstellen bei Bund und Kanton sollten gestrichen werden.

Was hat er politisch bewegt?
Sichtbare Spuren hat Vogt bis jetzt einzig bei der Ausarbeitung der In­itia­ti­ve Landesrecht vor Völkerrecht hinterlassen. Hinter den Kulissen hat er die Bundesverwaltung bei wirtschaftspolitischen Vorlagen beraten. Im Kantonsrat war er unauffällig.

Welche Interessenbindungen weist Vogt auf?
Er ist Mitglied der Auns, der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz. Vogt ar­bei­te­te mehrere Jahre nebenamtlich als Konsulent der Wirtschaftskanzlei Homburger. Heute ist er ebenfalls im Nebenamt selbstständiger Anwalt. Ausserdem ist er Mitglied der Eidgenössischen Expertenkommission für das Handelsregister und Verwaltungsratsmitglied bei der Firma Swipra Services AG. Diese berät Investoren bei der Stimmrechtsausübung an den Generalversammlungen börsenkotierter Gesellschaften.

Wie steht es um Vogts ­Wahlchancen?
Als Kandidat der grössten Partei hat Vogt gute Chancen, in den ­Nationalrat gewählt zu werden – obwohl er auf der Liste erst nach den Bisherigen aufgeführt ist. Als Ständerat dürften seine Chancen aber nicht allzu gross sein. Dafür fehlt ihm die Bekanntheit und der politische Leistungsausweis, den sich viele Ständeräte als ehema­lige Nationalräte oder Alt-Regierungsmitglieder holten. Zu bedenken ist auch, dass vor ihm selbst SVP-Schwergewichte wie Christoph Blocher und Ueli Maurer den Sprung ins Stöckli nicht schafften. Der letzte Zürcher Ständerat aus den Reihen der SVP hiess Hans Hofmann. Er war bis 2007 im Amt und zuvor gut bekannt als Regierungsrat. Punkto Bekanntheit haben die Ständerats-Mitbewerber von SP, FDP, GLP, Grünen und sogar der CVP die Nase vorn. Vogts Kandidatur ist trotzdem nicht chancenlos, weil Zürich ein bürgerlich dominierter Kanton ist. Vieles hängt von der konkreten Konstellation im zweiten Wahlgang ab, der sich abzeichnet.

Wie viel eigenes Geld steckt der Kandidat in den Wahlkampf?
Vogt steuert nach eigenen Angaben rund 80 000 Franken aus dem eigenen Sack an den Wahlkampf bei. ()

Erstellt: 02.10.2015, 13:33 Uhr

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