Winterthur

Heroin in der Garage: Geständiger Dealer akzeptiert lange Haft

In einer Garage in Oberi wurde im grossen Stil Heroin umgeschlagen. Einer der Täter kooperiert – er hat seine viereinhalbjährige Gefängnisstrafe schon angetreten.

Nach langer Untersuchungshaft hat der Verurteile seine Gefängnisstrafe schon im Januar vorzeitig angetreten (Symbolbild).

Nach langer Untersuchungshaft hat der Verurteile seine Gefängnisstrafe schon im Januar vorzeitig angetreten (Symbolbild). Bild: pd

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Die Bezirksrichter machten gestern im Wortsinn kurzen Prozess: Die Verhandlung gegen ein älteres Mitglied einer umtriebigen Drogenbande dauerte nur 45 Minuten. Möglich war dies, weil der Angeklagte, ein 54-jähriger Mazedonier, kooperativ und geständig war und sich bereits vorab mit dem Staatsanwalt auf eine Verurteilung geeinigt hatte (sogenanntes abgekürztes Verfahren).

Zwar bagatellisierte der Mann seine Vergehen vor den Richtern. «Es war eine Dummheit», sagte er, «ich hatte offene Rechnungen und die anderen haben das ausgenutzt». Und: «Ich dachte, die Sache mit der Garage sei nur vorübergehend.»

Die unbedingte Haftstrafe von viereinhalb Jahren akzeptierte er aber ohne Murren. Nach langer Untersuchungshaft hat er seine Gefängnisstrafe im Januar schon vorzeitig angetreten.

Die «Sache mit der Garage» ist die: In der Garage des Angeklagten in Oberwinterthur wurden mehrere Monate lang Drogen umgeschlagen, bevor die Bande im Sommer 2014 aufflog und einige Beteiligte verhaftet wurden.

Ein Kurier fuhr jeweils grössere Mengen Heroin aus Osteuropa über die Grenze; die Pakete mit 1,5 Kilogramm gestreckter Substanz waren im Auto versteckt. Nach dem Entladen in der Garage verkauften der Angeklagte und Mittäter die Drogen an verschiedene Abnehmer aus der Region.

Geldwäscherei am Flughafen fiel auf

Zugleich nahm der Täter sehr viel Geld aus Drogenverkäufen entgegen, das er später anderen Bandenmitgliedern zur Weiterleitung nach Mazedonien überreichte, was als Geldwäscherei gilt. Die Übergaben fanden unter anderem beim Abfertigungsschalter eines Reisebüros am Zürcher Flughafen statt – unvorsichtigerweise, wie es scheint, denn mutmasslich aufgrund von Überwachungskamerabildern gelang es der Polizei, eine detaillierte Liste mit Dutzenden Übergabeterminen zu erstellen.

Zumindest 185 000 Franken sollen der Angeklagte und ein Mittäter, den er in der Heimat beim Hundesport kennen gelernt hatte, am Flughafen weitergegeben haben. Dass der Angeklagte all das zugab, vereinfachte die Arbeit von Polizei und Richtern. Wie er heute über sein Verhalten denke, wollte Gerichtspräsident Andreas Oehler (FDP) am Ende vom Täter wissen.

«Ich hätte mich aufhängen sollen, bevor ich damit anfing», formulierte der Mann drastisch, der ansonsten ruhig und eher nachdenklich wirkte. «Jetzt kann ich es nicht mehr rückgängig machen.»

Auf einem Bauernhof in Mazedonien aufgewachsen, kam der ungelernte Mann vor 27 Jahren in die Schweiz (trotz des langen Aufenthalts benötigte er in der Verhandlung einen Übersetzer). Hier arbeitete er in verschiedenen Bäckereien, bevor er nach einem Autounfall eine IV-Rente zugesprochen erhielt.

Wegen einer Kreditaufnahme für den elterlichen Hof ist der Mann verschuldet. Für seine Garagendienste will der Mann, der wegen unerlaubten Waffenbesitzes vorbestraft ist («ich wollte die Waffen nach Mazedonien schicken»), lediglich 2000 Franken erhalten haben.

Die lange Haftstrafe sei angemessen, befanden die Richter, denn «Heroin ist eine der schwersten Drogen, und Sie hatten mit grossen Mengen zu tun», wie Oehler sagte. Bereits im Dezember hatte das Gericht ein anderes Mitglied der Bande zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Im Gegensatz zum gestern verurteilten Mann hatte der etwa gleich alte Kurier, auch er Mazedonier, vor Gericht alles abgestritten. «Nie im Leben» habe er etwas mit Drogen zu tun gehabt, hatte der Fahrer beteuert.

Hohe Kosten werden aufgeteilt

Wesentlich höher als die ebenfalls verhängte Geldstrafe von 2100 Franken fallen mit knapp 15 000 Franken die Verfahrenskosten aus, die dem Angeklagten auferlegt wurden. Die noch höheren Kosten des Pflichtverteidigers trägt dagegen der Kanton (theoretisch vom Täter zurückzuzahlen, falls er es dereinst vermag). Über eine mögliche Ausschaffung des verheirateten Mannes muss das Migrationsamt entscheiden.

Erstellt: 09.03.2016, 16:35 Uhr

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