Hirzel

Hirzel wählt einen Pfarrer, der gar nicht will

Am 28. Februar wird der reformierte Pfarrer in Hirzel, Ulrich Hossbach, aller Voraussicht nach in seinem Amt bestätigt. Nur: Er hat bereits eine neue Pfarrstelle in Zürich angenommen.

Die Reformierten in Hirzel sollen bis im nächsten Januar einen neuen Pfarrer bekommen.

Die Reformierten in Hirzel sollen bis im nächsten Januar einen neuen Pfarrer bekommen. Bild: Moritz Hager

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Die Stimmzettel sind gedruckt und verteilt. Viele reformierte Stimmberechtigte in Hirzel haben ihre Stimme für die Wahl ihres Pfarrers für die Amtsdauer 2016 bis 2020 bereits abgeschickt. Sie wählten den seit 2012 amtierenden Pfarrer Ulrich Hossbach – weil er beliebt in der Gemeinde und die einzige Person ist, die zur Wahl steht. Am 28. Februar wird er daher aller Voraussicht nach in seinem Amt bestätigt.

Am Tag darauf wird Ulrich Hossbach aber zur Gemeindeverwaltung gehen und die Wahl ablehnen. Denn am 9. Februar hat ihn die Kirchgemeindeversammlung Zürich-Enge zu ihrem neuen Pfarrer gewählt – und Hossbach will dieses Amt übernehmen. Mit seinem Entscheid hat der Hirzler Pfarrer den Präsidenten der reformierten Kirchenpflege, Paul Stämpfli, überrascht. «Er engagiert sich momentan sehr bei der Vorbereitung zum geplanten Zusammenschluss mit der Kirchgemeinde in Horgen», sagt Stämpfli. «Diesen Prozess hätten wir gerne zusammen mit ihm abgeschlossen.» Dennoch versteht der Präsident den Entscheid seines Pfarrers. «Es ist eine neue Herausforderung für Ulrich Hossbach.»

Möglicherweise keine 100-Prozent-Stelle mehr

Dennoch: Der Pfarrer hat die Kirchenpflege in Hirzel mit seiner kurzfristigen Entscheidung in eine schwierige Situation manövriert. «Die Stimmberechtigten können die bereits verschickten Wahlzettel wegwerfen», sagt Stämpfli. «Wir müssen zuerst einen neuen Kandidaten suchen für das Amt.» Sofort beginnen kann die Kirchenpflege damit aber nicht. Die brieflich eingegangenen Wahlzettel werden voraussichtlich für die Wahl ausreichen. Darum muss der amtierende Pfarrer auf der Gemeindeverwaltung zuerst seine Wahl ablehnen. Erst danach wird der Kirchenrat in Zürich den Hirzlern offiziell eine neue Pfarrstelle zuteilen.

Hier gibt es aber einen Haken. Als Hossbach sein Amt antrat, bestand die Reformierte Kirchgemeinde noch aus über 1000 Mitgliedern. Was sie zu einer 100-Prozent-Pfarrstelle berechtigte. «Heute sind es weniger als 1000», sagt Paul Stämpfli. Daher sei für Hirzel eigentlich nur noch eine 60-Prozent-Stelle vorgesehen. «Wir werden aber versuchen, eine Ergänzungsstelle zu beantragen. Da der neue Pfarrer im Hinblick auf den Zusammenschluss mit Horgen einen Aufwand haben wird, der nicht mit 60 Prozent bewältigt werden kann.»

Pfarrwahlkommission soll neuen Pfarrer suchen

Sobald die neue Pfarrstelle vom Kirchenrat an Hirzel zugeteilt worden ist, wird Paul Stämpfli eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung ansetzen. «Aller Voraussicht nach im April», sagt er. Diese soll eine Pfarrwahlkommission bestimmen, die sich auf die Suche nach einem neuen Pfarrer macht. «Das Ziel ist es, die offene Stelle bis im Januar 2017 neu besetzt zu haben», sagt Stämpfli. Ulrich Hossbach war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er weilt bis zum 27. Februar in den Ferien. In einem offenen Brief an die Reformierten, den der Pfarrer über die Gemeinde verbreiten liess, schreibt er, dass ihm der Entscheid, Hirzel zu verlassen, nicht leichtgefallen sei. Und erklärt den Wechsel wie folgt: «Mit diesem Schritt eröffnet sich für mich beruflich sowie persönlich eine neue, dauerhafte Perspektive.» Denn seit seinem Vikariat in Erlenbach fühle er sich eng mit Zürich verbunden.

Ulrich Hossbach wird noch bis Ende Juli in Hirzel tätigt sein. «Bis wir dann wieder einen eigenen Pfarrer haben, wird uns der Kirchenrat für die Gottesdienste einen Pfarrer im Vikariat zur Verfügung stellen», sagt Kirchenpflegepräsident Paul Stämpfli.

Erstellt: 19.02.2016, 16:50 Uhr

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