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«Ich habe grossen Respekt vor dem Sechseläuten»

Steffi Buchli, SRF-Sportmoderatorin aus Kilchberg, kommentiert am Montag erstmals die Livesendung des Sechseläutens. Im Interview spricht sie über die Vorbereitung, Frauen in den Zünften und den lauten Knall, für den sie vor kurzem selber gesorgt hat.

Steffi Buchli tippt, dass der Böögg dieses Jahr nach sportlichen achteinhalb Minuten explodiert.
Steffi Buchli tippt, dass der Böögg dieses Jahr nach sportlichen achteinhalb Minuten explodiert.
zvg/Oscar Alessio

In der Eishockeybericht-erstattung, Ihrem Fachgebiet, müssen Sie sich jeweils nur auf zwei Teams konzentrieren. Beim Sechseläuten sind es viel mehr: 26 Zünfte. Wie bereitet man sich da vor?Steffi Buchli: Mein Co-Kommentator Anthony Welbergen von der Zunft zur Schneidern war da ganz wichtig. Er hat uns ein kleines Handbuch mit allen Fakten und Namen der Zünfte erarbeitet. Mithilfe dessen haben wir uns vorbereitet. Vor allem aber haben wir Anekdoten über die Zünfter recherchiert, die wir den Zuschauern erzählen möchten. Profitiert habe ich übrigens auch vom Wissen von SRF-«Meteo»-Mann Felix Blumer, der selber Zunftmeister ist.

Bei SRF kommentieren Sie sonst nie. Haben Sie sich noch ein paar Tipps von den Kollegen und Kommentatoren Ruefer, Billeter und Co. geholt?(Lacht) Nein, ich denke, die nötigen Grundlagen habe ich trotzdem. Und es ist ja auch ein anderes Kommentieren als im Sport. Aber am Anfang der dreistündigen Livesendung wird es sicher einige Minuten dauern, bis Anthony und ich uns als Kommentatorenduo aufeinander abgestimmt haben.

Sind Sie nervös vor dieser Premiere?Ja, ich bin schon angespannt. Vor allem weil ich die grosse Geschichte sehe, die hinter dem Sechseläuten steckt. Da möchte man nichts falsch machen. Ich habe darum Anthony gebeten, mich auf mögliche Fettnäpfchen aufmerksam zu machen. So habe ich zum Beispiel gelernt, dass Kenner auf Zürichdeutsch nicht von Zünftern, sondern von Zöiftern sprechen.

Passen denn die moderne Frau Buchli und der Traditionsanlass überhaupt zusammen?Ja. Ich finde, man sollte einen gewissen Respekt haben vor solch alten Traditionen. Für Zürich ist dieser Anlass eine Riesensache. Ich persönlich habe grössten Respekt davor.

Als Frau dürfen Sie den Anlass zwar kommentieren, in eine Zunft würden Sie aber nicht aufgenommen werden können.Auch da finde ich: Wenn das seit eh und je Tradition ist und die Zünfter dies so beibehalten möchten, ist das ihr Recht. Natürlich kann man darüber diskutieren. Aber der Wille, Frauenals Zünfterinnen aufzunehmen, müsste von den Zünftern selber kommen.

Wie haben Sie das Sechseläuten selber schon erlebt?Ich ging schon als Kind und ­Jugendliche gerne ans Sechse­läuten. Im Teenageralter dann vor allem, um nach der Verbrennung des Bööggs am Feuer eine Wurst zu bräteln. Das ist ja sozusagen die inoffizielle After-Party (lacht). Ich wurde auch schon ­einige Male als Gast eingeladen, musste aus terminlichen Gründen aber leider immer absagen.

Stichwort Böögg: Was tippen Sie, wie lange wird es bis zum Knall dauern?Nachdem es letztes Jahr über 43 Minuten gedauert hatte, wird Böögg-Bauer Lukas Meier alles daransetzen, dass es dieses Jahr schneller geht. Ich tippe auf sportliche achteinhalb Minuten.

Mit Ihrem kürzlich angekündigten Wechsel von SRF zum Sender Mysports haben Sie selber für einen zünftigen Knall gesorgt. Das Medienecho war riesig. Hat Sie das überrascht?Ich rechnete schon damit, dass es Reaktionen geben wird, aber niemals in diesem Ausmass. Erst im Nachhinein konnte ich es nachvollziehen, weil ich realisiert ­habe, dass es in der Schweizer TV-Branche ja noch gar nie einen vergleichbaren Fall gegeben hat.

Der Zunft der Sportjournalisten bleiben Sie auch beim neuen Arbeitgeber treu. Sind Sie und der Sport auf ewig unzertrennlich?Das würde ich so nicht sagen. Aber der Sport ist eben wegen seiner Dramatik und seiner Emotionen fürs Fernsehmachen unglaublich toll. Darum war es ein ganz bewusster Entscheid von mir, weiterhin im TV-Sport zu bleiben.

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