Analyse

Rot-Grün marschiert in Zürich durch

Die GLP ist mit Andreas Hauri erstmals im Stadtrat vertreten. Die Grünen holen mit Karin Rykart ihren zweiten Sitz zurück, während die CVP alles verliert: ihren Stadtratssitz und ihre Vertretung im Parlament. Dort erobert Links-Grün die lang ersehnte Mehrheit. Die SVP hingegen bricht im Parlament massiv ein.

Die drei neu gewählten Stadtratsmitglieder: Michael Baumer (FDP), Karin Rykart (Grüne) und Andreas Hauri (GLP). Grüne Anliegen sind im Zürcher Stadtrat nun gut aufgehoben.

Die drei neu gewählten Stadtratsmitglieder: Michael Baumer (FDP), Karin Rykart (Grüne) und Andreas Hauri (GLP). Grüne Anliegen sind im Zürcher Stadtrat nun gut aufgehoben. Bild: Keystone

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Was vor fünf Wochen noch niemand für möglich hielt, ist eingetreten: Die GLP holt mit Andreas Hauri ihren ersten Sitz im Stadtrat. Unwahrscheinlich schien dies, weil der GLP-Kandidat in keinem Bündnis war. Das war auch der Hauptgrund, weshalb die GLP viermal scheiterte beim Sprung in den Stadtrat.

Zwei Dinge machten das kleine Wunder möglich. Erstens der überraschende Rückzug von SP-Stadträtin Claudia Nielsen vier Wochen vor der Wahl. Zweitens die Schwäche des CVP-Kandidaten Markus Hungerbühler. Ihm ist es nicht gelungen, den Sitz des abtretenden Gerold Lauber zu halten. Hungerbühler taugte nicht einmal als Wahllokomotive. Da seine Partei die 5-Prozent-Wahlhürde nicht zu überspringen vermochte, fliegt sie nun aus dem Parlament.

Nielsens Rückzug war ein Steilpass für die grüne Kandidatin Karin Rykart. Die linken Wähler setzten sie als Nielsen-Ersatz auf den Wahlzettel, um im Stadtrat wenigstens den Besitzstand von sechs linken Köpfen wahren zu können. Das ist mehr als nur gelungen. Rykart schaffte es gleich auf Platz fünf, noch vor die Bisherigen Richard Wolff (AL) und Filippo Leutenegger (FDP).

Die Grünen haben nun wieder eine Doppelvertretung wie zwischen 2010 und 2014, als Daniel Leupi mit Ruth Genner im Stadtrat sass. Zusammen mit der Wahl von GLP-Mann Hauri, der Platz acht holte, bedeutet dies, dass die grünen Anliegen mit drei Fürsprechern in der Stadtregierung noch deutlich besser aufgehoben sind als bisher. Dies umso mehr, als Grüne und GLP auch im Parlament etwaszulegen konnten.

Während die Linke im Stadtrat ihre sechs Sitze verteidigt hat – wenn auch mit interner Verschiebung von Rot zu Grün –, hat sie im Gemeinderat einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Im Parlament ist es zu einem veritablen Linksrutsch gekommen. SP, Grüne und AL haben nun die lang ersehnte Mehrheit. Die drei Parteien verfügen über 69 von 125 Sitzen. Bis jetzt fehlte mit 62 Sitzen ein Mandat zur Mehrheit. Der fulminante Durchbruch erlaubt es der Linken, die Politik nach ihren Wünschen zu gestalten. Vorbei sind die Zeiten, als die Bürgerlichen dem Stadtrat in der Finanzpolitik einen Strich durch die Rechnung machen konnten. Der Erfolg dürfte mit der linken Mobilisierung im Gefolge der No-Billag-Initiativezusammenhängen. Zusätzlich scheint nach dem Rückzug von Claudia Nielsen ein Ruck durch die SP und ihre Verbündeten gegangen zu sein, um den bürger­lichen Angriff zu stoppen. Jetzt erst recht, scheint die Losunggewesen zu sein.

Gefloppt hat hingegen das bürgerliche Wahlbündnis Top 5, dem die Stadtratskandidaten von SVP, FDP und CVP angehörten. Am Boden zerstört ist die CVP, die alles verloren hat. Markus Hungerbühler landete auf dem zehnten Platz und verfehlte das absolute Mehr deutlich. Gut möglich, dass die CVP mit einer anderen Kandidatur, etwa mit Nicole Barandun, mehr Erfolg gehabt hätte. Das Hauptproblem bleibt aber die Schwäche der Partei. Eine Stadtregierung ohne CVP gab es schon 1998 bis 2002.

Die bürgerliche Vertretung im Stadtrat schrumpft nach dem Ausscheiden der CVP von drei auf zwei Leute: Die freisinnigen Filippo Leutenegger und Michael Baumer. Die FDP schaffte es nur sehr knapp, den bisherigen Sitz des abtretenden Andres Türler zu halten. Baumer übersprang das absolute Mehr nur um 825 Stimmen und landete auf dem neunten Platz. Auch Leuteneggger, Kopf von Top 5, holte als Bisheriger nur gerade Platz sieben. Er landete hinter der Neuen Karin Rykart und dem Bisherigen Wolff. Letzterer war übrigens definitiv keinWackelkandidat.

Während die FDP im Stadtrat und auch im Gemeinderat einigermassen die Stellung zu halten vermochte, steht die SVP vor einem Debakel. Ihre Stadtratskandidaten Susanne Brunner und Roger Bartholdi landeten hinter Hungerbühler auf den Plätzen elf und zwölf. Im Gemeinderat verlor die SVP sechs Sitze. Mit ihren verbleibenden 17 Mandaten verliert sie Rang zwei an die FDP. Die Umfragen sagten vor allem SVP-Kandidatin Susanne Brunner ein besseres Resultat voraus. Dies wiederum mag dazu geführt haben, bei den Linken Alarmstimmung zu erzeugen. Um Brunner zuverhindern. schrieben sie GLP-Mann Hauri auf den Wahlzettel.

Gemessen an den hochgesteckten Zielen, die sich Top 5 steckte, hat das bürgerliche Bündnis kläglich versagt. Leu­tenegger und seine Leute propagierten nichts weniger als die bürgerliche Wende im Stadtrat. Dass sie das nicht schaffen würden, war absehbar. Dass Top 5 aber nicht im Geringsten mobilisierte, überrascht doch etwas.

Erstellt: 05.03.2018, 08:26 Uhr

Stadtpräsidium

Leutenegger ohne Chance gegen Mauch

Wie schon vor vier Jahren forderte Filippo Leutenegger (FDP) die amtierende Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) heraus. Andreas Hauri (GLP) tat Gleiches, um sich bekannt zu machen.

Das Resultat war schon im ersten Wahlgang klar: Mauch erreichte mit 53 300 Stimmen den ersten Platz. Leutengger brachte es auf lediglich 27 064 Stimmen und landete auf Platz zwei. Er liegt damit deutlich unter dem absoluten Mehr von 44 222 Stimmen. Andreas Hauri erreichte 3145 Stimmen. Die Beteiligung lag bei 42,3 Prozent. Mauch strahlte angesichts das Glanzresultats. «Ein so klares Resultat habe ich nicht erwartet», sagte sie in die Mikrophone. Sie werde auch für jene Stadtpräsidentin sein, die sie nicht gewählt hätten. Zürich gehe es bestens. Die Stadtregierung werde ihren Erfolgskurs fortsetzen. Leutenegger hingegen hatte Mühe, den Misserfolg zu erklären. Es gehöre zur Demokratie, auch einmal zu verlieren. Und es sei eben nicht einfach, eine amtierende Stadtpräsidentin aus dem Sattel zu werfen. Er gestand ein, dass das bürgerliche Ticket Top 5 nicht funktioniert hat. Als Leutenegger Mauch vor vier Jahren herausforderte, war die Situation anders. Leutenegger peilte einen Sitz im Stadtrat an, den er dann auch erreichte. Als Stadtpräsident machte er 32 276 Stimmen. Mauch brachte es auf 48 608. (red)

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