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Jeton G. soll sein flüchtendes Opfer in den Rücken geschossen haben

Der 35-jährige Beschuldigte hat schon als Jugendlicher etliche Vorstrafen gesammelt.

Das Bezirksgericht Zürich plant für den anstehenden Mordprozess vier Tage ein.

Das Bezirksgericht Zürich plant für den anstehenden Mordprozess vier Tage ein. Bild: Urs Jaudas

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Am Mittwoch, 11. September, startet am Bezirksgericht Zürich der Mordprozess gegen Jeton G.*. Der 35-jährige Schweizer mit Wurzeln im Kosovo soll am 1. März 2015 in Zürich-Affoltern seinen Widersacher Boris R.* erschossen haben. Der Prozess ist auf vier Tage angesetzt.

Heute, Mittwoch, wurde die Anklageschrift publik. Daraus geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft Jeton G. neben Mord eine Reihe weiterer Delikte vorwirft; etwa Körperverletzung, Fahren ohne Berechtigung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

Anhaltender Konflikt

In der Anklageschrift ist geschildert, wie es zu dem tödlichen Vorfall vom März 2015 gekommen sein soll. Demnach hat zwischen Jeton G. und dem späteren Opfer Boris R. schon seit längerer Zeit ein immer wieder aufflackernder Konflikt geherrscht.

So gerieten die Kontrahenten am Samstag, 28. Februar, auf dem Parkplatz eines Fitnesscenters in Regensdorf aneinander. Im Nachgang zu diesem Vorfall publizierte Jeton G. auf Facebook einen Text, in dem er seinen Widersacher bedrohte und beschimpfte: «Boris ich fick dis läbe», stand da laut Anklageschrift zu lesen. Und weiter: «Chum zu mir chum zu dim albtraum ich wird die letzte sekunde si wo du i dim läbe wirsch ha du hundesohn.»

Nach verschiedenen SMS-Kontakten vereinbarte man ein Treffen auf Sonntag, fünf Uhr morgens, bei einer Tankstelle an der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern.

Die beiden Streithähne kamen in Begleitung, wobei Jeton G. einem seiner Kollegen zuvor eine geladene Waffe gegeben haben soll, welche dieser an den Treffpunkt mitnahm. Dort entwickelte sich zwischen den beiden Gruppen eine verbale und tätliche Auseinandersetzung. In deren Verlauf erlitt Boris R. – der Türsteher hatte sich als Hooligan und Kampfsportler einen Namen gemacht – einen Nasenbeinbruch und es wurden ihm drei Zähne eingeschlagen.

Auf der Flucht erschossen

Gleichzeitig sollen sich die Gruppen gegenseitig mit Pfefferspray attackiert haben. Dann griff der Kollege von Jeton G. zum Revolver und feuerte in die Luft, worauf Boris R. und seine Kollegen die Flucht ergriffen.

Jeton G. nahm seinem Kollegen laut Anklage die Waffe ab und gab «drei gezielte Schüsse» in Richtung der Flüchtenden ab. Boris R. wurde von hinten in den Rücken getroffen und verblutete noch am Tatort.

Aus Sicht des Staatsanwalts hat Jeton G. «besonders skrupellos und in krass egoistischer Weise» gehandelt und sich so des Mordes schuldig gemacht. Neben Jeton G. sitzen zwei seiner Kollegen auf der Anklagebank. Der eine wegen Gehilfenschaft zu vorsätzlicher Tötung. Der Staatsanwalt wird seine Strafanträge an der Verhandlung stellen.

Daniel Walder, der amtliche Verteidiger von Jeton G., äusserte sich gestern auf Anfrage nicht. Unmittelbar nach seiner Verhaftung am 7. März 2015 hatte der Beschuldigte Valentin Landmann als Verteidiger engagiert.

Dieser sagte im «Blick» sein Mandant habe aus «vermeintlicher Notwehr» gehandelt. Er habe selber keine Waffe dabei gehabt. Jeton G. behauptete, er habe wegen des Pfeffersprays nichts gesehen. Sein Kollege habe ihm die Waffe in die Hand gedrückt. Er habe zwar abgedrückt, aber nicht gesehen, wohin er schiesse.

Jeton G. stand schon in seiner Jugend wegen Raubes, Diebstählen und Drohungen mit dem Gesetz in Konflikt. In der Schweiz bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Hanfanbau und Sozialhilfe. Im Dezember 2015 verurteilte ihn das Obergericht wegen zwei Schlägereien zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe.

*Namen der Redaktion bekannt.

Erstellt: 28.08.2019, 17:06 Uhr

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