Rheinau

Junge Musiktalente besuchen das Weinland

Der Schweizer ­Jugendmusikwettbewerb ist der erste nationale Gross­anlass auf der Musikinsel. An den Finaltagen werden 386 Musiker erwartet, die sich in den regionalen Vorausscheidungen durchgesetzt haben.

Gäste aus der ganzen Schweiz kommen zum Finale des Jugendmusikwettbewerbs auf die Musikinsel Rheinau.

Gäste aus der ganzen Schweiz kommen zum Finale des Jugendmusikwettbewerbs auf die Musikinsel Rheinau. Bild: Marc Dahinden

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Mit 1400 Teilnehmern hat der Schweizer Jugendmusikwettbewerb (SJMW) 2016 eine Rekordzahl erreicht. 386 Erstpreisträger aus allen Landesteilen werden vom 5. bis 7. Mai auf die Musikinsel Rheinau strömen und die Luft mit ihren klingenden Bei­trägen zum Schwin­gen brin­gen.

In diesem Jahr sind es die Streich­ins­tru­mente, Holzbläser und Kammermusikensembles.Ausserdem gibt es einen Kompositionswettbewerb mit Stücken von 10- bis 20-Jährigen. Das Vorspiel in der Qualifikationsrunde En­trada ist ab acht Jahren möglich und soll jedem interessierten Musikschüler offen stehen.

«Es ist kein Wettbewerbfür Wunderkinder», sagt Hans-Ulrich Munzinger (Foto) von der Fachkommission des SJMW, «wir sehen die ganze Palette vom Freizeitmusiker bis zur Spitzenbegabung.» Der Musikwettbewerb sei eine Förder- und Austauschfläche für die Jugend­lichen, an die sie sich später noch gut erinnerten: «Sie lernen an­dere Musikschüler kennen und hören, wie diese spielen.»

Auch für die Lehrpersonen sowie die zahlreichen Jurymitglieder sei der SJMW ein gerne genutzter Termin im Jahr, an dem man sich trifft und austauscht.

Schlusskonzert in Winterthur

Es ist aber auch für den Veran­staltungsort Musikinsel Rheinau der erste nationale Grossanlass, den es organisatorisch zu meistern gilt. Die Qualifizierten und ihre Familien aus allen Kantonen kommen in die Region, übernachten dort und verbringen das Wochen­ende im Weinland bis nach Winterthur.

Das Schlusskonzert findet am Morgen des 8. Mai im Stadthaussaal Winterthur statt, moderiert vom Blockflötisten Maurice Steger. Den grossen Vorbildern nahe zu sein und vielleicht sogar in der Jury gegenüberzustehen, motiviert man­ches Kind zum eifrigen Üben. «Einige würden gerne in die Fussstapfen eines Klassikstars treten», berichtet Munzinger. Aber ein intensiver Musikunterricht muss nicht zwangsläufig auf eine Musikerlaufbahn hinauslaufen.

Jungen auf dem Vormarsch

Munzinger beobachtet, dass das romantische Repertoire, welches hohes Renommee im Konzert­leben geniesst, von den jugend­lichen Aspiranten besonders ­gerne gespielt wird. «Es passt auch gut zum Alter». Bei der ­Entrada sei das Niveau schon unglaub­lich hoch gewesen, das ­läge daran, dass Begabung heute sehr gefördert werde.

Auch sei die Leistungsbereitschaft gestiegen, so der Befund des ehemaligen Direk­tors des Konservatoriums Winterthur. «Die Vorbereitung ist internationaler geworden, und es gibt eine intensive Förderung in den Konservatorien und Musikschulen der grossen Städte.»

Und noch eine Aussage überrascht: Die jungen Männer seien wieder auf dem Vormarsch bei der musikalischen Ausbildung. Ein Grund könnte sein, dass einer gezielten Planung der Ausbildung wieder ein höherer Stellenwert zugemessen wird. Die Bereitschaft, an Förderprogrammen teilzunehmen, sei gewachsen.

Möglicherweise steigeredie angespannte Arbeitssituation nicht nur für Berufsmusiker sowie der internationale Wettbewerb die Motivation. Dennoch stehe die Persönlichkeit eines Musikers bei der Beurteilung im Vordergrund. «Drill wird von uns im Wettbewerb nicht geschätzt, da haben wir ein Auge drauf.»

Zahl der Teilnehmer steigt

So spiegele der SJMW die klassische Musikszene der Schweiz wieder. Ein Feld, das lange mit dem Bild von elitären Schichten oder zumindest gutbürgerlicher Töchtererziehung verknüpft war. Munzinger stellt fest: «Die Beschäftigung mit klassischer Musik beginnt noch immer meist ab einer bestimmten Einkommensklasse.»

Das sei weniger auf die Kosten des ausserschulischen Musikunterrichts zurückzuführen, für den es ja Schulgeldermässigungen gebe. «Es hat damit zu tun, wer sich mit dieser Art von Musik identifiziert.» Da die Zahl der Teilnehmer am Schweizer Ju­gend­musikwettbewerb von Jahr zu Jahr steigt, muss die Faszination wohl von der Musik aus­gehen.

Dabei zeigten nicht die jungen Erwachsenen, sondern die 15- bis 17-Jährigen die auf­fallendsten Leistungen, resümiert Munzinger. «Sie bringen die Musik besonders temperamentvoll und emotional rüber.» (zuonline.ch)

Erstellt: 21.04.2016, 16:06 Uhr

Hans-Ulrich Munzinger von der Fachkommission des SJMW. (Bild: pd)

Jugendmusikwettbewerb

Do, 5., bis Sa, 7. Mai, Wettbewerbsvorspiele auf der Musikinsel ­Rhein­au. So, 8. Mai, 9.30 Uhr, Schlusskonzert mit ausgewählten Preisträgern, Stadthaussaal Winterthur. Eintritt zu allen Veranstaltungen frei.
www.sjmw.ch

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