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Keine hohe Entschädigung für gierige Finderin

Eine Frau hatte sich geweigert, ein aufgefundenes Mobiltelefon herauszugeben, solange sie keine Umtriebsentschädigung von 100 Franken erhalte: Ein Staatsanwalt ermittelte daraufhin wegen Erpressung gegen Frau.

40 Franken waren der Finderin nicht genug - sie verlangte, dass der Handybesitzer 100 Franken zu entschädigen habe.
40 Franken waren der Finderin nicht genug - sie verlangte, dass der Handybesitzer 100 Franken zu entschädigen habe.
Keystone

Der Staatsanwalt stellte das Verfahren dann zwar ein, auferlegte der Frau jedoch die Kosten. Zu recht, sagt das Zürcher Obergericht.Die Frau verstand nicht, weshalb sie bestraft werde, wenn sie ja unschuldig sei: Sie wehrte sich deshalb vor Obergericht dagegen, dass sie die Verfahrenskosten von 300 Franken zahlen müsse.

Das Zürcher Obergericht stimmt ihr teilweise zu: Die rechtskräftige Einstellungsverfügung wegen Erpressung komme schon einem freisprechenden Entscheid gleich, heisst es in der schriftlichen Verfügung. Und: Die Frau sei deswegen in der Tat weder verurteilt noch bestraft worden.

Da aber die Frau mit ihrem Verhalten vom «als angebracht geltenden Durchschnittsverhalten abwich, ist ihr Verhalten widerrechtlich und schuldhaft». Damit meinen die Richter: Die Frau hat das - später eingestellte - Verfahren wegen Erpressung mit ihrem Verhalten provoziert. Selber schuld also, sie muss für die Kosten aufkommen.

Angebotener Finderlohn war ihr zuwenig

Am 28. Oktober 2016 hatte ein Mann sein Mobiltelefon verloren. Als er am Abend auf seine eigene Nummer anrief, meldete sich eine Frau: Sie werde ihm das gefundene Handy aushändigen, wenn er ihr eine Umtriebsentschädigung von 100 Franken zahle. Auf das Angebot eines Finderlohnes von 40 Franken trat die Frau nicht ein und beharrte auf ihrer Forderung. Da gelangte der Mann entnervt an die Zürcher Stadtpolizei und erstattete Anzeige.

Der Staatsanwalt stellte das Verfahren rasch wieder ein: Für den Tatbestand der Erpressung sei der angedrohte Nachteil nicht «ernstlich» genug und die geforderte Intensität nicht gegeben gewesen. Aber eben, die aufgelaufenen Verfahrenskosten von 300 Franken halste er dennoch der Frau auf.

Das Eigentumsrecht verletzt

Es sei unbestritten, dass sie das gefundene Mobiltelefon nicht habe herausgegeben wollen, hält das Zürcher Obergericht in seiner Verfügung fest. Erst als ein Polizeibeamter «mit lauter Stimme erklärt habe, sie sei zur Abgabe verpflichtet, habe sie es gegen Quittung ausgehändigt».

Ein Finder einer verlorenen Sache habe diese zurückzugeben, schreibt das Gericht. Zurückbehalten könne er es nur, um seine Ansprüche auf den Ersatz aller Auslagen sowie einen angemessenen Finderlohn durchzusetzen.

Vorliegend habe die Frau aber keine Auslagen gehabt. Und üblich sei ein Finderlohn im Betrag von zehn Prozent der verlorenen Sache, was beim Handy nicht mehr als die angebotenen 40 Franken gewesen wären. Die Frau wäre deshalb «zur unverzüglichen Hausgabe verpflichtet gewesen». Indem sie dies - zumindest zunächst - verweigerte, habe die das Eigentumsrecht des Mannes verletzt.

(SDA)

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