Pilze

Kontrolleure fanden mehr Giftpilze

Im Kanton Zürich sortierten die Pilzkontrolleure im letzten Jahr 155,8 Kilo giftige und 5,5 Kilo tödlich giftige Pilze aus. Das ist deutlich mehr also im Jahr zuvor.

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Ende August 2018 rief der Vater eines 20-jährigen Patienten direkt aus dem Spital beim Pilzkontrolleur in Rorbas an. Rund fünf Stunden nachdem er einen Hexen-Röhrling genossen habe, hätten bei seinem Sohn Bauchschmerzen und starkes Erbrechen eingesetzt.

Der Patient erhielt Medikamente gegen die Magen-Darm-Beschwerden und Flüssigkeit, da er inzwischen starken Durchfall zeigte.

Die Mutter des Patienten hatte den Pilz fotografiert, bevor sie ihn zubereitete. In der Folge enttarnte der Kontrolleur den vermeintlichen Hexen-Röhrling eindeutig als giftigen Satans-Röhrling. Die Behandlung des Patienten wurde angepasst und er konnte das Spital am späteren Morgen verlassen.

Die Magen-Darm-Beschwerden hielten aber noch eine ganze Weile an. Dieser reale Fall wird im Jahresbericht 2018 des Kantonalen Labors zu den Pilzkontrollen im Kanton Zürich geschildert.

Fünf Tonnen Speisepilze

Zahlreiche Pilzsammler nehmen – anders als die Familie im Beispiel – das Fachwissen der Pilzkontrolleure in Anspruch bevor sie die Pilze zubereiten und verspeisen. So lassen sich unliebsame Überraschungen vermeiden.

6221 Kilogramm Pilze prüften die Pilzkontrolleure 2018 im ganzen Kanton Zürich. Gut 5000 Kilogramm konnten sie als Speisepilze freigeben.

Das bedeutet aber auch, dass mehr als ein Sechstel der kontrollierten Pilze ungeniessbar (1037 kg), giftig (156 kg) oder gar tödlich giftig (5,5 kg) waren. Die Menge der aussortierten Giftpilze hat gegenüber dem Vorjahr damit um 29,5 kg zugenommen.

Hans-Peter Neukom, Pilzexperte vom Kantonalen Labor, sieht für diese Entwicklung einen möglichen Grund: 2018 hätten Sammler zahlreiche grosse Exemplare des giftigen Satans-Röhrlings und des Wurzelnden Bitter-Röhrlings zur Kontrolle gebracht.

Unstetes Pilzjahr

Wie aus dem Bericht des Kantonslabors hervorgeht, blicken die Pilzler auf eine spannende Saison zurück. Der Start im Frühling war etwas verhalten. So fanden sich weniger Morcheln, Maipilze und März-Schnecklinge als im Schnitt der letzten Jahre.

Von Mitte Mai bis Ende Juni änderte sich die Situation. Die Pilze profitierten von Wärme und Gewitterregen. So liessen sich vor allem Speisepilze wie Sommer-Steinpilze, Frauen-Täublinge, Perlpilze, Flockenstielige Hexen-Röhrlinge, Fransige Wulstlinge und sogar Eierschwämme sammeln.

Der Juli und der August waren für die Pilze dann viel zu heiss und zu trocken. Nach einigen Niederschlägen im September veränderte sich das Bild abermals. Vor allem Dickröhrlinge zeigten sich nun in Hülle und Fülle.

Vermehrt wurden seltene Exemplare wie der Anhängsel Röhrling, der Blasshütige Purpur-Röhrling, der Silber-Röhrling, der Blauende Königs-Röhrling, der Ochsen-Röhrling und der Falsche Satans-Röhrling in die Kontrolle gebracht.

Weshalb 2018 Herbst-Trompeten, Gelbe Kraterellen und Durchbohrte Leistlinge – allesamt bei Pilzgourmets beliebt – fast ausblieben, ist auch für den Pilzexperten Neukom noch ein Rätsel. 

Erstellt: 17.05.2019, 15:18 Uhr

Pilzkontrolle: Gemeinden stehen in der Pflicht

Jedes Jahr ereignen sich auch im Kanton Zürich leichte und schwere Vergiftungen durch nicht kontrollierte Pilze. Verwechslungen, Unwissenheit, Nachlässigkeit und Selbstüberschätzung spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Doch wo kann man seine geernteten Schwämme kontrollieren lassen? Im Kanton Zürich müssen die 162 Gemeinden von Gesetzes wegen dafür besorgt sein, dass Private ihre Pilze kontrollieren lassen können. Die Gemeinden bestellen dafür Pilzkontrolleurinnen und Pilzkontrolleure und melden diese dem Kantonalen Labor. Zahlreiche Gemeinden unterhalten gemeinsam eine Pilzkontrollstelle. Im Kanton Zürich sind so 32 Kontrollstellen vorhanden. (hpn)

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