Zürichsee

Kormoranschwarm verärgert Fischer

Mehrere Hundert Kormorane bewegen sich derzeit am oberen Zürichsee. Die Kantone haben zuletzt vermehrt Abschussbewilligungen für die Fischfresser ausgestellt. Unter anderem im Schwyzer Teil des Zürichsees. Berufsfischer begrüssen diese Aktionen.

Kormorane treten auf dem Zürichsee nicht nur in kleinen Grüppchen auf, sondern manchmal auch in einem grossen Schwarm.

Kormorane treten auf dem Zürichsee nicht nur in kleinen Grüppchen auf, sondern manchmal auch in einem grossen Schwarm. Bild: Keystone

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In den letzten Wochen war zwischen Männedorf und Wädenswil ein auffällig grosser Kormoranschwarm zu sehen. Die Vögel also, die wegen ihrem Hunger nach Fisch nicht überall gut ankommen. Bis zu einem halben Kilo Fisch verputzen Kormorane pro Tag. Und nun tauchen sie in einer Zeit auf, in der den Berufsfischern auf dem Zürichsee zum ersten Mal seit längerem wieder mehr Fische in die Netz gehen.

Ein direkter Zusammenhang sei nicht festzustellen, wie Roman Bürgi, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion, sagt. Es komme immer wieder vor, dass Kormoranschwärme auf dem Zürichsee autauchen. Möglich wäre etwa, dass sie in grosser Zahl vom Greifensee auf den Zürichsee gewechselt haben. Am Greifensee befinden sich die grössten Brutgebiete der Kormorane im Kanton Zürich. «Es kann sich aber auch um einen Schwarm auf dem Weg in den Süden handeln», sagt Bürgi. Schon ab Juli und bis Dezember würden sich Kormoranschwärme auf den Weg zum Mittelmeerraum machen.

Abschuss teilweise erlaubt

Die Kantone beobachten die Kormorane mit Skepsis. Erst kürzlich haben St. Gallen, Glarus und Schwyz beschlossen, die Schonzeit für die Kormorane im Linthkanal zu verkürzen. Im Kanal wurden 2017 noch 421 Kilogramm Fisch gefangen — die niedrigste Menge seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1940er-Jahren. Auch im Berner Oberland oder am Bodensee werden die Vögel abgeschossen. Der Kanton Zürich hat im letzten Jahr eine Spezialbewilligung zum Abschuss zwischen dem Rheinfallbecken und der Kantonsgrenze zum Aargau ausgesprochen. Rund um den Zürichsee bleibt der Vogel aber auf Zürcher Seite geschützt. Nicht so auf Schwyzer Kantonsgebiet.

120 Tonnen Fisch pro Jahr

Andreas Braschler, Berufsfischer aus Hurden, bestätigt, dass es auf Schwyzer Gebiet weiterhin zu Vergrämungsschüssen kommt. Auch die neuen Massnahmen im Linthkanal sind im Sinne von Braschler. Es gäbe einzelne Kormorane, die sich darauf spezialisiert hätten, den Fischern die Fische aus dem Netz zu ziehen. Dabei gingen auch mal die Netze kaputt,was den Verlust noch grösser macht. Diese Vögel sollen durch die Schüsse von ihrem Tun abgehalten werden. Braschler begrüsst diese Vergrämungsaktionen und Abschüsse.

Dass ein grosser Schwarm aufgetaucht ist, überrascht den Fischer nicht. Gemäss Braschler haben in diesem Jahr viele Kormorane auf der Lützelau genistet. Im Oktober komme es immer wieder vor, dass sich bis zu 800 Vögel in dem Gebiet aufhalten. Dabei verliert der Zürichsee einiges an Fischen. Schwärme dieser Grösse verschlingen bis zu 400 Kilogramm Fisch pro Tag.

Andreas Braschler sagt, dass die Kormorane allein im Zürichsee 120 Tonnen Fisch im Jahr fressen. Problematisch sei es vor allem, wenn sie sich auf die Jungfische stürzen. Verzehren die Vögel ihren Tagesbedarf kann einer bis zu 100 kleinere Fische verschlingen.

Gemäss der Vogelwarte Sempach halten sich bis zu 2100 Brutpaare in der Schweiz auf. Am Zürichsee befanden sich jährlich zwischen 2007 und 2016 rund 380 Tiere. Der Kormoran gilt in der Schweiz nicht mehr als gefährdet. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.09.2018, 17:50 Uhr

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