Intersex

KSW macht einen «guten» Fehler

Anfang Jahr gab das Kantonsspital bekannt, dass 2018 fünf Kinder ohne eindeutiges Geschlecht geboren wurden – eine Fehlmeldung, wie sich jetzt herausstellt. Wie viele solche Kinder tatsächlich geboren wurden, ist umstritten.

Das Kantonsspital Winterthur ist, laut eigenen Angaben, das erste Spital, das über Neugeborene mit unbestimmtem Geschlecht informiert.

Das Kantonsspital Winterthur ist, laut eigenen Angaben, das erste Spital, das über Neugeborene mit unbestimmtem Geschlecht informiert. Bild: Symbolbild/Keystone

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Markus Bauer und Daniela Truffer freuten sich schon: «Wir begrüssen Bestrebungen zu Aufklärung und Bewusstseinsbildung betreffend Kinder mit Varianten der Geschlechtsentwicklung», sagten die beiden Mitstreiter von Zwischengeschlecht.org, der Vertretung von Intersex-Personen. Was sie meinten, war eine Mitteilung des Kantonsspitals Winterthur, das letzte Woche zum ersten Mal offen über die Anzahl neugeborener Intersex-Kinder berichtet hatte. Für Bauer und Truffer ein klarer Fortschritt.

KSW auf Pionierkurs

Fünf Fälle auf 1779 Geburten erschienen allerdings als über­raschend hohe Rate. Bei einer Nachfrage im KSW zeigte sich: Die Meldung, die zusammen mit der Namenshitliste von 2018 an die Medien ging, war falsch. «Die Zahl von fünf neugeborenen Kindern ist das Ergebnis eines Erfassungsfehlers», sagte Michael Baumann, Mediensprecher des KSW, ging aber gleich in die Offensive: «Wir sind das erste Spital, das über Neugeborene mit unbestimmtem Geschlecht informiert. Und wir werden das weiter tun.»

Das KSW bekennt sich zur Transparenz in Sachen Intersex. Auch wenn 2018 der Medienstelle doch kein Fall bekannt wurde. Bauer und Truffer sehen die Sachlage anders. Sie sind der Meinung, dass viele Intersex-Kinder vorschnell den Jungen und den Mädchen zugeteilt werden. Operationen an den Genitalien der Neugeborenen würden Tat­sachen schaffen, sagen sie.

Protest gegen Operationen

Die meisten Operationen an Intersex-Kindern nimmt das Kinderspital Zürich vor. Bauer und Truffer stellen sich vehement gegen solche Eingriffe. Sie führen an, dass die Schweiz derentwegen schon von Menschenrechtskomitees der UNO gerügt worden sei. Die beiden halten es für möglich, dass im KSW doch mehr Intersex-Kinder geboren wurden, als die Statistik ausweist. Die Zahl hängt von der Definition ab, welches Kind eindeutig ein Junge ist und welches Kind eindeutig ein Mädchen.

Weitere Abklärungen beim KSW ergaben schliesslich, dass in Winterthur 2018 doch ein Kind ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale geboren wurde. (Landbote)

Erstellt: 10.01.2019, 05:32 Uhr

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