Film

Küsnachter Handarbeit im Hollywoodfilm

Der Küsnachter Ramon Arango hat beim Animationsstudio Pixar eine Figur erschaffen. Sie ist ab dieser Woche im Kinofilm «Toy Story 4» zu sehen.

Duke Kaboom ist eine neue Figur in Toy Story 4. Ramon Arango hat das digitale Model kreiert. Die Frisur basiert auf seinem Originalentwurf.

Duke Kaboom ist eine neue Figur in Toy Story 4. Ramon Arango hat das digitale Model kreiert. Die Frisur basiert auf seinem Originalentwurf. Bild: Disney/Pixar

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Cowboy Woody und der Astronaut Buzz Lightyear - seit 1995 tauchen die beiden animierten Spielzeuge immer wieder auf der Leinwand auf. Dieses Jahr wird ihre Geschichte in ‹Toy Story 4› weiter geschrieben. Im äusserst erfolgreichen Film - er hat ausserhalb der Schweiz schon mehr als 900 Millionen Dollar eingenommen - steckt auch ein Stück Schweizer Handarbeit. Der Küsnachter Ramon Arango hat während eines Praktikums beim Animationsstudio Pixar in Kalifornien 2017 am Film mitgearbeitet. «Ich war sehr überrascht, als ich die Zusage erhielt», erinnert sich der 26-Jährige. In der ganzen Firma waren 60 Praktika ausgeschrieben, auf die sich 10 000 Bewerber gemeldet hätten.

Arango landete schliesslich in der sogenannten Modelling Abteilung. Dort geht es nicht darum, schöne Kleider zu präsentieren, sondern das Model einer Animationsfigur zu entwickeln. Der Designer hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine 2D Skizze entworfen. Dann geht es darum, am Computer daraus eine Skulptur in drei Dimensionen zu kreieren. Arango hat während einigen Wochen an der Figur des Duke Kaboom gearbeitet. Kaboom ist ein neuer Charakter in ‹Toy Story 4›, eine Spielzeugfigur eines fiktionalen kanadischen Stuntmans. Keanu Reeves ist die Stimme von Duke Kaboom. Doch Arango war am Werk, bevor der Schauspieler seine Arbeit aufnahm.

Video: Keanu Reeves als Duke Caboom

Digitaler Ton

«Es kann vorkommen, dass gewisse Aspekte in zwei Dimensionen gut aussehen, aber in drei Dimensionen nicht mehr funktionieren», erklärt der junge Animator. Es sei dann seine Aufgabe, diese Probleme zu lösen. Dabei arbeitet er mit einer Software namens Z-Brush, mit der sich wie mit Ton modellieren lässt, aber eben digital. «Wir müssen die Figur nicht mit Drähten in Form bringen, sie schwebt einfach im digitalen Raum.» Für diese Arbeit nutzt er Stift und Tablet.

Das Model wird dann irgendwann den Vorgesetzten inklusive Regisseur gezeigt und dann nach deren Wünschen angepasst. Bei Duke Kaboom ging es darum, wie genau sein Cape befestigt ist. «Es ist ein unglaublich kollaborativer Prozess», erklärt Arango.Der junge Animator setzte aber nicht nur Vorgaben um, sondern konnte auch eigene kleine Schwerpunkte setzten: Die Frisur von Duke Kaboom hat er entworfen.

In ‹Toy Story 4› erwartet die Spielzeuge ein neues Abenteuer. Foto: Disney/Pixar

Der Hauptsitz von Pixar in Emeryville, Kalifornien ist bekannt für seine tolle Atmosphäre. Auch Arango schwärmt von den geräumigen Gebäuden: «Das Licht ist sehr schön.» Der Campus beinhaltet auch zahlreiche Sportplätze, einen Park, ein Amphitheater und die berühmte Cereal-Bar, an der zehn bis fünfzehn verschiedene Arten Cornflakes angeboten werden. Kein Wunder möchte Arango eines Tages dorthin zurückkehren. «Aber nicht für immer, ich will kein Amerikaner werden!»

Arbeit wird nicht gewürdigt

Im Moment arbeitet der Küsnachter in London. In der Schweiz ist die 3D-Animationsbranche nicht sehr gross. Studieren kann man Animation einzig an der Hochschule Luzern, wo auch Arango seinen Bachelor gemacht hat. Während seines Praktikums bei der Zürcher Firma Elefant Studios machte diese im Dezember 2017 gar Konkurs. «Ich hoffe nun, dass einer meiner Kollegen sich entschliesst, eine eigene Bude aufzumachen.» Aber in der Schweiz wissen wenige Leute überhaupt, was ein Animator macht. «Sie denken ich arbeite auf einem Kreuzfahrtschiff.» Wenn er dann das Wort 3D in den Mund nehme, würden alle meinen, es gehe um die 3D Brillen im Kino.

«In der Schweiz wissen wenige Leute überhaupt, was ein Animator macht.»Roman Arango, Animator

«Dieses Unwissen bedeutet, dass die Arbeit kaum gewürdigt wird.» Den meisten Zuschauern sei nicht klar, wie viel Arbeit hinter einem Animationsfilm stecke. «Hunderte Leute arbeiten jahrelang an einem solchen Film.» Er selbst hat für einen Kurzfilm, der etwa eineinhalb Minuten lang ist, während drei Monaten Vollzeit und danach während eines Jahres in der Freizeit gearbeitet. Doch die Komplexität seines Filmes lasse sich mit dem eines Pixarfilmes nicht vergleichen.

Prekäre Arbeitsbedingungen

Zurzeit arbeitet Arango bei Double Negative (DNEG) in London. Die Firma hat an Filmen wie ‹Fast and Furios: Hobbs & Shaw›, oder ‹Avengers: Endgame› mitgearbeitet. Bei dieser Arbeit geht es vor allem darum, die Spezialeffekte möglichst perfekt mit der Realität zu verschmelzen. Arango arbeitet aber an einem Animationsfilm. Über seinen Einjahresvertrag bei der Firma ist der Animator erfreut, denn die Verträge in der Animationsbranche seien häufig auf ein halbes Jahr oder sogar nur vier Monate beschränkt. «Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind nicht ideal.» Es werde erwartet, dass die jungen Animatoren die Arbeit aus Freude verrichten und der Lohn sekundär ist.

Arango möchte nicht nur an den Filmen anderer Leute arbeiten, sondern verfolgt auch eigene Projekte. Der Kurzfilm ‹Roar›, den er mit ZSZ-Karikaturist Owley Samter gezeichnet hat, wird immer noch an Festivals gezeigt. In der Freizeit entwirft der Animator zurzeit tanzende Figuren. «Ich möchte Bewegungen zeigen, die im echten Leben nicht möglich sind.»

Erstellt: 12.08.2019, 11:31 Uhr

Pixar

Pixar Animation Studios ist eines der bedeutendsten Animations­studios der Welt. Es wurde 1986 mithilfe von Apple-Chef Steve Jobs gegründet. 2006 kaufte Walt Disney das Unternehmen. Pixar
hat bis anhin 21 Filme veröffentlicht und damit die Kategorie des besten Animationsfilmes an den Oscars dominiert. Zu den Gewinnern gehören «Finding Nemo», «Die Unglaublichen», «Ratatouille» und «Toy Story 3». Im Jahr 1995 war «Toy Story» der erste vollständig computergenerierte Animationsfilm. Es geht darin um Spielzeug, das zum Leben erwacht, sobald der Besitzer den Raum verlässt. Der vierte Teil kommt am 15. August in der Schweiz in die Kinos.(otm)

Animator Ramon Arango

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!