Kultur

Autofahren für die Zürcher Kultur?

Die Finanzierung der Kulturförderung im Kanton Zürich ist neu zu regeln – das Geld ist knapp. Warum nicht den Strassenfonds anzapfen, lautet eine Idee aus Kreisen der Kulturschaffenden.

Die Film- und digitale Medienkunst fordert, wie die etablierte Kunst, unterstützt zu werden.

Die Film- und digitale Medienkunst fordert, wie die etablierte Kunst, unterstützt zu werden. Bild: pd

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Mehr als 150 Millionen Franken pro Jahr gibt der Kanton Zürich für die Kultur aus: Rund 90 Millionen fliessen ans Opernhaus und das Theater des Kantons Zürich, 50 Millionen als Kulturlastenausgleich an die Städte Zürich und Winterthur – beides finanziert aus Steuergeldern. Die verbleibenden knapp 20 Millionen Franken Kulturfördergeld werden seit 2016 aus dem Lotteriefonds finanziert. Zuvor war aus ihm nur die Hälfte beglichen worden, die andere Hälfte aus den Steuereinnahmen. Der Kantonsrat nahm die Anpassung vor, um den Lotteriefonds abzubauen, der sich stets mehr gefüllt hatte. Zum Paket gehörte auch eine Erhöhung der Kulturförderungsbeiträge um 5,5 Millionen Franken, wovon vor allem der Film profitiert. Jedoch ist das Ganze befristet bis 2021.

Wie in Berlin

Die Linke war damals skeptisch. Sie äusserte die Befürchtung, dass 2022 wieder weniger Lotteriefondsgeld zur Verfügung steht und der Ausfall dann nicht ersetzt wird. Nun gibt es aus Kreisen der Kulturschaffenden eine Idee, wie der Ausfall nicht nur kompensiert werden könnte, sondern weitere Mittel frei würden. Diese sollen der digitalen Kreativwirtschaft zugutekommen, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist.

Im Visier hat man den Strassenfonds des Kantons Zürich. In Berlin-Brandenburg wurde kürzlich ein ähnlicher Vorstoss lanciert unter dem Titel «Digitale Autobahn». Ziel: Finanzierung der ­Kultur- und Kreativwirtschaft aus Infrastrukturmitteln. Schliesslich deckt Kultur auch ein Grundbedürfnis ab, erklärt SP-Kantonsrat Andrew Katumba die Logik dahinter. Er ist Co-Präsident des Branchenvereins Zürich für den Film. Dieser hat mit Unterstützung der Swiss Game Developers Association die Volksinitiative für ein Film- und Medienförderungsgesetz lanciert, über die im Kanton Zürich dereinst abgestimmt wird. Verlangt werden eine gesetzliche Grundlage und eine stärkere Förderung des Films und der digitalen Medienkunst.

Fiala findet die Idee kreativ

Der Zürcher Strassenfonds ist prallvoll. Er speist sich aus den Verkehrsabgaben und dem Kantonsanteil an der Schwerverkehrsabgabe. Strassenbauten verzögern sich nicht selten durch Einsprachen, entsprechend bleibt Geld liegen. Rund eine Milliarde Franken umfasst der Fonds aktuell.

Ohne bürgerliche Schützenhilfe dürfte er aber unerreichbar bleiben. Doris Fiala, FDP-Nationalrätin und Interessentin für eine Stadtratskandidatur in Zürich, findet die Idee, ihn für die Kultur anzuzapfen, zumindest prüfenswert. Sie erklärt, dass sie sowohl der Kultur sehr nahe stehe, als auch einen guten Draht zu Auto Schweiz habe, dem Verband der Autoimporteure. Mit dessen Präsident wolle sie das Gespräch suchen. Letztlich werde es auf die konkrete Ausgestaltung ankommen, sagt sie – die Idee an sich finde sie kreativ. Sie könne sich gut vorstellen, Brückenbauerin zu sein zwischen den sehr verschiedenen Welten von Mobilität und Kreativität. Fiala ist im Initiativkomitee der Filmförderungsinitiative. Sie erwähnt die Electronic Art Foundation, die sie begeistert. Aus Erfahrung weiss sie, wie schwierig es ist, Mittel für Kulturprojekte zu beschaffen. Ihre Tochter hat die ZHdK absolviert. Sie betont die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des digitalen Kreativschaffens für Zürich.

Neuregelung aufgegleist

Die Neuregelung der Kulturförderung ab dem Jahr 2022 ist bereits aufgegleist. Der Kantonsrat hat dazu im Juni 2016 ein Postulat überwiesen. Die Postulanten hatten verlangt, dass fix 50 Prozent der Lotteriefondsgelder für die Kultur zu reservieren seien – analog zum Sport, an den 30 Prozent fliessen. Der Regierungsrat hatte kürzlich 25 Prozent für die Kultur als angemessen bezeichnet. Die Strassenfondsidee wäre gleichzeitig mit der Neuregelung des Lotteriefondsgesetzes einzubringen.

Beatrix Frey-Eigenmann (FDP), Erstunterzeichnerin des Postulats, hält wenig von der Strassenfondsidee. Es fehle der innere Zusammenhang. Sie kann sich auch höchstens eine massvolle Erhöhung der Förderung vorstellen. Reiche dafür das Lotteriegeld nicht, seien wie früher Mittel aus dem regulären Haushalt beizuziehen.

Erstellt: 04.05.2017, 23:19 Uhr

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