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«Wir erzählen vom ganz alltäglichen Wahnsinn»

Sie erzählen von Windeln, wenig Sex und anderen Katastrophen: die Frauen aus «Traumfrau Mutter». Ein Déjà-vu für Mütter und Väter.

Wanda Wylowa (vorne) als arg mitgenommene Alison, die sich im Erfolgsstücks «Traumfrau Mutter» durch den Alltag kämpft.
Wanda Wylowa (vorne) als arg mitgenommene Alison, die sich im Erfolgsstücks «Traumfrau Mutter» durch den Alltag kämpft.
Jan Sulzer

Die Theatershow «Traumfrau Mutter», die 2006 auch auf den Schweizer Bühnen einen bombastischen Erfolg feierte, kommt im April wieder in der Mundartfassung nach Zürich. Das Tagebuch des Kinder- und Babyalltags erzählt in witzigen, selbstironischen Episoden von Lust und Frust im Mutterdasein. Nicht immer ganz jugendfrei, aber umso authentischer. Die Schauspielerin Wanda Wylowa spielt im Stück eine besorgte Mutter, deren erster Sohn viel zu früh zur Welt gekommen ist und seine ersten Monate auf der Intensivstation verbringen musste.

Frau Wylowa, Set oder Bühne?Wanda Wylowa: Set! Weil es in der kleinen Schweiz für mich bis jetzt seltener möglich war zu drehen. Ich liebe die Spannung auf dem Set, wenn die Kamera zu laufen beginnt und es dann heisst «Und bitte!».

Und wie stehen Sie zur Bühne? Ich möchte die Bühne auf keinen Fall missen. Das Publikum zu spüren, die Reaktionen zu erleben – und diese bleiben bei «Traumfrau Mutter» nicht aus –, ist einzigartig und Lohn für die Arbeit.

Zurzeit sind Sie in der TV-Serie «Seitentriebe», bald auch auf der Bühne mit «Traumfrau Mutter» zu sehen – in beiden Produktionen als Frau, Ehefrau und Mutter. Wie nahe ist Ihnen persönlich diese Rolle? Die Grundgefühle sind mir sehr vertraut, ich bin aber das genaue Gegenteil von der verschlossenen Monika aus «Seitentriebe» und auch der verschusselten Alison aus «Traumfrau Mutter». Wäre ich kein Organisationstalent, würde ich das nicht alles schaffen neben meinen beiden Buben.

Glauben Sie, sich als Mutter besser in eine solche Rolle einfühlen zu können? Auf jeden Fall. Bei «Traumfrau Mutter» ist das Muttersein absolut notwendig. Ohne die Erfahrung könnte ich die Rolle zu wenig erfassen und spielen. Als Alison lasse ich aber ganz viel von Wanda weg und suche die Anteile der Figuren, die ich spiele in mir, ich schaufle die Figuren sozusagen frei.

«Traumfrau Mutter» ist ein komödiantisches Bühnenstück. Inwieweit spiegeln die Inhalte trotzdem die Realität? Alle Eltern werden sich bei vielem wiedererkennen. Wir erzählen vom Muttersein, dem ganz alltäglichen Wahnsinn, den jede Mutter bestens kennt. Es ist, so glaube ich, sehr befreiend, mal ein paar Dinge von andern ausgesprochen zu hören und über ihren verzweifelten Kampf lachen zu können.

Können Sie uns eine kleine alltägliche Szene schildern? Im Stück kommt so viel vor: vom Babysitter, der fünf Minuten vor Termin absagt, das Kind, das so krank ist, dass man viermal in der Nacht die Bettwäsche wechseln muss, oder einfach dass man sich vorher alles ganz anders vorgestellt hat und keiner hats einem gesagt!

«Ohne Erfahrung könnte ich die Rolle zu wenig erfassen und spielen.»

Wanda Wylowa

Bei «Traumfrau Mutter» spielen Sie vor einem vornehmlich weiblichen Publikum. Inwiefern beeinflusst das die Stimmung im Theatersaal? Als wir die Mundartfassung 2010 und 2012 bereits aufgeführt haben, war die Stimmung immer grossartig. Sehr ausgelassen! Mütter, die nur zwei Mal im Jahr in den Ausgang dürfen, geben dann richtig Gas! (lacht)

Und inwieweit beeinflusst es Sie in Ihrem Spiel? Es gibt mir Energie. Es ist eine grosse Freude, etwas spielen zu dürfen, das so nah an den Zuschauenden ist und ihnen so viel Spass bereitet.

Geben Sie sich dadurch enthemmter? Ich lass mich gern mitreissen, bleibe aber immer in meiner Rolle. Ich habe ja auch ganz ernste Parts im Stück, denn Alisons erster Sohn kam drei Monate zu früh zur Welt.

Männer sind auf der Bühne keine zu sehen; sie sind aber dennoch Thema, oder? Ja sie sind ein Thema, aber eher durch ihre Abwesenheit im Alltag. Meine Figur sagt allerdings, dass sie ohne ihren Mann dies alles nie hätte bewältigen können. Und: Es gibt einen wichtigen Teil eines Mannes, der auch auf der Bühne erscheint. Aber mehr sei hier nicht verraten ....

Sollten sich denn mehr Männer zum Publikum gesellen? Ja, unbedingt sollten sie es sich ansehen. Vorallem, wenn sie sich Betreuung und Erwerbsarbeit mit ihrer Partnerin teilen. Dann kennen sie diese lustigen, stressigen, absurden, überfordernden, beglückenden Momente ja selber. Und wenn nicht, dann erhalten sie Einblicke in das Leben ihrer Partnerinnen.

Und was sagt eigentlich Ihre Familie zu Ihrer Rolle? Die Serie haben sich meine Buben nur stellenweise angesehen. Sie meinten, sie hören dann genug von ihren Kollegen drüber (der Grosse). Der Kleine findet es doof, weil es um Sex geht, das mag er nicht. Ich habe ihm dann aber doch noch so nebenbei einiges Sinnvolles zum Thema erklären können, als er dann mal mitgeschaut hat … «Traumfrau Mutter» werden sie sich ansehen. Wenn ich zu Hause singen übe, frotzeln sie schon sehr.

«Traumfrau Mutter»

3. bis 18. April, jeweils Dienstag bis Samstag, 19.30 Uhr, und Sonntag, 15 Uhr. Maag-Halle, Zürich. Tickets: Maag-Hotline 0900 444 262 (CHF 1.19/Min., ab Festnetz) sowie unter www.starticket.ch und www.ticketcorner.ch.

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